Rezension über:

Reinhard Braunisch (Bearb.): Johannes Gropper. Briefwechsel Band II: 1547-1559 (= Corpus Catholicorum. Werke katholischer Schriftsteller im Zeitalter der Glaubensspaltung; Bd. 44), Münster: Aschendorff 2006, XXIX + 828 S., ISBN 978-3-402-03458-3, EUR 89,00
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Rezension von:
Thomas Wilhelmi
Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Redaktionelle Betreuung:
Stephan Laux
Empfohlene Zitierweise:
Thomas Wilhelmi: Rezension von: Reinhard Braunisch (Bearb.): Johannes Gropper. Briefwechsel Band II: 1547-1559, Münster: Aschendorff 2006, in: sehepunkte 6 (2006), Nr. 12 [15.12.2006], URL: http://www.sehepunkte.de
/2006/12/9850.html


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Reinhard Braunisch (Bearb.): Johannes Gropper

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Dem ersten Teil der Edition des Briefwechsel Johannes Groppers, 1977 in Münster erschienen (Corpus Catholicorum, Bd. 32) und 168 Briefe aus der Zeit von Januar 1529 bis Februar 1547 enthaltend, ist nun der zweite Teil dieser Edition gefolgt. Er enthält 215 Briefe aus der Zeit von August 1547 bis März 1559. Auch die Briefe dieser letzten zwölf Jahre lassen Gropper als bedeutenden altgläubigen Theologen und sehr einflussreichen Kirchenpolitiker erscheinen und erweitern die Kenntnisse seiner Biografie wesentlich.

Der Kölner Theologe Johannes Gropper, am 24. Februar 1503 in Soest geboren, wurde nach seinem Studium in Köln und der Priesterweihe im September 1525 zum Offizial des Kölner Dompropsts ernannt und erlangte im November desselben Jahres den Grad des Doctor legum (civilium). Ein Jahr später wurde er zum Großsiegler des Kölner Erzbischofs ernannt. In den Dreißigerjahren war Gropper die treibende Kraft des "niederrheinischen Reformkatholizismus", dies zusammen mit seinem Erzbischof und Kurfürsten Hermann von Wied (1477-1552). So war er an den Reformbestrebungen des Kölner Provinzialkonzils im März 1536 maßgeblich beteiligt. 1540-1542 war er mit Martin Bucer, dem Straßburger Reformator, der im Spätherbst 1542 von Hermann von Wied mit Billigung der Landstände zwecks Einführung einer umfassenden kirchlichen Reform des Erzbistums Köln nach Bonn geholt wurde, bis zum Januar 1543 fast freundschaftlich verbunden. Dann wurde er aber zum Wortführer der Gegner der protestantisch ausgerichteten kirchlichen Reform des Erzbistums Köln, die von Bucer, Melanchthon und Hedio mit voller erzbischöflicher Unterstützung in Gang gebracht wurde. In seiner "Christlichen und Catholischen gegen berichtung" (1544) und weiteren Schriften setzte Gropper sich im Namen des Kölner Domkapitels eingehend mit dem von Bucer ausgearbeiteten, im Namen des Erzbischofs im Druck veröffentlichten Reformationsentwurf ("Einfältiges Bedenken", 1543) und mit Bucers Verteidigungsschriften auseinander. Gropper nahm am Konzil von Trient (1551/1552) teil und konnte dort seinen Einfluss bei der Formulierung von Konzilsbeschlüssen (zum Bußsakrament und zur Eucharistie) geltend machen. Im Jahre 1555 wurde ihm von Papst Paul IV. die Kardinalswürde angetragen. Im Februar 1556 erhielt er das Notifikationsbreve der Kardinalserhebung. Er lehnte diese Würde zunächst ab (möglicherweise aus gesundheitlichen Gründen), nahm sie aber im Juli 1558 in Anbetracht neuer Gefährdungen der Kölner Kirche dann doch an und reiste nach Rom. Am 14. März 1559 starb er in Rom.

Braunisch leitet den zweiten Teil seiner Edition mit einem Verzeichnis der gedruckten Quellen und Literatur ein; er führt dabei ausschließlich diejenigen Titel auf, die im ersten Teil noch nicht berücksichtigt worden sind. Darauf folgen das Archivalienverzeichnis und ein chronologisches und alphabetisches Korrespondenzverzeichnis (alles zum zweiten Teil der Edition) sowie eine sehr hilfreiche, ausführliche Chronologie (Daten zum Leben und Werk, 1547-1559).

