Rezension über:

Alfred Schmid: Augustus und die Macht der Sterne. Antike Astrologie und die Etablierung der Monarchie in Rom, Köln / Weimar / Wien: Böhlau 2005, IX + 469 S., ISBN 978-3-412-10205-0, EUR 49,90
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Rezension von:
Wolfgang Hübner
Institut für Klassische Philologie, Westfälische Wilhelms-Universität, Münster
Redaktionelle Betreuung:
Sabine Panzram
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Empfohlene Zitierweise:
Wolfgang Hübner: Rezension von: Alfred Schmid: Augustus und die Macht der Sterne. Antike Astrologie und die Etablierung der Monarchie in Rom, Köln / Weimar / Wien: Böhlau 2005, in: sehepunkte 5 (2005), Nr. 10 [15.10.2005], URL: http://www.sehepunkte.de
/2005/10/8408.html


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Alfred Schmid: Augustus und die Macht der Sterne

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Die Entdeckung der "Sonnenuhr" des Augustus durch Buchner hat die Frage nach dem Verhältnis des ersten römischen Princeps zu Astronomie und Astrologie sowie nach dem Zusammenspiel zwischen Kosmologie und Politik neu aufgeworfen. In der Einleitung (1-18) bringt Schmid sogleich seine These einer zeitgleichen "Konversion" zur Astrologie und zur Monarchie, skizziert die Forschungslage und stellt richtig fest, dass die Antithese rational - irrational unangemessen ist und schon gar nicht mit der Antithese von Orient und Okzident gleichgesetzt werden kann: Die astrologische Lehre war in der griechischen Philosophie kein Fremdkörper.

"Die Ausgangsfrage" (19-64) rekonstruiert das Horoskop des Augustus und geht von der nicht unumstrittenen These Ginzels und Brind'Amours aus, dass das Geburtsdatum am 23. September 63 v.Chr. nach dem erst später eingeführten julianischen Kalender berechnet wurde. Richtig erkennt Schmid, dass es nicht genügt, mit modernen Computer-Methoden die Konstellation zu ermitteln, sondern dass man die Fehler der antiken Methoden aufgrund eines zu langsamen Präzessionswertes mit einkalkulieren muss (Appendices I und II: 399-408). Schmid entscheidet sich richtig gegen die seit Kepler vertretene Mond-Theorie sowie gegen die Empfängnis-Theorie [1] und die Annahme Radkes einer Geburt am 17. Dezember präjulianisch und entscheidet sich für Gundels Annahme, der Steinbock habe das "Glückslos" beherbergt. Konsequent untersucht er die Rolle dieses Tierkreiszeichens in der augusteischen Propaganda. [2] Schmid verfolgt den Fortuna-Gedanken von Marius, Sulla, Pompeius und Caesar bis auf Augustus und berührt auch andere astrale Ereignisse wie den Kometen des Jahres 44 v.Chr., dessen Geschichtlichkeit er richtig gegen Baudy verteidigt, und äußert sich ausführlich zur "postkonstitutionellen Monarchie" (nach Voegelin).

Die Überlegungen des Kapitels über "Das Königtum als politisches Problem" (65-91) fügen sich zur aktuellen Monotheismus-Diskussion. Schmid betont den rituellen oder liturgischen Charakter (89,12 "'heliomimetische 'Ritualität'") des Königtums und bespricht die vieltraktierte soziomorphe Analogie des Königs mit der Sonne. Dabei beschränkt er die Analogie zumeist auf die Helligkeit des Zentralgestirns (aber auch die Eklipse spielte eine Rolle) und lässt die Stellung der Sonne inmitten der Siebenerreihe der Planeten (= 'Satelliten') außer Acht. Im Hinblick auf die "Singularität" der Sonne (89 Anm. 128) hätte er statt auf die Chinesen oder den späten Kardinal Humbert de Silva Candida im Bereich seiner Epoche bleiben können: Ciceros De re publica beginnt mit der Doppelsonne (Parhelie), und ebenfalls seit Cicero fassbar ist die Volksetymologie Sol - solus.

