Rezension über:

Gabriele Jochums (Bearb.): Bibliographie Friedrich Wilhelm I. Schrifttum von 1688 bis 2005 (= Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz; 6), Berlin: Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz 2005, XIII + 230 S., ISBN 978-3-923579-07-5, EUR 16,00
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Rezension von:
Michael Rohrschneider
Historisches Seminar, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn
Redaktionelle Betreuung:
Michael Kaiser
Empfohlene Zitierweise:
Michael Rohrschneider: Rezension von: Gabriele Jochums (Bearb.): Bibliographie Friedrich Wilhelm I. Schrifttum von 1688 bis 2005, Berlin: Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz 2005, in: sehepunkte 6 (2006), Nr. 5 [15.05.2006], URL: http://www.sehepunkte.de
/2006/05/10637.html


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Gabriele Jochums (Bearb.): Bibliographie Friedrich Wilhelm I.

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Wer sich eingehender mit dem preußischen König Friedrich Wilhelm I. beschäftigt, wird sehr schnell feststellen, dass bislang noch keine heutigen wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Gesamtbiographie des so genannten Soldatenkönigs vorliegt - der große Entwurf Carl Hinrichs ist bekanntlich nicht über die Kronprinzenzeit hinausgelangt [1] - und dass bis in die jüngste Gegenwart hinein keine umfassende Bibliographie zum Leben und Wirken dieses Monarchen erarbeitet worden ist. Es ist daher besonders erfreulich, dass Gabriele Jochums die verdienstvolle Aufgabe übernommen hat, das Schrifttum über Friedrich Wilhelm I. in Form einer Bibliographie zu erfassen. Damit liegt nun neben der im Zuge des Friedrich-Jubiläums 1986 entstandenen Bibliographie zu Friedrich dem Großen [2] eine weitere Bibliographie zu einem frühneuzeitlichen Preußenkönig vor und damit ein idealer Ausgangspunkt für weiterführende Forschungen zur preußischen Geschichte des 18. Jahrhunderts.

Erklärtes Ziel der Bearbeiterin ist es, den Forschungsstand zu Friedrich Wilhelm I. möglichst umfassend zu dokumentieren. Leider erfolgt dies mit der nicht unerheblichen Einschränkung, dass fremdsprachige Literatur nur in Ausnahmefällen aufgenommen wurde, wobei die Kriterien für diese Ausnahmen nicht benannt werden. Besonderer Wert wurde bei der Titelaufnahme auf die Vollständigkeit der Angaben gelegt, was angesichts der in der Literatur vorzufindenden Ungenauigkeiten besonders begrüßenswert ist: Autopsie ist in diesem Zusammenhang ein zwingendes Gebot, das die Bearbeiterin dem eigenen Bekunden nach bis auf wenige Ausnahmen beherzigt hat.

Bei der Gliederung der Bibliographie hat sich die Bearbeiterin an dem vorhandenen Material orientiert und somit sinnvoller Weise darauf verzichtet, ein Vorabschema zu entwerfen, in das die vorliegenden Titel hineingepresst worden wären. Bei der Benutzung der Bibliographie wird schnell klar, dass sich diese grundsätzliche Entscheidung bewährt. Auch die in Einzelfällen vorgenommene Aufnahme von Titeln an zwei Stellen - zum Beispiel im Falle der einschlägigen Überblicksdarstellung von Ingrid Mittenzwei und Erika Herzfeld (34 und 74) - erweist sich durchaus als nützlich, da so der inhaltliche Zugriff erleichtert wird.

Die Bibliographie ist in folgende Hauptgliederungspunkte, die zumeist noch weiter differenziert sind, aufgeteilt: "Bibliographische Literatur und Forschungsdiskussion"; dann "Selbstzeugnisse"; es folgt die Rubrik "Darstellungen" (in der sich gleichwohl auch Quellen, wie zum Beispiel die Acta Borussica, finden): "Brandenburg-Preußen 1713-1740"; "Lebensbeschreibungen und Charakteristiken"; "Kronprinzenzeit"; "Regierungszeit 1713-1740" (Hauptgliederungspunkt mit zahlreichen Unterkapiteln); "Persönlichkeit, Lebensführung und Familie"; "Lebensende"; "Bildliche Darstellung"; "Literarische Verarbeitung". Besonders zu erwähnen ist hierbei, dass die Bearbeiterin in den allgemeineren Gliederungspunkt "Brandenburg-Preußen 1713-1740" nur Literatur aufgenommen hat, die mindestens ein Kapitel oder einen Abschnitt zur Regierungszeit Friedrich Wilhelms I. aufweist. Diese pragmatische Entscheidung ist durchaus plausibel, denn somit wurde vermieden, unüberschaubar viele allgemeine Werke aufzunehmen, die sich nur marginal mit Preußen zur Zeit des Soldatenkönigs befassen. Insgesamt gesehen ist die Gliederung übersichtlich und praktikabel zugleich; sie ermöglicht eine problemlose Orientierung und einen schnellen Zugriff.

