Rezension über:

Hans-Joachim Schalles / Susanne Willer (Hgg.): Marcus Caelius. Tod in der Varusschlacht (= Kataloge des LVR-Römermuseums im archäologischen Park Xanten; Bd. 3), Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2009, 188 S., ISBN 978-3-89678-808-5, EUR 19,90
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Rezension von:
Hartmut Blum
Abteilung für Alte Geschichte, Eberhard Karls Universität, Tübingen
Redaktionelle Betreuung:
Mischa Meier
Empfohlene Zitierweise:
Hartmut Blum: Rezension von: Hans-Joachim Schalles / Susanne Willer (Hgg.): Marcus Caelius. Tod in der Varusschlacht, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2009, in: sehepunkte 10 (2010), Nr. 9 [15.09.2010], URL: http://www.sehepunkte.de
/2010/09/17461.html


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Hans-Joachim Schalles / Susanne Willer (Hgg.): Marcus Caelius

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Das Buch "Marcus Caelius. Tod in der Varusschlacht" ist der überaus gelungene Katalog einer gleichnamigen Ausstellung, die im 'Jubiläumsjahr' 2009 und bis Anfang 2010 in Xanten und in Bonn zu sehen war. Dabei geht es nicht so sehr um die historischen Hintergründe der Varusschlacht, die hier nur gestreift werden. Zu diesem Thema gab es ja ebenfalls 2009 die drei großen, aufeinander abgestimmten Ausstellungen in Haltern, Kalkriese und Detmold. [1] Im Mittelpunkt der vorliegenden Publikation steht vielmehr das berühmte 'Caelius-Monument', der Gedenkstein für den in der Varusschlacht gefallenen Centurio Marcus Caelius, der um 1620 bei Xanten entdeckt wurde und sich seit 1893 in Bonn befindet.

Diesem Denkmal nun rückt das Buch von allen nur erdenklichen Seiten interdisziplinär zu Leibe: Zum Einstieg skizzieren mehrere Beiträge den politischen und gesellschaftlichen Kontext, in dem Caelius lebte (unter anderem "Soziale Schranken: Freie, Freigelassene, Sklaven" von Hans-Joachim Schalles, "Die Tribus: Politische Pflichten, politische Rechte" von Dirk Schmitz, oder auch "Wie alt man wurde" von Marcus Reuter). In diesem Zusammenhang wird dann auch die Ereignisgeschichte kurz erläutert (sie wird behandelt in den drei Kapiteln "Propaganda: Der Varuskrieg" von Konrad Vössing, "Fremde: Die Schlacht im Teutoburger Wald" von Hans-Joachim Schalles und "Die tragische Figur: Publius Quinctilius Varus" von Hans-Ulrich Nuber) und ein weiterer großer Block beschäftigt sich mit dem Leben im römischen Militär (zum Beispiel "Die Legionen: Roms militärisches Rückgrat" von Martin Müller, oder "Der Centurio: Karrieren und Aufstiegschancen" von Marion Nickel). Es folgen einige eher allgemein gehaltene Einführungen in die Denkmälergattung der Grabreliefs oder in die römische Porträtkunst, aber auch eine Reihe von Artikeln zu epigrafischen und kunstgeschichtlichen Details wie etwa den Abkürzungen, die in der Inschrift auftauchen ("TF LEM BON: Die Abkürzungen" von Hans-Joachim Schalles), oder den Pflanzenmotiven auf dem Stein ("Pflanzen in Stein: Der Akanthus" von Marianne Hilke). Abgerundet wird der Band durch drei rezeptionsgeschichtlich orientierte Aufsätze ("Von Xanten nach Bonn" von Wilhelm Diedenhofen, "Ruhe in Frieden: Grabinschriften gestern und heute" von Reiner Sörries und "Standorte: Der Caeliusstein im Museum" von Heidi Gansohr-Meinel).

Roter Faden all dieser ganz unterschiedlichen Beiträge und zugleich die Klammer, die das Buch zusammenhält, ist das Monument selbst. Es geht ausnahmslos um Dinge, die sich irgendwie mit dem Caelius-Monument verbinden lassen, sei es, dass etwas in der Inschrift Erwähnung findet, sei es, dass es auf dem Stein abgebildet ist. Ausstellung und Katalog lassen sich daher als einen großangelegten Kommentar dieses Denkmals verstehen, und die Art und Weise, wie im Anhang die Literatur zu den einzelnen Kapiteln präsentiert wird, spiegelt diesen Ansatz noch einmal wider: Hier ist nämlich jedem Kapiteleintrag eine Abbildung des Steins beigegeben, auf der der jeweilige Aspekt hell markiert ist.

All das ist klug ausgedacht und es erfüllt vor allem seinen Zweck: Das Buch liefert bündig und präzise Informationen, es macht Lust auf mehr, und, last but not least: Es gibt dem Leser die Hilfsmittel an die Hand, von dort aus eigenständig weiterzulesen. Das ist eine großartige Leistung, zu der man alle Beteiligten nur beglückwünschen kann. Machen Sie bitte weiter so!


Anmerkung:

[1] Vgl. dazu den dreibändigen Katalog: 2000 Jahre Varusschlacht. Imperium - Konflikt - Mythos, Darmstadt 2009.

Hartmut Blum