Rezension über:

Christopher S. Mackay: Ancient Rome. A Military and Political History, Cambridge: Cambridge University Press 2005, XVI + 395 S., 7 maps, 47 fig., ISBN 978-0-521-80918-4, GBP 25,00
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Rezension von:
Peter Probst
Historisches Seminar, Universität Hamburg
Redaktionelle Betreuung:
Sabine Panzram
Empfohlene Zitierweise:
Peter Probst: Rezension von: Christopher S. Mackay: Ancient Rome. A Military and Political History, Cambridge: Cambridge University Press 2005, in: sehepunkte 6 (2006), Nr. 6 [15.06.2006], URL: http://www.sehepunkte.de
/2006/06/8197.html


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Christopher S. Mackay: Ancient Rome

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Eine Geschichte des römischen Reiches von seinen Anfängen bis zum Ende in der Spätantike zu schreiben, stellt schon a priori ein großes, gleichwohl aber wichtiges Unterfangen dar. Gerade bei Werken einführenden Charakters, welche sich an Studienanfänger und interessierte Laien richten, die sich ein Grundwissen zur römischen Antike aneignen möchten, ist es besonders wichtig, den aktuellen Stand der Wissenschaft in einer für diesen Leserkreis verständlichen und ansprechenden Weise darzustellen. Dass ein solches Unternehmen prinzipiell machbar ist, haben die in letzter Zeit auf dem deutschen Markt erschienenen Gesamtdarstellungen zu dem Thema bewiesen. [1]

Das Ziel einer wissenschaftlich fundierten und gleichzeitig verständlichen Darstellung verfolgt auch Christopher Mackay, Professor an der University of Alberta, mit seinem Abriss über die römische Geschichte. Er führt den Leser mit einer klaren Konzentration auf die politische und militärische Geschichte, der "traditional political history" (1) folgend, von den ersten Siedlungen am Tiberufer bis zur Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustulus im Jahre 476. Zu Gunsten der Lesbarkeit verzichtet Christopher Mackay dabei auf Anmerkungen, ohne aber den Leser über seine herangezogenen Quellen im Unklaren zu lassen.

Die fünf Hauptkapitel beleuchten die Anfänge Roms (3-56), die Eroberung der Mittelmeerwelt (57-100), den Untergang der Republik (101-176), die Kaiserzeit (177-260) und die Spätantike (261-353). Ein kurzer Ausblick auf die Geschichte des oströmischen Reiches beschließt den darstellenden Teil des Buches. Die Zeit der Republik wird von Christopher Mackay am intensivsten behandelt. Da der Autor in diesem Zusammenhang ausführlich das politische System in Rom als Grundlage für das Verständnis des weiteren Verlaufs der römischen Geschichte vorstellt, ist diese Schwerpunktsetzung verständlich. Die Abschnitte über die Republik und die Spätantike sind die stärkeren dieses Werkes, gelingt es dem Autor doch, in ihnen in Kombination von politischer und militärischer Geschichte die grundlegenden Veränderungen der römischen Gesellschaft sowie des politischen Systems deutlich zu machen. Der Abschnitt über die Kaiserzeit hingegen ist durch die Regierung der einzelnen Herrscher strukturiert und stark von der Darstellung ihrer Person bestimmt. Politische Institutionen und ihre Entwicklungen werden hier weniger intensiv behandelt, sodass der Eindruck entstehen kann, die Kaiserzeit sei im Vergleich zu den anderen Epochen von weniger Dynamik geprägt gewesen.

Den einzelnen Hauptkapiteln geht jeweils ein kurzer Ausblick auf die folgenden Ereignisse sowie eine Vorstellung der wichtigsten Quellen und ihrer Besonderheiten voran. Dass antike Quellen mit der gebührenden Vorsicht zu behandeln sind, wird vom Verfasser mehrfach deutlich hervorgehoben. Im darstellenden Teil hingegen wird weitgehend auf eine Quellendiskussion verzichtet. Forschungsgeschichtliche Fragestellungen werden nur einmal, bei der Behandlung des Endes der römischen Republik, angeschnitten und ermöglichen dem Leser Einblicke in die Komplexität wissenschaftlicher Forschung. Christopher Mackays klarer und verständlicher Stil macht das Buch auch für den nicht-muttersprachlichen Leser zu einer angenehmen Lektüre. Lediglich das Kapitel zur Spätantike kann phasenweise ermüden, angesichts der im Rahmen einer ereignisgeschichtlichen Abhandlung häufigen Schilderung wiederkehrender Ereignisse (Usurpationen, Kämpfe an den Grenzen). Zahlreiche Worterklärungen und etymologische Ableitungen erleichtern dem Leser ohne Vorkenntnisse das Verständnis. Etwas befremdlich ist hingegen die teilweise stark wertende beziehungsweise moralisierende Darstellung einzelner Personen oder Ereignisse. Caligula als "monster" (199) oder Kaiser Julian als "pagan fanatic" (320) zu bezeichnen sowie bei Caracalla von einer "gloomy dementia" (243) zu sprechen, ist im Rahmen eines solchen Werkes unangebracht, da stark wertende und den Stand der Forschung teilweise verzerrende Urteile dem Studienanfänger suggerieren können, dass die vom Autor vorgenommene Charakterisierung der betroffenen historischen Person gleichsam die "richtige" und in der Forschung gängige sei. Nicht notwendig sind diese Bewertungen auch deshalb, da Christopher Mackay an zahlreichen anderen Stellen dem Leser anhand kritischer und überzeugender Quelleninterpretationen zeigt, dass auch im Rahmen einer Einführung eine differenzierte Betrachtung komplexer Sachverhalte durchaus möglich ist. Ebenso irritierend wirkt sich die mehrfach vorgenommene Wahl ungebräuchlicher Namen statt der gängigen aus, etwa wenn konsequent vom "younger Caesar" anstatt von Octavian oder von Antoninus anstatt von Caracalla gesprochen wird. Gerade im Hinblick auf die anvisierte Leserschaft wäre es sinnvoller, die in der Forschung üblichen Namen zu verwenden.

