Rezension über:

Karl Vocelka: Frühe Neuzeit. 1500-1800 (= UTB basics), Konstanz: UVK 2013, 256 S., 44 Abb., ISBN 978-3-8252-2833-0, EUR 19,99
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Thomas Maissen: Geschichte der Frühen Neuzeit (= C.H. Beck Wissen; 2760), München: C.H.Beck 2013, 128 S., 2 Kt., ISBN 978-3-406-65472-5, EUR 8,95
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Rezension von:
Michael Erbe
Historisches Institut, Universität Mannheim
Redaktionelle Betreuung:
Sebastian Becker
Empfohlene Zitierweise:
Michael Erbe: Einführungsliteratur zur Frühen Neuzeit (Rezension), in: sehepunkte 15 (2015), Nr. 6 [15.06.2015], URL: http://www.sehepunkte.de
/2015/06/23925.html


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Einführungsliteratur zur Frühen Neuzeit

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Die drei Jahrhunderte des Übergangs der Geschichte Europas vom Mittelalter zum Industriezeitalter umfassen eine Epoche, die in ihrer Vielfalt für Studierende nicht leicht zu erfassen bzw. zu überblicken ist. Dies gilt sowohl für die politischen Veränderungen im Innern der einzelnen Staatswesen als auch für deren Konflikte untereinander, ferner für die religiösen Streitigkeiten und sozialen Spannungen zwischen gesellschaftlichen Gruppen sowie für die unterschiedlichen geistigen Strömungen, welche die "Moderne" vorbereiten halfen. Die Anforderungen, die an die Autorinnen und Autoren von einführender Literatur und Überblicksdarstellungen über die Frühe Neuzeit als Epoche gestellt sind, sind also hoch. Um ihnen adäquat zu begegnen, bieten sich indes, wie die beiden anzuzeigenden, jeweils unterschiedlichen Vorgaben der Verlage unterworfenen Bände zeigen, verschiedene Wege an.

Das Werk Karl Vocelkas sollte man als Studierender parallel zu dem bereits 2006 im selben Verlag in der gleichen Reihe (UTB basics) erschienenen Buch von Birgit Emich "Geschichte der Frühen Neuzeit studieren" [1] lesen. Letzteres enthält gute technische Hinweise auf die Probleme des Studiums dieser Epoche, die für Anfänger sehr nützlich sind, sowie einfacher formulierte Erklärungen. Vocelkas Buch setzt dagegen mehr auf die wissenschaftliche Fundierung der Beschäftigung mit der Epoche. Es widmet sich nicht nur den verschiedenen "Veränderungsschüben" im politischen, religiösen, sozialen und wirtschaftlichen wie auch im geistig-kulturellen Bereich, sondern zeichnet auch den jeweiligen Forschungsstand nach und bietet schließlich in drei gehaltvollen Kapiteln einen souveränen Abriss der europäischen Geschichte zwischen 1500 und den Anfängen der Französischen Revolution. Dieser dürfte allerdings vor allem bereits etwas fortgeschrittenen Studierenden von Nutzen sein.

Gelungen sind dabei die zahlreichen kurzen Erläuterungen historischer Begriffe und die Veranschaulichung der Entwicklung Europas durch Karten, Abbildungen und genealogische Tabellen (die jedoch leider hauptsächlich die Entwicklung der wichtigsten Dynastien des 16. und 17. Jahrhunderts zum Gegenstand haben). Wertvoll sind darüber hinaus die Fachliteraturhinweise, die sich glücklicherweise nicht auf deutschsprachige Werke beschränken.

Insgesamt handelt es sich zwar um eine recht dicht geschriebene Darstellung, deren Lektüre man jedoch jedem Studierenden des Faches Geschichte ans Herz legen sollte, wobei Studienanfänger zuvor bzw. parallel dazu wie bereits gesagt unbedingt die Einführung von Birgit Emich mit zu Rate ziehen sollten.

Alleine was den vom Verlag vorgegeben Umfang des zweiten anzuzeigenden Bandes betrifft, stand Thomas Maissen vor einer besonderen Herausforderung. Die drei Jahrhunderte zwischen der Entdeckung Amerikas und dem Ausbruch der Französischen Revolution in der für die Reihe vom Verlag vorgegebenen Umfang zu beschreiben ist kein leichtes Unterfangen. Der Verfasser gliedert die Entwicklung in die Zeit der Renaissance, der Entdeckungen und der Reformation, ferner des von den Habsburgern in Spanien wie im Reich geprägten 16. Jahrhunderts, der französischen Ära des 17. und der britischen des 18. Jahrhunderts sowie des Umbruchs im Rahmen der beginnenden Industrialisierung und der Revolution in Frankreich, die in das "lange" 19. Jahrhundert überleiten.

In sämtlichen Kapiteln stehen die jeweils übergeordneten Gesichtspunkte im Vordergrund. Dabei werden jedoch sowohl die politische als auch die geistig-religiöse Entwicklung sowie die jeweiligen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme betrachtet. Auch die wichtigen Persönlichkeiten in den Bereichen Politik, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft werden berücksichtigt. Trotz der Kürze handelt es sich um einen souveränen und zudem lebendig geschriebenen Überblick über eine der bedeutendsten Epochen der europäischen Geschichte, der gerade für Studierende der Geschichte eine überaus empfehlenswerte Lektüre darstellt.


Anmerkung:

[1] Birgit Emich: Geschichte der Frühen Neuzeit studieren, Konstanz 2006 (UTB basics: Geschichte).

Michael Erbe