Rezension über:

Matthias Gelzer: Caesar. Der Politiker und Staatsmann. Neudruck der Ausgabe von 1983 mit einer Einführung und einer Auswahlbibliographie von Ernst Baltrusch, Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2008, XXIII + 310 S., ISBN 978-3-515-09112-1, EUR 36,00
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Rezension von:
Hartmut Blum
Abteilung für Alte Geschichte, Eberhard Karls Universität, Tübingen
Redaktionelle Betreuung:
Mischa Meier
Empfohlene Zitierweise:
Hartmut Blum: Rezension von: Matthias Gelzer: Caesar. Der Politiker und Staatsmann. Neudruck der Ausgabe von 1983 mit einer Einführung und einer Auswahlbibliographie von Ernst Baltrusch, Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2008, in: sehepunkte 9 (2009), Nr. 11 [15.11.2009], URL: http://www.sehepunkte.de
/2009/11/16158.html


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Matthias Gelzer: Caesar

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Um es gleich vorwegzunehmen: Der vorliegende Neudruck des Gelzerschen Klassikers ist voll und ganz gelungen! Zugrunde gelegt wurde der Text des 1983 erschienenen letzten Nachdrucks der 6. Auflage von 1960, für die Gelzer sein schon 1921 veröffentlichtes Buch erstmals mit Anmerkungen versehen hatte. Dieser Kern wurde nur "um offensichtliche Fehler bereinigt" (VII), ihm vorangestellt ist eine knapp vierzehnseitige Einleitung, in welcher Ernst Baltrusch Gelzers Caesar-Buch in den Kontext seiner Zeit stellt und danach die seitherige Caesar-Forschung in groben Zügen umreißt. Im Anhang finden sich ein Orts- und ein Personenregister, eine Zusammenstellung der von Gelzer verwendeten Literatur, sowie eine Auswahlbibliographie mit neueren Titeln, die eine Brücke zum modernen Forschungsstand schlägt.

Das Resultat ist ein Neudruck wie er sein sollte, sehr benutzerfreundlich, und vor allem so gestaltet, dass auch Nicht-Spezialisten im großen und ganzen beurteilen können, in welchen Punkten man Gelzers Meinung heutzutage nicht mehr teilt, und wo der Altmeister Maßstäbe gesetzt hat, die noch gelten. Dabei ist es gerade der 'zeitlose Charakter', der nicht nur beim Gelzerschen "Caesar" zu Recht immer wieder hervorgehoben wird. Dadurch, dass Gelzer seine Darstellung aus den Quellen heraus erarbeitet hat und diese fast lückenlos durch Fußnoten belegt, hat der Leser eine zuverlässige Zusammenstellung der antiken Informationen über Caesar an der Hand, und damit ein unerlässliches Arbeitsmittel, das - der Natur der Sache nach - eigentlich nicht veralten kann. Freilich sind auch die Interpretationen eines Mannes wie Gelzer immer bedenkenswert; am deutlichsten fällt in diesem Zusammenhang sicherlich die recht unkritische Glorifizierung Caesars am Ende des Buches aus dem Rahmen, die im 21. Jahrhundert nicht mehr zeitgemäß ist. Dank Baltruschs Einleitung weiß man aber von Anfang an Bescheid darüber, dass Caesars staatsmännische Leistung seit jeher unterschiedlich bewertet wurde, und welche Positionen es aktuell dazu gibt.

Kurzum: Es ist dem Verlag und dem Herausgeber zu danken, dass nach dem "Pompeius" (2005) nun auch der "Caesar" wieder zugänglich gemacht wurde. Wann kommt der "Cicero"?

Hartmut Blum