Darauf folgt die Edition der Briefe (Nr. 169-383) aus der Zeit vom 21. August 1547 bis zum 1. März 1559 (25-565). Viele dieser Briefe, die sich insbesondere im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, dem Historischen Archiv der Stadt Köln, dem Staatsarchiv Münster/W., der Biblioteca Apostolica Vaticana und dem Vatikanischen Geheimarchiv in Rom und dem Stadtarchiv Soest befinden, sind hier zum ersten Mal ediert.

Ein wesentlicher Teil der 215 Briefe entfällt auf die Briefwechsel Groppers mit dem Domkapitel in Münster/W., dem Kapitel und den Stiftsvikaren in Soest, dem Kölner Kurfürsten und Erzbischof Adolf von Schaumburg und seinem Bruder Goddart, der als Doctor juris als Rat des Herzogs von Jülich-Kleve tätig war und auch im Dienst des Domkapitels Münster stand. Die Briefe von und an Gropper sind in der Mehrzahl in deutscher Sprache abgefasst und oft von beträchtlichem Umfang. Die Briefe haben zum größten Teil dienstlich-offiziellen und nicht privaten Charakter; zuweilen lassen sich ihnen aber doch persönlich gehaltene Äußerungen entnehmen, z. B. über Mühen und Sorgen, die die aufreibende, rastlose Tätigkeit und auch die Anfeindungen mit sich bringen.

Braunisch ediert die Texte mit großer Sorgfalt - er befolgt hierbei die Editionsgrundsätze des ersten Bandes - und versieht sie mit einem exakten kritischen Apparat und vielen, überaus genauen und ausführlichen und weitreichenden Anmerkungen zum Inhalt (Personen, Orte, historische Ereignisse etc.) und gelegentlich auch zur Sprache. Sehr wertvoll sind auch die zahlreichen Querverweise (insbesondere auf andere Briefe und Kommentare), die Edition von im Zusammenhang stehenden Quellentexten (z.B. aus Briefen anderer Personen und aus Protokollen) und die dem Brieftext vorangehenden Regesten zum Inhalt. Braunischs umfassende, fundierte Kommentare zu den Briefen von und an Gropper bilden einen wesentlichen Beitrag zur historischen und theologischen Grundlagenforschung, zur kommentierten Edition von Texten Groppers (z. B. des "Enchiridions") und zu einer umfassenden, umfangreichen Gropper-Biografie.

Diesem Hauptteil des Bandes schließt sich ein Anhang (569-670) an, der wichtige, bislang nicht edierte Texte enthält: 1. ein von Gropper verfasstes (oder zumindest mitverfasstes) lateinisches Gutachten, das die Kölner Theologen dem Kölner Erzbischof Adolf von Schaumburg zum Vollzug der Augsburger Interimsbeschlüsse (7. August 1548) zukommen ließen und darin die Empfehlung abgaben, um ein päpstliches Indult nachzusuchen und den Kaiser um Klarstellungen zu bitten. 2. einen an Herzog Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg abgegebenen, in deutscher Sprache verfassten Gesandtenbericht zum Interims-Vollzug in Soest (1. Oktober 1548), 3. ein Brief-Falsifikat, nämlich einen angeblichen Brief Papst Pauls IV. an Gropper zur Kardinalskreation (1. Dezember 1555), 4. Groppers bislang nicht vollständig edierte ausführliche lateinisch verfasste (zweite) Apologie seiner 1538 und 1544 veröffentlichten Rechtfertigungslehre zu dem von Zaccaria Delfino angestrengten Häresie-Prozess vor der Römischen Inquisition (Januar / Februar 1559). Diese Verteidigung führte zur vollumfänglichen Rehabilitierung Groppers, der an der Kurie als Deutschland-Berater Papst Pauls IV. tätig war.

Es folgen eine Aufstellung der verlorenen, aber belegbaren und zu erschließenden Briefe von und an Gropper aus den Jahren 1534-1558 (671-732), eine Aufstellung von Korrekturen, Ergänzungen zu Band 1 (732-767) und ein umfassendes Personen- und Ortsregister zu Band 2 (768-828).

Thomas Wilhelmi