Rezension über:

Wolfgang Elz (Hg.): Quellen zur Aussenpolitik der Weimarer Republik 1918-1933 (= Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte der Neuzeit. Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe; Bd. 32), Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2007, XVIII + 237 S., ISBN 978-3-534-07560-7, EUR 79,90
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Rezension von:
Martin Kröger
Köln
Empfohlene Zitierweise:
Martin Kröger: Rezension von: Wolfgang Elz (Hg.): Quellen zur Aussenpolitik der Weimarer Republik 1918-1933, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2007, in: sehepunkte 8 (2008), Nr. 3 [15.03.2008], URL: http://www.sehepunkte.de
/2008/03/13244.html


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Wolfgang Elz (Hg.): Quellen zur Aussenpolitik der Weimarer Republik 1918-1933

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Mit den Quellen zur Außenpolitik der Weimarer Republik schließt die Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe eine seit langem bestehende Lücke. Schon in meinem noch aus Studienzeiten stammenden "Bücherverzeichnis zur deutschen Geschichte" von 1982 war ein solcher Band angekündigt. Mit Wolfgang Elz wurde nun ein versierter Kenner internationaler Beziehungen als Herausgeber gefunden.

Dem Konzept der Reihe folgend, leitet Elz kurz in die Materie ein. Er bietet auf wenig mehr als dreißig Seiten einen konzisen Abriss der Strukturprobleme der Weimarer Republik, stellt die wesentlichen Akteure auf Regierungsebene vor und beschreibt die außenpolitischen Rahmenbedingungen und Ereignisse. Der Autor bewegt sich hier in den von einer breiten Forschung vorgegebenen Bahnen, gibt verlässliche Informationen, unterlässt aber jedwede Literaturangabe. Das zum Dokumententeil gehörige Quellenverzeichnis ist hierfür kein Ersatz. Ohne nun gleich einen kritischen Forschungsbericht zu verlangen: Der Verzicht auf Literaturhinweise ist für den bestens vorinformierten Leser vielleicht kein Nachteil, an diesen aber richtet sich die Reihe gerade nicht. Dafür bilden die vielen Verweise im Text einen unverzichtbaren und äußerst brauchbaren Leitfaden durch die nachfolgenden 127 Dokumente.

Der Quellenteil selbst ist mit Kennerschaft zusammengestellt. Die Dokumente folgen chronologisch aufeinander. Dabei handelt es sich beispielsweise um Zeitungsartikel, Reden, Runderlasse, Erinnerungsschriften, Briefe etc. Sie sind in der Überschrift kurz charakterisiert, es werden der Autor und gegebenenfalls der oder die Adressaten genannt. Hierauf schließt sich ein ganz kurzes Regest an, meistens ein notizhafter Satz, der den Inhalt auf den Punkt bringt. Es folgt der ursprüngliche Druckort, handelt es sich doch bei allen Schriftstücken um solche, die andernorts bereits publiziert, zum Teil wissenschaftlich ediert sind. Einen editorischen Apparat hat der Herausgeber fortgelassen, das betrifft auch solche Anmerkungen, die am ersten Druckort noch vorhanden waren. Auch die Texte selbst sind vielfach gekürzt. Vier von fünf, also die weitaus meisten Dokumente, sind lediglich als so genannte Auszüge abgedruckt, wobei aber die Kürzungen kenntlich gemacht sind. Alle Personen sind in einem Register mit Lebensdaten und ihren jeweiligen Funktion aufgeführt.

Bleibt die wichtigste Frage zu beantworten: Ist eine Quellensammlung, wie die von Wolfgang Elz zusammengestellte, heute noch ohne Einschränkung zu begrüßen? Die traditionsreiche Reihe will es Historikern und Geschichtsinteressierten ermöglichen, unmittelbar und selbständig auf primäre Texte zuzugreifen. In erster Linie richtet sich der Band an Studenten und an die Verwendung im Seminarbetrieb.

Ohne jeden Zweifel ist die Quellenkritik im Werkzeugkasten des Historikers, was dem Maurer die Kelle und dem Klempner die Rohrzange. Unverzichtbar eben! Und wie der Umgang mit diesen Gerätschaften, will auch die Auseinandersetzung mit den Primärtexten erlernt sein und geübt werden. Ich selbst habe von den Lektürekursen meines Studiums weit mehr profitiert als von den Vorlesungen - einstmals - wichtiger Professoren. Ausnahmen lasse ich gelten. Den Tutoren von einst sei noch heute der Dank nachgereicht.

Studenten werden den Band freilich eher für 10 Euro kopieren als für 50 Euro kaufen. Zudem kann man von einer Unmittelbarkeit des Textzugangs, von der in der Selbstdarstellung der Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe die Rede ist, nicht sprechen. Zwar hat sich Wolfgang Elz innerhalb des vorgegeben Konzepts achtbar aus der Affäre gezogen. Doch sind die Dokumente in ihrer unreduzierten Version in den einschlägigen Editionen leicht zugänglich. Warum sollte man sie also nicht dort lesen, kopieren und für den Unterricht benutzen? Ich würde sogar dazu raten.

Martin Kröger