Rezension über:

Paul Cartledge: Alexander the Great. The Hunt for a New Past, London: Macmillan 2004, xxxv + 329 S., ISBN 978-1-4050-3292-6, GBP 18,99
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Rezension von:
Michael Rathmann
Institut für Geschichtswissenschaft, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn
Redaktionelle Betreuung:
Matthias Haake
Empfohlene Zitierweise:
Michael Rathmann: Rezension von: Paul Cartledge: Alexander the Great. The Hunt for a New Past, London: Macmillan 2004, in: sehepunkte 6 (2006), Nr. 9 [15.09.2006], URL: http://www.sehepunkte.de
/2006/09/8616.html


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Paul Cartledge: Alexander the Great

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An Alexanderbiografien mangelt es auf dem Büchermarkt nicht - ganz besonders auf dem deutschsprachigen. [1] Daher ist ein kritischer Blick auf jede neue Biografie zum berühmten Makedonenkönig durchaus angebracht. [2] Der Autor Paul Cartledge, Professor für Griechische Geschichte in Cambridge, ist bislang durch seine Publikationen zum archaischen und klassischen Hellas, hier vor allem zu Sparta, in Erscheinung getreten. Zur Motivation für sein Alexanderbuch bemerkt Cartledge in der Einleitung (XIII), dass es aus dem akademischen Lehrbetrieb heraus entstanden sei. Dies merkt man der Biografie auch an. Es handelt sich um eine gedanklich klare und gut lesbare Darstellung mit zahlreichen Abbildungen, die sich an eine Leserschaft ohne bzw. mit nur geringen Vorkenntnissen wendet.

Gleich zu Beginn werden dem Leser in einer chronologischen Übersicht (XV-XXII) und insgesamt neun Karten (XXIV-XXXV) die zentralen Daten, Orte und Namen vorgestellt. [3] Zum besseren Verständnis der Alexandervita bietet Cartlegde einleitend ein Kapitel über "The Fame of Alexander" (3-22) und eines über "Alexander's World" (25-46). Derartig mit Basisinformationen ausgestattet, ist die eigentliche biografische Darstellung in sieben Abschnitte gegliedert. [4] Positiv fallen hierbei die zahlreichen im Text gebotenen Quellenpassagen und farbigen Abbildungen auf, sodass gerade Themeneinsteiger ein kompaktes Bild des antiken Helden erhalten. Solide wird die Vita des Königs aus seinen makedonischen Wurzeln heraus dargelegt. Dabei liegt einer der Schwerpunkte auf dem Verhältnis zwischen dem König und seinen Hetairoi. Abgerundet wird die Darstellung durch drei ergänzende Kapitel: "Alexander the Man" (197-212), "The Divinity of Alexander" (215-227) und "The Legends and Legacies of Alexander" (231-242) [5], die den studienbuchartigen Charakter der Biografie nochmals unterstreichen. Abschließend finden sich noch eine Liste der persischen Großkönige [6], eine prosopografische Übersicht der zentralen Personen, ein Glossar, eine kommentierte Bibliografie sowie abschließend ein umfangreicher Index.

Überraschend ist allerdings, dass in dieser kommentierten Bibliografie kaum nicht-englischsprachige Titel erscheinen. [7] Dieses Faktum lässt sich wohl nur darauf zurückführen, dass Cartledges Buch primär als Einsteigerlektüre für den englischsprachigen Raum produziert wurde. Ärgerlich ist auch der Umgang mit den Quellen. So werden zwar zahlreiche Textpassagen aus Arrian, Plutarch usw. geboten, jedoch alle ohne Beleg. Ohnehin sucht man einen wissenschaftlichen Apparat vergeblich. [8] Hier wird die Chance vertan, Studierende mit wesentlichen Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens vertraut zu machen. So lässt sich diese Bibliografie als Einsteigerlektüre nur mit Einschränkungen empfehlen, auch wenn der Leser an der sprachlichen Form sicherlich seine Freude haben wird.