Das Kapitel "Polis als Antimonarchie" zeichnet unter dem Einfluss der Arbeiten von Vernant und Detienne die Entwicklung vom Königtum zur Demokratie nach, fragt nach einem möglichen politischen Ursprung der griechischen Rationalität und mustert die Quellen von Homer bis zum fuvsi"-Denken des Thukydides. Eine besondere Rolle spielt dabei der Isorrhopie- und Isonomie-Gedanke Anaximanders. Das alles zielt auf die spätplatonische "'Kosmifizierung'" der Natur ("Der Kosmos als neuer Mythos von der Physis als Nomos": 119-202). In diesem stark philosophisch ausgerichteten Kapitel betrachtet Schmid die nomos-physis-Debatte. Die "Sternbeseelung" Platons, seine mythische "neokompakte Ganzheit" (168, vgl. 188. 339. 368) macht die vorsokratische 'Materialisierung' des Kosmos wieder rückgängig. Die grundsätzlich "finalitäre" Organisation des Kosmos und das zyklische Konzept von Zeit entsprechen dem astralen Determinismus. Platons Weltbild hat Züge eines monarchischen Raums. Einseitige Bezüge aus dem Orient werden in Anlehnung an Kerschensteiner und De Koster abgelehnt. Die Entwicklung der soziomorphen Metaphern und der "politischen Theologie" hätte mit dem Hinweis auf Topitsch abgekürzt werden können. Schmid zeichnet dann den Erfolg dieser "neuen Kosmizität der Welt" in der platonischen Schule nach, und streift kurz die heikle Frage der "Pythagoreisierung" Platons. In der aristotelischen Bewegungslehre wurden die Planetensphären zu einer vermittelnden Instanz zwischen Transzendenz und Immanenz, bevor das Weltbild der Stoiker zur Leitphilosophie der Astrologen avancierte. Danach wendet sich Schmid wieder der Geschichte zu und befasst sich mit der wachsenden Akzeptanz der Astrologie im ptolemäischen Ägypten bis zu den Römern und betont den nicht-öffentlichen, "unzivilen" Charakter der Horoskope. Er wendet sich gegen die These von Cramer, die astrologische Wende sei eine Folge der stoischen Philosophie von Panaitios zu Poseidonios gewesen.

In dem Kapitel "Probleme der Installierbarkeit von Monarchie" (203-243) schildert Schmid die Strategien der "Promotion des Princeps zu höheren Sphären" (225) als "postkonstitutionelles Kunststück" zum Zwecke der "Positivierung des politisch Negativen" mit Hilfe einer platonisierenden Monarchie-Konzeption und fragt danach, inwiefern die Astrologie im Stande war, die Akzeptanz dieser Ideen zu erhöhen. Genauer untersucht er den imperium-Begriff und betont die königliche Herkunft von Triumph und Auspizien. Wenn er abschließend behauptet, der Steinbock auf der Gemma augustea verkörpere seine "sieghafte Potenz", dann wird das durch astrologische Quellen nicht gedeckt.

Das Kapitel "fatalis princeps" (245-303) fragt nach astralen Elementen in Ciceros Staatsphilosophie und Vergils Aeneis und untersucht dann (weitgehend Cramer folgend) die Rolle von Astrologie und Hofastrologen in der frühen Kaiserzeit, das Kapitel "Pax mundi" (305-339) geht zu Recht davon aus, dass der Globus als Herrschaftssymbol nicht etwa die (damals im Einzelnen wenig bekannte) Erde, sondern die (geschlossen gedachte) Himmelskugel meint, was ihn allerdings nicht hindert, später (394,-4) von "Roms Herrschaft über den Globus" zu sprechen. Schmid prüft gründlich Buchners vielfach kritiklos rezipierte These, dass im Solarium Augusti die gerade Äquinoktiallinie direkt auf die Mitte der Ara Pacis zugelaufen sei, und weist ihm den kardinalen Fehler nach, dass in den Jahren 13-9 v.Chr. das Herbstäquinokt julianisch nicht auf den 23., sondern auf den 25. oder 26. September fiel. Eine Verbindung mit dem Geburtstag des Augustus verbietet sich also - ganz zu schweigen von Buchners Parallelisierung von Empfängnis und Geburt einerseits sowie von der Verbrennung (Ustrinum) und Bestattung (Mausoleum) andererseits (308 Anm. 19). Als Begründung für den 'Waage-Menschen' Augustus kommt das Gradnetz ohnehin nicht infrage, weil der Meridian mit den hipparchischen Jahrpunkten bei 0° der tropischen Zeichen rechnet.

