Rezension über:

Jill Harries / Ian Wood (eds.): The Theodosian Code. Studies in the Imperial Law of Late Antiquity, 2nd ed., London: Bristol Classical Press 2010, X + 261 S., ISBN 978-1-85399-740-2, GBP 20,00
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Rezension von:
Raphael Brendel
Historisches Seminar, Ludwig-Maximilians-Universität, München
Redaktionelle Betreuung:
Mischa Meier
Empfohlene Zitierweise:
Raphael Brendel: Rezension von: Jill Harries / Ian Wood (eds.): The Theodosian Code. Studies in the Imperial Law of Late Antiquity, 2nd ed., London: Bristol Classical Press 2010, in: sehepunkte 14 (2014), Nr. 3 [15.03.2014], URL: http://www.sehepunkte.de
/2014/03/18927.html


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Jill Harries / Ian Wood (eds.): The Theodosian Code

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Dieser ursprünglich 1993 erschienene Sammelband zum Codex Theodosianus fand großes Interesse und wurde ausgesprochen positiv beurteilt. Was allerdings als zweite Auflage betitelt wird, ist tatsächlich ein unveränderter Nachdruck der ersten Auflage, der lediglich um ein zusätzliches Vorwort (VII-X), das über die wichtigsten Neuerscheinungen zum Codex Theodosianus informiert, erweitert wurde.

Das Vorwort der Herausgeberin Jill Harries (1-16) ordnet den Codex Theodosianus in den Kontext seiner Zeit ein. Von ihr und Ian Wood stammen zudem die einführenden Bemerkungen zu Beginn der drei Abschnitte (Kompilation des Codex Theodosianus; Konstantin, das Christentum und der Codex Theodosianus; der Codex Theodosianus im Mittelalter), die kurze Zusammenfassungen der Inhalte und Ziele der einzelnen Aufsätze bieten.

Der erste Teil (Compilation) enthält eine (bis heute anhaltende) Kontroverse zwischen John Matthews (19-44) und Boudewijn Sirks (45-67) über Quellen und Methode des Codex Theodosianus. Bezüglich der Quellen betont Sirks die Bedeutung des zentralen Archivs in Konstantinopel, während Matthews eine größere Rolle der provinzialen Archive annimmt. Sirks geht davon aus, dass nur Gesetze aufgenommen wurden, die zum Zeitpunkt der Kompilation noch Gültigkeit besaßen, während Matthews weniger strikte Aufnahmekriterien annimmt. Der dritte Aufsatz von Tony Honoré versucht, durch Stilvergleiche die einzelnen Quaestoren unter Theodosius II. zu fassen.

Der zweite Teil (Constantine, Christianity and the Code) hat insbesondere Konstantin zum Thema. Simon Corcoran (97-119) rekonstruiert die im Codex Theodosianus erhaltene Gesetzgebung des Licinius, die nur noch unter dem Namen Konstantins überliefert ist. Judith Evans Grubbs (120-142) zeigt, dass kaum christlicher Einfluss in dem oft auf republikanische Traditionen zurückgreifenden konstantinischen Familienrecht auszumachen ist. David Hunt (143-158) arbeitet die Darstellung der Gesetze eines rein orthodoxen Staates und der davon abweichenden Realität, insbesondere in Form eines religiös vielfältigen Staates auch in theodosianischer Zeit, heraus.

Im dritten Teil (Nachleben: The Code in the Middle Ages) wird gezeigt, welchen Einfluss der Codex Theodosianus auch im Mittelalter noch ausübte. Ian Wood (161-177) untersucht die umfangreiche Aufnahme im Merowingerreich und das Ausmaß der Benutzung im Einzelnen. Mark Vessey (178-199) unterzieht die Überlieferung der Constitutiones Sirmondianae, die teilweise vollständigere Varianten einiger Gesetze des Codex Theodosianus bieten, einer erneuten Prüfung. Dafydd Walters (200-216) bietet eine detaillierte Zusammenstellung der Benutzung einzelner Gesetze durch mittelalterliche Autoren vom sechsten bis zum zwölften Jahrhundert.

Der letzte Beitrag stammt von Brian Croke (217-239), der die Entstehungsgeschichte von Mommsens Edition nachzeichnet, wobei er besonderes Augenmerk auf die Korrespondenz zwischen Mommsen und Francis Haverfield sowie das Verhältnis zwischen Mommsen und seinem Schüler Otto Seeck legt. Bedauerlich ist allerdings, dass sich die Zitate aus Originaldokumenten auf solche in englischer Sprache (insbesondere den Briefwechsel Mommsen-Haverfield) beschränken.

Eine Gesamtbibliografie (240-253) findet sich, ebenso wie der Registerteil (254-261), am Schluss des Bandes.

Den Text dieses exzellenten Bandes unverändert zu lassen, war eine kluge Entscheidung, welche die volle Zustimmung des Rezensenten findet. Es wäre allerdings dennoch lohnenswert gewesen, am Ende des Bandes einen zusätzlichen Abschnitt hinzuzufügen, in dem jeder einzelne Beiträger auf einigen Seiten zu den Inhalten seines Aufsatzes hätte Stellung nehmen, über die aktuellste Forschung informieren und gegebenenfalls zusätzliche Argumente anfügen können; das neue Vorwort der zweiten Ausgabe wird man trotz seiner Qualität in dieser Hinsicht nicht als ausreichend ansehen können. Nützlich wäre es zudem auch gewesen, die Autorenangaben (VI) auch nochmals in aktuellerer Form anzugeben; Boudewijn Sirks beispielsweise ist nicht mehr in Amsterdam, sondern in Oxford tätig.

Die neun ermittelten Rezensenten der ersten Auflage haben in einer seltenen Einstimmigkeit diesen Band ausgesprochen positiv beurteilt. [1] Und trotz Fortschritten in der Forschung und einer großen Zahl von in der Zwischenzeit erschienenen Publikationen besitzt diese Aufsatzsammlung auch jetzt noch immer großen Wert, was sich nicht zuletzt dadurch bemerkbar macht, dass auch die zweite Auflage bereits zweimal und beide Male ebenfalls sehr wohlwollend rezensiert wurde. [2] Es ist daher dem Verlag zu danken, dass er dieses wichtige Werk in preisgünstiger Form für die aktuelle Generation der Erforscher des Codex Theodosianus erneut zugänglich macht.


Anmerkungen:

[1] Michael C. Alexander, in: Law and History Review 13 (1995), 190-192; Thomas L. Brauch, in: Religious Studies Review 21 (1995), 231; Alain Chauvot, in: Antiquité classique 64 (1995), 500-502; Jan Willem Drijvers, in: Tijdschrift voor Geschiedenis 107 (1994), 250-251; Robert M. Frakes, in: Classical World 90 (1997), 377-378; Richard I. Frank, in: Choice: Current reviews for academic libraries 31 (1994), 1642; Christopher Kelly, in: Journal of Roman Studies 86 (1996), 235-237; Susan D. Martin, in: American Journal of Legal History 39 (1995), 510-511; Karl Leo Noethlichs, in: Historische Zeitschrift 260 (1995), 853-855.

[2] Caillan Davenport, in: Scholia Reviews N.S. 20 (2011), Nr. 9 (http://classics.ukzn.ac.za/reviews/11-09har.htm); Paul J. du Plessis, in: Classical Review 126/N.S. 62 (2012), 617-618.

Raphael Brendel