Besondere Vorzüge der Titelaufnahme sind die Hinweise auf ältere Auflagen und Nachdrucke der jeweiligen Titel sowie die zum Teil vorgenommenen stichwortartigen inhaltlichen Hinweise, die eine genaue Zuordnung erleichtern. Dies ist gerade bei den aufgenommenen Titeln allgemeinerer Natur ein sinnvoller Service, der dazu beiträgt, dass der Benutzer bei seinen Recherchen rasch zum Ziel gelangen kann. Dies wird auch durch drei nützliche Indices gefördert, die Orte, Personen und Verfasser verzeichnen. Zudem findet sich als Anhang auf immerhin gut sechzig Seiten eine Studie von Gustav Wallat aus dem Jahr 1899 wiederabgedruckt, in der in ausführlicher Weise Quellen und Literatur zu Friedrich Wilhelm I. kommentiert werden und deren Lektüre auch noch für den heutigen Forscher durchaus gewinnbringend ist.

Das maßgebliche Kriterium zur Beurteilung der vorliegenden Bibliographie ist neben der Aktualität, die im vorliegenden Fall zweifelsohne gegeben ist, die angestrebte größtmögliche Vollständigkeit. Dabei kann es hier nicht darum gehen, das Fehlen der einen oder anderen Spezialstudie zu monieren. Wohl aber gilt es, Aspekte, die problematisch erscheinen, anzusprechen. Insgesamt gesehen wird man der Bearbeiterin zweifellos das Zeugnis ausstellen können, dass sie das Schrifttum in umfassender Weise ermittelt hat. Damit hat sie eine gravierende Lücke der Preußen-Forschung geschlossen. Gleichwohl sind einige Auffälligkeiten anzusprechen. Dies betrifft insbesondere die Auswahl der Titel. So macht es wenig Sinn, in dem Kapitel über bibliographische Literatur und Forschungsdiskussion pauschal auf die Jahresberichte für deutsche Geschichte zu verweisen; solche unspezifischen Angaben gehören nicht in eine Spezialbibliographie. Dagegen fehlt ein so wichtiges Standardwerk wie das von Ernst Opgenoorth herausgegebene Handbuch der Geschichte Ost- und Westpreußens [3], das unbedingt hätte aufgenommen werden müssen. Noch ein weiteres Beispiel sei genannt. Es ist positiv zu vermerken, dass die Bearbeiterin der intensiven Beziehung zwischen Friedrich Wilhelm I. und Leopold I. von Anhalt-Dessau ein eigenes Kapitel gewidmet hat. Nun existiert Literatur über den so genannten Alten Dessauer in Hülle und Fülle, und man fragt sich bei der Durchsicht des genannten Kapitels, das insgesamt nur dreizehn Titel umfasst, nach welchen Auswahlkriterien hier Literatur aufgenommen worden ist oder eben nicht. Vollständigkeit ist an dieser Stelle jedenfalls nicht erreicht.

Trotz dieser Einzelkritik bleibt es bei dem bereits angedeuteten positiven Fazit: Die vorliegende Bibliographie leistet einen wichtigen Beitrag zur Preußen-Forschung im Allgemeinen und zur Forschung über Friedrich Wilhelm I. im Besonderen. Es bleibt sehr zu hoffen, dass der im Vorwort von Jürgen Kloosterhuis, dem Direktor des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz, geäußerte Wunsch, die vorliegende Bibliographie möge weitere Arbeiten zu Friedrich Wilhelm I. anregen, auch tatsächlich in Erfüllung geht. Vielleicht wird ja doch in nicht allzu ferner Zukunft die gültige Gesamtbiographie des Soldatenkönigs geschrieben.


Anmerkungen:

[1] Carl Hinrichs: Friedrich Wilhelm I. König in Preußen. Eine Biographie. Jugend und Aufstieg, Hamburg 1941.

[2] Herzeleide und Eckart Henning (Bearb.): Bibliographie Friedrich der Große 1786-1986. Das Schrifttum des deutschen Sprachraums und der Übersetzungen aus Fremdsprachen, Berlin / New York 1988.

[3] Ernst Opgenoorth (Hg.): Handbuch der Geschichte Ost- und Westpreußens. Teil II/2: Vom Schwedisch-Polnischen Krieg bis zur Reformzeit 1655-1807, Lüneburg 1996.

Michael Rohrschneider