Ungenauigkeiten lassen sich angesichts des Umfangs des Stoffes nicht vermeiden: Sein Vater Hamilkar und nicht sein Schwager Hasdrubal war derjenige, dem Hannibal angeblich den Eid leisten musste, die Römer zu hassen (66). Nicht im ersten, sondern im zweiten römisch-karthagischen Krieg begann Roms Eingreifen in die Verhältnisse im östlichen Mittelmeergebiet (76). Mitunter rufen die vom Autor vorgenommenen und im Rahmen einer Einführung durchaus vertretbaren Vereinfachungen bei der Darstellung von Sachverhalten aber Widerspruch hervor. Die Eroberung Dakiens als "strategic mistake" (276) zu bewerten, lässt Aspekte wie das römische Verständnis von Herrschaft und ihrer Ausdehnung unberücksichtigt. Auch im Hinblick auf Glaubensvorstellungen im Rahmen des Kaiserkults suggerieren die Aussagen des Verfassers (258 f.) ein eindeutigeres Bild, als es die Forschung dazu erlaubt. [2] Ebenso ist es eher ungewöhnlich, die Spätantike bereits 235 n. Chr. mit der Epoche der Soldatenkaiser beginnen zu lassen, zumal Christopher Mackay selbst die Zeit Diokletians mit ihren umfangreichen Veränderungen als die für die spätantike Herrschaftsform maßgebliche ansieht (291).

Die dem Textteil vorangestellten Karten sind sehr schlicht gehalten und gerade im Hinblick auf das anvisierte Zielpublikum wenig aussagekräftig. Etwas mehr Detailfreude, etwa in Form von Provinzgrenzen oder einer farblichen Veranschaulichung der römischen Expansion, brächte größeren Nutzen. Sämtliche Abbildungen (wenn auch schwarz-weiß, so doch von guter Qualität) sind im Mittelteil des Buches untergebracht. Sie werden durch die Bildunterschriften zwar gut erklärt, aber ebenso wie die Karten inhaltlich nicht in den Text eingebunden. Der Anhang umfasst einen knappen, aber informativen Appendix zur römischen Namenskunde und eine umfangreiche Zeittafel. Im Literaturverzeichnis werden die antiken Quellen nicht nur in Form von Kurzbeschreibungen der Autoren und ihrer Werke vorgestellt, sondern auch den einzelnen Kapiteln des Buches zugeordnet. Die Sekundärliteratur, die (in englischer Übersetzung) auch wichtige Titel der nicht-angelsächsischen Forschung berücksichtigt, wird ebenfalls den einzelnen Kapiteln zugewiesen. Werke allgemeiner Art sind dieser Anordnung vorangestellt und gelegentlich, für den Leser sehr hilfreich, mit Kurzkommentaren versehen. Ein umfassendes Personen-, Orts- und Sachregister rundet das Werk ab.

Christopher Mackay hat einen insgesamt soliden, gut lesbaren Überblick über die politische und militärische Geschichte des römischen Reiches vorgelegt, der auch dem deutschsprachigen Leser als Lektüre zu empfehlen ist. Um aber über die Ereignisgeschichte hinaus einen umfassenderen ersten Eindruck von der römischen Antike zu gewinnen, sei dem Studienanfänger und interessierten Laien die zusätzliche Lektüre einer der inhaltlich breiter ausgerichteten deutschsprachigen Einführungen nahe gelegt.


Anmerkungen:

[1] Etwa Pedro Barcelo: Kleine römische Geschichte, Darmstadt 2005; Klaus Bringmann: Römische Geschichte. Von den Anfängen bis zur Spätantike, 9. Aufl., München 2004; Wolfgang Schuller: Das römische Weltreich. Von der Entstehung der Republik bis zum Ausgang der Antike, Stuttgart 2002; oder (weitaus umfangreicher, aber mit der gleichen Zielsetzung) Heinz Bellen: Grundzüge der römischen Geschichte, 3 Bde., Darmstadt 1994-2002.

[2] Vgl. etwa Manfred Clauss: Kaiser und Gott. Herrscherkult im römischen Reich, Stuttgart / Leipzig 1999.

Peter Probst