Es folgen Gedanken zur Symbolik des Sternbilds der Waage beim Herbstäquinokt und zur Vorstellung der Isorrhopie als einer "kosmischen Fundierung des Friedens- als Ordnungsgedankens" (317) sowie zur herrscherlichen Zentralität. Zu wenig gewürdigt wird an dieser Stelle das äußerst raffinierte Georgica-Proömium, von dem Lucan (321) prinzipiell mehr abhängt als von Manilius und Germanicus (so richtig der 321 Anm. 91 zu Unrecht zurückgewiesene Eriksson) - um einen "Katasterismus" handelt es sich an dieser Stelle erst recht nicht. Bei der verbreiteten Konkurrenz zwischen Mitte und Gipfel (324 f.) verlässt sich Schmid zu sehr auf Ps.Aristot. De mundo und weist zu Unrecht Boyancés Hinweis auf die Mittelstellung der Sonne im chaldäischen Planetensystem zurück (325 Anm. 112): Die Mittelstellung der (sich bewegenden) Sonne wird von Cicero und anderen immer wieder gefeiert. Bedenkenswert ist die Tatsache, dass Caesar den Bezug der Waage zu ihrer Hausherrin Venus dadurch zu untermauern suchte, dass er den natalis des Venus Genetrix-Tempels auf das neue Datum des Herbstäquinoktiums (26. September) legte. Ein Hinweis auf den Mithras ("Vertrag") als Äquinokt, als "Symbol der befriedenden Übereinkunft des Diversen im sphärischen Kosmos" (339) schließt das Kapitel ab.

Eine Art Anhang bildet die kurze "Bestandsaufnahme" (343,1 vs. 360,12) von fünf "Griechen in der Umgebung des Augustus" (341-360). In dem geschichtsphilosophisch ausgerichteten Kapitel "Die Ewigkeit der Zeit" fasst Schmid die griechische Kosmologie "als Symbolismus von Autorität", wendet sich zur Recht gegen den Begriff einer "cultural revolution" und führt die geistige Wende spätestens auf die Zeit des späten Platon zurück; er verwendet den Begriff "Revolution" dann aber doch weiter in Anführungszeichen. Besonders seit den beiden Werken von Kuhn, The Copernican Revolution (1957) und The Structure of Scientific Revolutions (1962) wird dieser ursprünglich astrologische Begriff in einer wahren Inflation auf immer wieder andere geistige Umschwünge bezogen. (Wenn Schmid in der Appendix III [409 f.] der verbreiteten Meinung entgegentritt, dass der Begriff revolutio ursprünglich nicht das Neue und Gewaltsame beinhalte, und dies mit dem Konjunktionalismus der Abū Ma' ūar - Übersetzung De magnis conjunctionibus, annorum revolutionibus begründet, verliert dieser Beleg an Gewicht, wenn man den Titel desselben Autors De revolutionibus nativitatum danebenhält, in dem diese Sonderbedeutung nicht vorliegt.) Schmid untersucht weiter die Dichtungen von Vergil, Horaz und Ovid, knüpft an die jüngere kosmische Interpretation von Georgica und Aeneis sowie Ovids Fasti durch die englische Philologie an und prüft ausführlich die teleologische Geschichtsdeutung der Aeneis. Die belasteten Begriffe "Symbol" und "Allegorie" ersetzt er unter dem Einfluss von Zanker durch das "Bild": "Imago der göttlichen 'Formen' der Zeit" (378), verwendet aber daneben auch den heutzutage inflationär und 'metaphorisch' gebrauchten Begriff der "Metapher". In einem Umweg über den konkreten aristotelischen Zeitbegriff gelangt er schließlich zum Bildprogramm des Mars Ultor-Tempels, in dem Augustus als Mittler zwischen Vergangenheit und Zukunft die Einheit von Mythos und Geschichte repräsentiert. Wie schon der Titel der Arbeit an Zankers Buch über Augustus und die Macht der Bilder angeglichen ist [3], so schließt Schmid mit der "Ikonographie des Forum Augustum". Schon im Zusammenhang mit dem Steinbock hatte er auf die "astrologische Bildverwendung" (3,3) oder generell auf das Horoskop als "Anschauungsform" (31,2) hingewiesen .

Fazit (393-397, hier: 395,-4): "Astrologie als mythische Operationalität im anti-mythischen Bereich erster 'wissenschaftlicher' Objektivierungen war das postrationale Pendant der postkonstitutionellen Aufgabe, die den Monarchen in einen Horizont anti-monarchischer Erfahrungen einzuschreiben hatte." Dieses Zitat verrät den unnötig komplizierten Stil. Der Ausdruck ist gespreizt, selbstgefällig und nicht selten salopp, vgl. etwa 395,10 "caeleste Konstellation", 397,12 "'omphalische' Sendung", 397,-3 "mythiko-rationales Symbol". Wenn man sogleich zu Beginn lesen muss,"dass die griechische Astrologie und die Geschichte ihrer Adaption (die in erheblichem Ausmaß Neukonstruktion war) der Bestandteil kultureller Mentalität gerade von Gesellschaften gewesen sein muss, die ein neues Verständnis 'kosmischer Struktur' als Gesellschaften entwickelt haben, welche zugleich (im griechischen wie im römischen Fall) in ihre definierend nicht-monarchische Polis-Struktur neue Monarchien zu adaptieren oder einzubauen hatten" (3,17),verspürt man angesichts des harten Zeugmas "in [...] zu adaptieren oder einzubauen" wenig Neigung weiterzulesen - umso weniger, als gleich im ersten griechischen Zitat (1 Anm. 2) [4] zwei Fehler passieren ("systhema" für suvsthma und "perieumenon" für periecomevnwn) und auch das erste lateinische Fußnoten-Zitat danebengeht (3 Anm. 11): Augustus, sive de convertenda in monarchiam res [statt richtig re] publica). [5] Im Übrigen folgen die Gedanken nicht selten sprunghaft aufeinander, es finden sich Wiederholungen, und die Fußnoten häufen teilweise heterogenes Material an.

