Rezension über:

Claudius Sittig: Kulturelle Konkurrenzen. Studien zur Semiotik und Ästhetik adeligen Wetteifers um 1600 (= Frühe Neuzeit. Studien und Dokumente zur deutschen Literatur und Kultur im europäischen Kontext), Berlin: de Gruyter 2010, XIV + 352 S., ISBN 978-3-11-023369-8, EUR 99,95
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Werner Paravicini / Jörg Wettlaufer (Hgg.): Vorbild - Austausch - Konkurrenz. Höfe und Residenzen in der gegenseitigen Wahrnehmung (= Residenzenforschung; Bd. 23), Stuttgart: Thorbecke 2010, 464 S., ISBN 978-3-7995-4526-6, EUR 69,00
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Rezension von:
Matthias Schnettger
Johannes Gutenberg-Universität, Mainz
Redaktionelle Betreuung:
Peter Helmberger
Empfohlene Zitierweise:
Matthias Schnettger: Neuere Publikationen zur Hofforschung (Rezension), in: sehepunkte 11 (2011), Nr. 11 [15.11.2011], URL: http://www.sehepunkte.de
/2011/11/18690.html


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Neuere Publikationen zur Hofforschung

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Hofforschung hat Konjunktur. Längst stehen nicht mehr nur die großen Höfe wie der des früher oft allzu einseitig zum Vorbild für ganz Europa stilisierten Sonnenkönigs im Fokus des Interesses, sondern auch die kleinen Höfe, wie sie insbesondere in Deutschland und Italien in großer Dichte anzutreffen waren. Und vermehrt richtet sich der Blick auch auf die Interaktionen zwischen den verschiedenen Höfen. Letzterem Thema sind die beiden vorzustellenden - höchst unterschiedlichen - Bände gewidmet.

Bei dem ersten anzuzeigenden Werk handelt es sich um eine Göttinger germanistische Dissertation aus dem Jahr 2006. Anspruch der Studie, die im Wesentlichen aus gedruckten Quellen sowie der Sekundärliteratur gearbeitet ist, ist es, "eine differenzierte Beschreibung der vermuteten Konkurrenzverhältnisse auf dem Feld der Kultur zu leisten, und sie bemüht sich dabei gleichzeitig um die Problematisierung ihrer historischen und historiographischen Formulierungsmöglichkeiten" (2). Angesichts dessen, dass "das Beschreibungspotenzial des Konkurrenzbegriffs bisher kaum je problematisch geworden" sei, will Sittig "die historischen wie historiographischen Redeweisen über die 'kulturellen Konkurrenzen' identifizieren und die impliziten Annahmen ausformulieren". Zugleich will er, "die realen historischen Konkurrenzrelationen und Spannungen auf dem Feld adeliger Kultur exemplarisch sichtbar zu machen und differenzierter zu beschreiben" (3). Er tritt also mit einem recht hohen, weitreichenden Anspruch an.

Sehr ausführlich ausgefallen ist die Einleitung, die immerhin 53 Seiten umfasst. Ausgesprochen breit setzt sich Sittig hier mit den Forschungen von Elias, Winterling und Jacobsen auseinander, um den Stellenwert von "Konkurrenz" als Interpretament bei der Erforschung frühneuzeitlicher Höfe zu belegen (17) und schließt daran einen Parforce-Ritt durch unterschiedliche Ansätze der Kunstgeschichte, Kulturgeschichte und Soziologie zu diesem Gegenstand an. Der endet damit, dass der Autor zur verstärkten Suche nach "verschiedenen 'Kulturen der Konkurrenz'" auffordert, da sich, so seine Annahme, "im Vergleich auch verschiedene Kulturen über die jeweils artikulierte Wahrnehmung der Intensität von Konkurrenz und ihre Beurteilung charakterisieren lassen müssten" (45). Sittig zufolge kann also "Konkurrenz" eine Schlüsselstellung für die kulturgeschichtliche Forschung beanspruchen. Was man in dieser Einleitung vermisst, ist eine gründliche Auseinandersetzung mit weiteren, neueren Arbeiten zur historischen Hofforschung über die drei genannten Werke hinaus - dann wäre die 'Schelte' der bisherigen Forschung womöglich etwas milder und differenzierter ausgefallen. [2] Es gibt zwar noch einen kurzen Forschungsüberblick zum Thema "Adelsgeschichte als politische Kulturgeschichte", doch dieser ist mit Blick auf den folgenden Hauptteil recht allgemein ausgefallen und berücksichtig kaum die spezifischen Aspekte des im Zentrum der Analyse stehenden Fallbeispiels.

