Rezension über:

David Hey / Lisa Liddy / David Luscombe (eds.): A Monastic Community in Local Society. The Beauchief Abbey Cartulary (= Camden Fifth Series; Vol. 40), Cambridge: Cambridge University Press 2011, VIII + 304 S., 2 Karten, 1 s/w-Abb., ISBN 978-1-107-01646-0, GBP 45,00
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Rezension von:
Julia Bruch
Historisches Institut, Universität zu Köln
Redaktionelle Betreuung:
Ralf Lützelschwab
Empfohlene Zitierweise:
Julia Bruch: Rezension von: David Hey / Lisa Liddy / David Luscombe (eds.): A Monastic Community in Local Society. The Beauchief Abbey Cartulary, Cambridge: Cambridge University Press 2011, in: sehepunkte 13 (2013), Nr. 2 [15.02.2013], URL: http://www.sehepunkte.de
/2013/02/21694.html


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David Hey / Lisa Liddy / David Luscombe (eds.): A Monastic Community in Local Society

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Bei dem vorliegenden Buch handelte es sich um die Edition eines Kopialbuchs (Cartulary) aus dem Prämonstratenserstift Beauchief in Sheffield, Derbyshire, aus dem 15. Jahrhundert. Die Arbeit beginnt mit einem Einleitungsteil, der sich unter anderem mit der Geschichte der Abtei, mit ihrer Stellung und Verflechtung innerhalb der Region sowie mit den Auswertungsmöglichkeiten des Urkundenbuchs befasst (1-33). Auf die Einleitung folgt ein einseitiges Glossar mit Erklärungen zu den wichtigsten und spezielleren Quellenbegriffen wie bovate, fee oder syke sowie zwei Karten. Karte 1 zeigt schematisch die lokalen Besitzungen der Abtei, Karte 2 die Besitzungen in Derbyshire, Leicestershire, Nottinghamshire und Yorkshire. An diese nützlichen schriftlichen wie visuellen Vorbemerkungen schließt sich die Edition des Kopialbuchs an (39-268). Es folgen Auszüge aus dem Leak Cartulary (kompiliert um 1574) und aus der Royal Confirmation (1316 für das Stift in Lincoln ausgestellt).

Das erstgenannte Kopialbuch von Sir Francis Leake of Sutton enthält 12 Urkunden, die die Abtei Beauchief betreffen. Diejenigen Urkunden, die nicht im Kopialbuch aus Beauchief Abbey aufscheinen, werden an dieser Stelle ediert.

Die Autoren geben dem Leser zwei Konkordanzen an die Hand. Konkordanz A zeigt die Urkunden, die im Kopialbuch von Beauchief Abbey aufgenommen wurden kombiniert mit der entsprechenden Nummer aus den Bestätigungen (Confirmations) von 1312 (abgedruckt im Cartulary, Urkunde 38) und 1316 (Appendix 2). Konkordanz B hingegen zeigt die Nummern derjenigen Urkunden, die in keine der beiden Bestätigungen - weder von 1312 noch von 1316 - aufgenommen und lediglich im Beauchief Abbey Cartulary überliefert worden sind. Das Buch wird abgeschlossen durch einen Personen- und einen Ortsindex.

Das Prämonstratenserstift Beauchief bestand von der Gründung am Ende des 12. Jahrhunderts bis zur Auflösung durch König Heinrich VIII. im 16. Jahrhundert. Visitationen belegen, dass die Gemeinschaft im 15. Jahrhundert aus einem Abt und 12 bis 14 Kanonikern bestand.