Nur weniges ist dagegen sachlich einzuwenden. Bei der Betrachtung verschiedener "Tierkreise" (das heißt Jahrpunkte) beschränkt sich Schmid allzu sehr auf zwei Systeme (Appendix I), es gibt aber auch Quellen über die Jahrpunkte bei 15° (so einst Eudoxos) und 12°; Manilius (3,680-682) spricht nicht von zwei, sondern von drei verschiedenen Jahrpunkten und benutzt selbst - über die auf Seite 402 Anm. 15 genannten Stellen hinaus - das System B auch in Buch 5 bei der spekulativen Ansiedlung der Paranatellonten nach Teukros. Schmid ist allzu sehr bestrebt, das System B gegenüber dem "hipparchischen" abzuwerten; die von ihm selbst angeführten Stellen (400 Anm. 6), die sich noch vermehren ließen, zeigen die große Beliebtheit, die Jahrpunkte bei 8° anzusiedeln. In übrigen setzt das für die von Schmid übergangene astrologische Interpretation des Steinbocks (s. o.) kardinale System der 'sehenden' und 'hörenden' Zeichen Jahrpunkte bei 15° voraus. - Die größere Bedeutung des Herbstäquinokts gegenüber dem Frühlingsäquinokt hat ihren praktischen Grund auch darin, dass Hipparch an dem Hauptstern der Jungfrau (Spica), der ziemlich genau auf der Ekliptik liegt und damals auch in der Nähe des Himmelsäquators lag, die Präzession entdeckt hatte. - Trotz seiner kritischen Grundhaltung wagt Schmid spekulative Assoziationen wie das 'Löwen-Horoskop' für Aeneas' mythische Ankunft in Pallantium mittags am 12. August (357 f.: zugegebenermaßen "anachronistisch") oder den Vergleich Alexander - Augustus im Hinblick auf die Einnahme Alexandriens am 1. August unter dem Löwen (388 f., vgl. 210) - trotz der richtigen Erkenntnis, dass die flexiblen Deutungsstrategien der antiken Astrologen astrologischen Interpretationen Tor und Tür öffnen.

Im Einzelnen begegnen nur wenige sachliche Irrtümer: (24,1) im Georgica-Proömium solle Augustus "zwischen Chelae (Waage) und Erigone (Jungfrau)" Platz nehmen: Die Zangen sind aber ein Teil des übermäßigen Riesenskorpions, die dieser zurückziehen muss, damit Platz für die 'gerechte' Waage entsteht, Augustus soll sich also als Waage zwischen Skorpion und Jungfrau einordnen (wie Schmid in dem in Anm. 28 zitierten Aufsatz hätte lesen können) (53 Anm. 195). Es gibt doch eine rein astrologische Deutung des Steinbocks: In ihm laufen die Parallelen des Sehens in einem Punkt zusammen, sodass Augustus an sich selbst genug hat, gleichsam autark ist (Manil. 2,507-509), wie Schmid u. a. ebenfalls in einem von ihm zitierten Aufsatz von 2000 hätte lesen können. (190,-1) Der Lehrdichter Manilius wird allzu apodiktisch als "augusteisch" bezeichnet, wenn auch das Abrücken von der lange geltenden Spätdatierung unter Tiberius richtig ist. Infolgedessen berührt Schmid auch nicht die viel diskutierte Frage, inwieweit die Waage auf Tiberius zu beziehen ist (vgl. auch 254 Anm. 39). (200,2) In der Exposition zu Ciceros De re publica sind zwei 'Globus'-Typen zu unterscheiden: die Armillarsphäre (kirkwthv) und die sphaera solida (stereav). (228,-2) Sueton sagt in dem Zitat nichts von der Großen Bärin, sodass der Widerspruch zu Anm. 117, wo von der Kleinen Bärin die Rede ist, gemildert wird. (227,-1) Bökers Annahme, das pynegyrische Sternbild Caesaris thronus befinde sich in der Nähe des Solstitiums, entbehrt jeder Grundlage, Plinius sagt vielmehr, dass es von Italien aus unsichtbar sei, was eine südlichere Position voraussetzt. (287,4 und 407,12) Der Terminus ejpivkentro" ist mit "auf der Achse" unzutreffend übersetzt, er bedeutet "in einem Kentron (Kardinalpunkt) stehend". (320) Nicht der Tierkreis ist "in der Mitte des Sphären-mundus aufgehängt" (vgl. 399,8 und 407,-7), sondern die Erde (so richtig erst 322,-3). Die beigezogene Maniliusstelle passt nicht, drei Verse vorher heißt es vielmehr mit einem Lieblingsverbum des Dichters von dem mundus (Manil. 3,58): fata quoque et vitas hominum suspendit ab astris. (376 Anm. 76) Die Diskussion über die panegyrische Neubenennung von Monaten lässt die Tatsache unberücksichtigt, dass die Monate meist paarweise umgetauft wurden, weil erst zwei synodische Monate von ziemlich genau 29,5 Tagen eine ganze Zahl von 59 Tagen ergeben. [6]