An die Einleitung schließen sich zwei Hauptteile an, die gemeinsam im Wesentlichen eine Fallstudie zu Landgraf Moritz von Hessen-Kassel mit dem Beinamen "der Gelehrte" (1572-1632) darstellen, wenn auch mit einigen Anlagerungen. Insofern überrascht es, dass Moritz nicht im (Unter-) Titel des Werks auftaucht und dass es auch keinen biographischen Überblick gibt, der einem mit der hessischen Geschichte um 1600 möglicherweise nicht vertrauten Lesepublikum die Einordnung der im Folgenden angesprochenen Aspekte erleichtern würde. Eine historische Kontextualisierung findet zwar im Rahmen der einzelnen Kapitel statt; ein Gesamtrahmen ist aber nur schwer erkennbar.

Überdies beschränkt sich Sittig nicht - was überzeugender gewesen wäre - auf sein hessen-kasselsches Fallbeispiel, sondern greift immer wieder, ohne das im Einzelnen zu begründen, zeitlich wie geographisch weit darüber hinaus. Gleich das erste Kapitel des ersten Hauptteils (Kapitel 3.1) verlässt den eigentlichen Untersuchungsraum und behandelt das "Paradis d'amour", das 1572 anlässlich der Hochzeit Heinrich von Navarras mit Margarethe von Valois zur Aufführung kam und in dem Sittig ein Abbild der realen Rivalität zwischen Katholiken und Hugenotten erblickt, die bald darauf in der "Bartholomäusnacht" eskalierte. Nach der Vorstellung einer der verbreiteten Präzedenzstreitigkeiten, hier konkret zwischen einem hessischen und einem württembergischen Gesandten am englischen Hof, stellt er am Ende des Kapitels "[v]ier Typen symbolischer Rivalität" vor. Die Unterscheidung zwischen "Valuation contests", "Proprietary contests", "Innovation contests" und "Expansionary contests" erscheint zwar durchaus nachvollziehbar, weniger hingegen der Zusammenhang mit den vorangegangenen Teilkapiteln -(und hätten sich nicht vielleicht auch deutsche Begriffe für die unterschiedlichen Kategorien finden lassen?).

Wesentlich geschlossener präsentiert sich Kapitel 4, wo es Sittig gelingt, vor dem Hintergrund des Konflikts um das Marburger Erbe zu zeigen, mit welchen symbolischen Mitteln der Darmstädter und der Kasseler Hof ihren Konkurrenzkampf ausfochten. Der erste Hauptteil schließt mit einem Kapitel zur Hofkultur. Sittig wendet sich hier dezidiert gegen eine unscharfe und unreflektierte Verwendung des Begriffskonstrukts "Musenhof" zur Beschreibung und Bewertung der Kultur frühneuzeitlicher Höfe und fordert eine stärker akteurszentrierte Perspektive. An zwei Fallbeispielen wird deutlich, dass die Maßstäbe zur Bewertung von Hofkultur je nach dem Betrachter durchaus variieren können. Wiederum etwas aus dem Rahmen fällt das Kapitel zu den (schon recht gut bekannten) Bemühungen des Landgrafen um Rückgewinnung des an den kursächsischen Hof 'ausgeliehenen' Heinrich Schütz.