Anmerkungen:

[1] An kürzeren deutschsprachigen Darstellungen wären zunächst die Biografien von G. Wirth (13. Aufl. Reinbek 2005) und H. J. Gehrke (4. Aufl. München 2005) zu nennen. In einem größeren historischen Kontext behandelte jüngst J. Engels (Philipp II. und Alexander der Große, Darmstadt 2006) dieses Themenfeld. Erfreulich ist der Nachdruck der immer noch sehr empfehlenswerten Darstellung von S. Lauffer (München 2004), die sogar eine aktualisierte Bibliografie bietet. Eine opulent bebilderte Publikation zu Alexander legte M. Pfrommer vor (Mainz 2001). Wie stark gerade auf dem deutschen Buchmarkt das Phänomen Alexander der Große zu "ziehen" scheint, belegt das im Zuge des Alexanderfilms von Oliver Stone (2004) nochmals neu übersetzte Werk von R. Lane Fox (Stuttgart 2004), das mittlerweile zahlreiche Auflagen erlebte. Vgl. hierzu die Rezension von K. Vössing (H-Soz-u-Kult, 17.05.2005, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2005-2-114). Zur Alexander-Biographie von H.-U. Wiemer (München 2005) vgl. die Rezension von S. Müller (H-Soz-u-Kult, 25.04.2005, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2005-2-061). Aber auch auf dem internationalen Buchmarkt gibt es zahlreiche Abhandlungen jüngeren Datums, die den Rang von Standardwerken haben (vgl. hierzu den Überblick bei J. Engels, ebd., 120 f.).

[2] Grundsätzlich, aber dies trifft so gut wie alle Biografien über antike Persönlichkeiten, ist auch hier keine Biografie im eigentlichen Sinne entstanden. Denn letztlich mangelt es aufgrund aussagekräftiger Quellen an verlässlichen Informationen über die Person selbst. Folglich stehen auch in Cartledges Werk ein homo politicus und seine Zeit im Blickpunkt. Diesem Gedanken trägt der Autor zumindest in seinem Untertitel Rechnung.

[3] Ein eher beiläufiger Kritikpunkt trifft die fünf Detailpläne zu diversen Schlachten. Diese hätte man lieber an den entsprechenden Stellen im Text gesehen. Da sich derartige Schlachtenpläne in beinahe jeder Monografie über Alexander III. finden, scheinen sie offensichtlich unverzichtbar. Dennoch sollte einmal nachdrücklich die Frage gestellt werden, wer sich wirklich für den Aufmarsch diverser Truppenteile interessiert oder inwieweit derartige Grafiken für die Biografie des Königs von Bedeutung sind. Ganz zu schweigen von der Frage nach den militärisch-taktischen Kompetenzen der Leser, solche Schlachtpläne überhaupt "lesen" zu können.

[4] Young Alexander 356-334 BC (49-58); Alexander and the Macedonians (61-76); Alexander and the Greeks (79-103); Alexander: Conqueror of Persia 334-327 BC (107-125); The Generalship of Alexander (129-160); Alexander and the Persians (163-179); The Final Years 327-323 BC (183-194).

[5] Wie der Paginierung zu entnehmen ist, hat der Verlag dem Leser ausreichend Raum zwischen den einzelnen Abschnitten für persönliche Notizen gelassen.

[6] Kritisch ist jedoch zu fragen, was eine derartige Übersicht soll. Dies nicht zuletzt, da eine vergleichbare Tabelle der makedonischen Herrscher fehlt.

[7] Überraschenderweise findet man zudem Berves Prosopografie des Alexanderreiches - einer der ganz wenigen deutschsprachigen Titel - unter der Rubrik "Alexander and the Persians".

[8] Gerade an zentralen Punkten hätten Quellenbelege und einschlägige Literaturangaben positive Akzente setzen können. Die kommentierte Bibliografie kann dies nur in Ansätzen auffangen.

Michael Rathmann