Das edierte Kopialbuch spiegelt die vielseitigen Funktionen eines Prämonstratenserstifts in England zwischen der zweiten Hälfte des 12. und dem Ende des 14. Jahrhunderts wider. David Hey, Lisa Liddy und David Luscombe folgen mit diesem Ansatz Richard Southern, der die Kanoniker einst als "ubiquitously useful" charakterisierte. [1]

Hey/Liddy/Luscombe nennen die Wohltäter des Stifts, die sich hauptsächlich aus den Knights und Lords rekrutieren, und zeigen beispielhaft, wie man Namen im Kopialbuch untersuchen kann. Außerdem geben die Editoren einen Überblick über Grundbesitz, Pfarreien, Kirchen und Grangien. Die Haupteinnahmequelle der Abtei war die Landwirtschaft mit einem deutlichen Schwerpunkt auf der Viehwirtschaft. Ebenso sind klostereigene Werkstätten nachweisbar wie Schmieden, Walkmühlen, Gerbereien und Waschhäuser. Das Stift betrieb im Allgemeinen die üblichen ökonomischen Aktivitäten wie die anderen Klöstern und Stifte in den nördlichen Midlands im Mittelalter.

Das Beauchief Abbey Cartulary liegt in den Sheffield Archives mit der Signatur MD 3414. Es wurde um 1400 zusammengestellt und besteht aus 114 Pergamentseiten, die zeitgenössisch in einer Eichenhülle mit Schließe gebunden worden sind. Der Kodex ist 220 mm x 152 mm groß. Zwei vorgeschaltete Blätter tragen Fragmente eines anglo-normannisch-französischen Rechtsvertrags. Ein weiteres Blatt, das 1953 noch vorhanden war, ist heute verloren. Die Bindung besteht aus 12 Lagen, wobei eine, wahrscheinlich die fünfte (bestehend aus 8 bis 18 Blättern), fehlt. Jede Urkunde erhielt eine eigene Seite, damit sind im Kopialbuch 226 Urkunden überliefert. Der Kodex weist mehrere Hände auf, wobei die rubrizierten Überschriften wohl von einer Hand stammen. Es handelt sich um eine Sammlung aller greifbaren Privilegien und Besitzurkunden des Stifts. Einige der in das Kopialbuch aufgenommenen Urkunden sind im Original erhalten oder wurden als Abschriften in weiteren Kodices überliefert.

Nicht alle im Cartulary vorhandenen Annotationen (marginal notes) wurden in die Edition aufgenommen, lediglich diejenigen, die unbestreitbar von derselben Hand wie der Haupttext stammen. Allerdings wurden die meisten der Anmerkungen erst nach Auflösung der Abtei ergänzt. So ist zwar durch die Edition der Zustand des Kopialbuchs zur Zeit seiner Entstehung dokumentiert, die spannende Frage nach der weiteren Nutzung des Kodex, die sich anhand vorhandener Annotationen zumindest teilweise nachvollziehen lässt, muss leider offen bleiben. Ein Blick in die Handschrift bleibt an dieser Stelle unvermeidlich.

Eckige Klammern markieren Ergänzungen der Herausgeber, die Interpunktion wurde vereinfacht und Großbuchstaben bei Namen verwendet. Die meisten Urkunden sind nicht datiert, es wurden jedoch von Seiten der Herausgeber Datierungsvorschläge angeboten.

Die einzelnen Urkundeneinträge werden wie folgt ediert: Der Eintrag beginnt mit einem Regest mit Datierung oder Datierungsvorschlag. Darauf folgt der Urkundentext. Am Ende stehen voneinander getrennt ein textkritischer und ein Anmerkungsapparat. Im Anmerkungsapparat werden die Datierungsvorschläge begründet, Parallelüberlieferungen angegeben, Orte und Personen näher bestimmt und Verbindungen der Urkunden untereinander aufgezeigt.

Die Edition wurde nach den gängigen Standards angefertigt, allerdings mit dem Manko, dass nicht alle Annotationen bedacht wurden. Dennoch ist sie sehr sorgfältig gearbeitet, und die den Urkundentexten vorgeschalteten Regesten sind sehr ausführlich.

Die Eingangskapitel sind hingegen äußerst kurz gehalten und bieten nur wenig Information. Allerdings ist dieser Kritikpunkt nicht erheblich, da der Schwerpunkt der Arbeit auf der Edition liegt. Es ist nun folgenden Forschern überlassen, das Kopialbuch systematisch auszuwerten.


Anmerkung:

[1] Richard W. Southern: Western Society and the Church in the Middle Ages, Harmondsworth/Middlesex 1970, 248.

Julia Bruch