Der zweite Hauptteil ist der "adelige[n] Kultur der 'æmulatio'" gewidmet. Zunächst bemüht sich Sittig, den Stellenwert des Wetteifers für den adeligen Habitus nachzuweisen. Er sieht hier geradezu eine Verpflichtung zur Konkurrenz gegeben, um im Wettstreit und im Vergleich mit anderen Adeligen die eigene Vorzüglichkeit - Sittig spricht hier regelmäßig von "Exzellenz" - zu beweisen. Dies wird abschließend an einem breit kontextualisierten Fallbeispiel, der Kasseler Aufführung von Hans Wilhelm Kirchhofs "Orationes der alten Helden" 1584, und einer Betrachtung des Turnierwesens um 1600, dargelegt, wobei Sittig "Zierlichkeit" als Quintessenz der Anforderungen an die adligen Turnierteilnehmer identifiziert.

Abschließend fasst der Autor, wie üblich, seine Ergebnisse zusammen und formuliert den Anspruch, dass dank seiner Untersuchung "nicht nur der beschriebene Gegenstand ein schärferes Profil gewonnen" habe, "sondern auch das verwendete Beschreibungsinstrument" (303). Er fordert die Abkehr von einem allgemeinen Konkurrenzbegriff und regt an, durch weitere Studien auf "einer mittleren Untersuchungsebene" stattdessen einen Konkurrenzbegriff zu entwickeln, der "auf die realen dynamischen Prozesse der sozialkomparativen Orientierung und Überbietung fokussiert" sei, um so "differenzierte Aussagen über die frühneuzeitliche Adelskultur machen" zu können (ebenda).

Ein Gesamturteil über das vorliegende Werk fällt einigermaßen schwer, das weniger eine durchkomponierte Monographie darstellt, als, wie im Untertitel angedeutet, "Studien" zum Themenfeld der adligen Konkurrenz. Der vorgetragene Anspruch, erstmals einen reflektierten Konkurrenzbegriff in die Forschungsdiskussion einzubringen, erscheint überzogen; dies wird implizit auch dadurch deutlich, dass sich Sittig für seine Thesen in großem Umfang aus der Sekundärliteratur bedienen kann. Gleichwohl hat er einen ernstzunehmenden Beitrag zum Forschungsfeld der Konkurrenz zwischen frühneuzeitlichen Höfen geleistet. Der Beitrag wäre noch überzeugender gewesen, wenn er sich konsequenter auf sein Fallbeispiel Hessen konzentriert hätte. Die großen geographischen und zeitlichen Sprünge sowie die Tatsache, dass er nicht hinreichend zwischen verschiedenen Adelsgruppen differenziert, laufen der von ihm selbst erhobenen Forderung nach einer differenzierten Verwendung des Konkurrenzbegriffs ansatzweise entgegen.

Die Arbeit enthält eine Reihe von Abbildungen (in unterschiedlicher Qualität) sowie ein Namenregister, das allerdings nur eine Auswahl beinhaltet und aufgrund der häufigen Angabe "ff." nicht besonders genau ist. Wichtiger für die Erschließung des Textes ist daher das ausführliche Inhaltsverzeichnis (VII-XIV). Nicht verschwiegen werden soll, dass ein vielfach gestelzt wirkender Stil die Lektüre der Arbeit nicht gerade erleichtert.

Die zweite, hier vorzustellende Publikation ist ein von Werner Paravicini und Jörg Wettlaufer herausgegebener Sammelband. Er ist als 23. Band der Reihe "Residenzenforschung" erschienen, einer Reihe, die die deutsche Forschung vor allem zu den spätmittelalterlichen, aber auch den frühneuzeitlichen Höfen in den letzten Jahren in besonderer Weise geprägt hat. Der Sammelband ist aus dem 11. Symposium der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen hervorgegangen, das diese gemeinsam mit der Historischen Kommission und der Kommission der Kunstgeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 2008 in Wien veranstaltet hat. [1] Damit deutet sich schon an, dass er stark interdisziplinär, konkret insbesondere durch eine historisch-kunsthistorische Kooperation, geprägt ist. Tagungsort und Kooperationspartner weisen zugleich auf die herausgehobene Rolle der habsburgischen Höfe, vor allem des Wiener Hofes, hin, die diesen in der vorliegenden Publikation eingeräumt wurde.

Nach einem launigen Vorwort, in dem er davor warnt, die Hofforschung allzu sehr, an aktuellen Turns auszurichten, und statt dessen für "geduldige Forschung" plädiert (13), erläutert Werner Paravicini die inhaltliche Konzeption des Bandes und verortet die interhöfischen Beziehungen in einem Spannungsfeld "[z]wischen Nachahmung und Abgrenzung". Als hauptsächliche Untersuchungsfelder markiert er erstens die "Information und Informationsbeschaffung", zweitens die problematische Entscheidung, was für einen fürstlichen Hof unabdingbar und was entbehrlich war, und die immer wieder anregende Frage nach den Vorbildern. Damit benennt er zugleich drei der vier Sektionen, auf welche die folgenden Beiträge verteilt sind; hinzu kommt ein Abschnitt, der exklusiv der Wiener Hofburg gewidmet ist. Den Sektionen vorangestellt ist ein magistraler Überblick von Hellmut Lorenz über die Baugeschichte der Wiener Hofburg, der seinerzeit die Tagung eröffnete.

Der Blick in die einzelnen Teile macht schnell deutlich, dass, wie so oft bei Sammelbänden, unter ein und derselben Überschrift sehr heterogene Beiträge versammelt sind. So finden sich in der Sektion "Das Wissen vom Anderen: Information und Informationsbeschaffung" Beiträge zu Herolden als Trägern der interhöfischen Kommunikation (Torsten Hiltmann), zum Botenwesen zwischen deutschen und ungarischen Höfen im Mittelalter (Tünde Radek), zum "Zeichencharakter von Schloßnamen" (Volker Bauer) sowie zu "Hofordnungen als Medien politisch-kulturellen Normenaustausches" (Wolfgang Wüst).

Den Aufsatz von Volker Bauer, der zeigen kann, dass die Schlossnamen "auch als Faktor der zwischenhöfischen, interdynastischen Austausch- und Konkurrenzbeziehungen ernstgenommen werden müssen" (107), hätte man vielleicht mit noch größerer Berechtigung in die zweite Sektion "Was man haben muß oder entbehren kann: Konkurrenz und Anpassung" einordnen können. Hier finden sich Beiträge zu den "Verbindungen zwischen den Residenzen Wien und Dresden im 17. Jahrhundert" (Katrin Keller), zur Kommunikation und Rivalität zwischen den Höfen der Pfalzgrafen bei Rhein, der Markgrafen von Baden und der Landgrafen von Hessen im Spätmittelalter (Werner Rösener), zu "Hofkünstler[n] als Akteure[n] und Rezepteure[n] " von interhöfischer Kommunikation und Konkurrenz vor allem im 16. Jahrhundert (Matthias Müller) sowie zur Selbststilisierung der Wettiner als "Erzjägermeister" - ein Erzamt, das sie schon seit 1350, lange vor dem Gewinn der Kurwürde, innehatten und das die Vorreiterrolle der Dynastie bei der Selbstdarstellung als Jäger beförderte (Heiko Lass). Im Aufsatz von Jörg Martin Merz zu Architekturwettbewerben im 17. und 18. Jahrhundert steht weniger die Konkurrenz zwischen Höfen als zwischen Architekten im Vordergrund.

Stärker auf einen Gegenstand fokussiert ist die dritte Sektion "Die Wiener Hofburg in der europäischen Wahrnehmung", die eindeutig kunsthistorisch dominiert ist. Insofern finden sich die Beiträge "[Z]u den Anfängen der Wiener Hofburg " (Mario Schwarz), zu ihrer "Baugeschichte im Mittelalter" (Paul Mitchell), zu ihrer Ikonologie im 16. Jahrhundert (Renate Holzschuh-Hofer), zu spanischen Einflüssen auf die Raumordnung (Herbert Karner) und zu französischen Einflüssen auf Bauten und Bauprojekte am Beginn des 18. Jahrhunderts (Manuel Weinberger) ganz zu Recht in dieser Sektion. Freilich geht es alles in allem weniger um europäische Wahrnehmungen als - jedenfalls in einigen Aufsätzen - um europäische Einflüsse. Damit ist natürlich nichts über die Qualität der Beiträge gesagt, die, in bester interdisziplinärer Manier, nicht nur für ein kunsthistorisches, sondern auch für ein geschichtswissenschaftliches Publikum verständlich und weiterführend sind, wenn etwa Manuel Weinberger die These aufstellt, dass die französischen Einflüsse in der Wiener Architektur im frühen 18. Jahrhundert nur teilweise auf den übermächtigen Druck der französischen Mode zurückgingen, sondern dass man vielmehr auf dem Umweg über Frankreich an die reine Architektur der Antike anknüpfte, um die universalen Ansprüche des römisch-deutschen Kaisertums in Szene zu setzen (300).

"Welche Vorbilder?", fragt kurz und prägnant die Überschrift der vierten und letzten Sektion, die wiederum einen bunten Strauß an Beiträgen versammelt: Oswald von Wolkenstein wird in seiner Rolle "als schöpferischer Mittler im spätmittelalterlichen Kulturtransfer" in den Blick genommen (Christian Berger / Tomas Tomasek); Guido von Büren beleuchtet die Frankreichreise Wilhelms V. von Jülich-Kleve-Berg (1541); Dominik Collet interpretiert die fürstliche Kunstkammer, vornehmlich am Beispiel Sachsen-Gotha, als "(Aus-)Handlungsraum"; Carola Fey untersucht die Praxis des sakralen Gabentauschs im 14. Jahrhundert am Beispiel des Tischtuchs vom Letzten Abendmahl; und Jaroslava Hausenblasová fragt, ob der Hof Ferdinands I. als "[e]in modifiziertes Vorbild oder ein eigenes Modell" zu verstehen sei. Sie identifiziert in ihrem Beitrag zahlreiche Einflüsse auf die ferdinandeische Hoforganisation, betrachtet diese jedoch als "einzigartig". Ihre Besonderheit sieht sie "nicht nur in der Präzision, mit der die Tätigkeit der Beamten und Hofleute definiert wurde, sondern vor allem in der gut organisierten Verknüpfung der einzelnen Hofabteilungen und Hofämter miteinander" (389).

Außerhalb der Sektionen steht der abschließende Beitrag von Peter-Michael Hahn, der im Sinne einer Zusammenfassung über die "Wahrnehmung der Residenzen durch die Fürstenhäuser" reflektiert. Er greift hier die Ergebnisse der einzelnen Aufsätze auf, gruppiert sie aber um und stellt sie in weitere Kontexte. Insofern leistet er mehr als eine bloße Zusammenfassung; man hätte sich aber auch eine noch stärkere Fokussierung auf die Ergebnisse und Leerstellen des Bandes bzw. die durch ihn aufgeworfenen Fragen vorstellen können. Leider fehlt diesem Beitrag ein Anmerkungsapparat.

Ein ausführliches Autorenverzeichnis und ein umfangreicher Abbildungsteil in hervorragender Qualität runden den Band ab. Ein Register gibt es dagegen bedauerlicherweise nicht.

Trotz der formulierten Kritik im Detail kann der Band als Beleg für die hohen Standards der Forschung zu spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Höfen gelten und dafür, dass dieses Themenfeld längst noch nicht abgeerntet ist. Nicht zuletzt von der Arbeit der Residenzen-Kommission darf man sich auch in Zukunft noch wichtige Impulse für die vergleichende Hofforschung erhoffen.


Anmerkungen:

[1] Separat publiziert wurden die Vorträge des vorangegangenen Doktorandenworkshops: Anna Paulina Orlowski / Werner Paravicini / Jörg Wettlaufer (Hgg.): Atelier. Vorbild, Austausch, Konkurrenz. Höfe und Residenzen in der gegenseitigen Wahrnehmung (= Mitteilungen der Residenzen-Kommission, Sonderheft 12), Kiel 2009.

[2] Erwähnt sei etwa der Sammelband Christoph Kampmann u.a. (Hgg.): Bourbon - Habsburg - Oranien. Konkurrierende Modelle im dynastischen Europa um 1700, Köln / Weimar / Wien 2008.

Matthias Schnettger