Hinzu kommen handwerkliche Fehler: 53 Anm. 194 reget ist keine Lesart der Handschriften, sondern Konjektur, und der folgende Maniliustext ist mit falscher Stellenangabe (gemeint 1,384 f.) entstellt, er lautet richtig: uno vincuntur in astro, / Augusto, sidus qui contigit orbe. [7]

Im Ganzen eine in die verschiedensten Gebiete der antiken Kalenderrechnung und der griechischen Astronomie und Philosophie tief eindringende Arbeit. Etwas zu kurz kommen dagegen die Lehren der Astrologie wie die Eigenschaften der Tierkreiszeichen, die Dodekatropos oder die Katarchenhoroskopie. Als maßgebliches Tierkreiszeichen im Horoskop betrachtet Schmid einseitig dasjenige Zeichen, in dem die Sonne stand (symptomatisch 330,6 zum Horoskop des Tarutius Firmanus: nicht nur der Mond, sondern "wohl" auch die Sonne stand in der Waage). Man rechnete aber teilweise mit den ekliptikalen Graden des Aszendenten, und der Autor selbst operiert mit dem "Glückslos". Der Steinbock wird zu selbstverständlich als Tierkreiszeichen gewürdigt, er galt aber auch als ein nichtastrologisches Fruchtbarkeitssymbol. Im Übrigen werden seine astrologischen Qualitäten zu wenig in die Interpretation einbezogen: als Mischwesen von Ziege und Fisch sowie als Zeichen der extremen Ungleichheit von Tag und Nacht (zu Gunsten der Nacht) war er negativ besetzt. Die Berechnung des Augustus-Horoskops steht schließlich unter der Kautel, dass das Geburtsdatum im Jahre 63 v. Chr. tatsächlich erst nach der julianischen Reform des Jahres 46 v. Chr. zurückberechnet wurde.


Anmerkungen:

[1] Hierzu jetzt K. Frommhold: Bedeutung und Berechnung der Empfängnis in der antiken Astrologie, Diss. Münster 2004 (= Orbis antiquus; 38). Vgl. auch 201 f.

[2] Wenn er (36,-2) eine Monografie hierzu für wünschenswert hält, so wird es sie bald geben: S. Terio: Der Steinbock als Herrschaftszeichen des Augustus [Diss. Münster 2004]. (= Orbis antiquus).

[3] 204,11. 326,7. 364,9. Eine Brücke bildet das Zitat 378 Anm. 88 über den "kosmischen Charakter, den Raum und Zeit hier haben" (Zanker 195).

[4] Griechische Zitate stets in Transkription, in der etwa "ton" to;n oder tw'n bedeuten kann und das Iota subscriptum entweder zum adscriptum (21 Anm. 9): "physei kai nomoi [novmw/], oder meistens weggelassen wird: 245,-2 nomo [novmw/], ferner 49,-5 "heni semeio [shmeivw/]". 90 Anm. 131,4 "eph' hemere [hJmevrh/]. 129,8 "en mytho [muvqw/]". 325,6 to boulomeno [boulomevnw/]. Weiterhin stören gerade in einer Arbeit über die Antike Silbentrennungen gegen die Morphologie wie 7,-11 (u. ö.) Astrologie. 25 Anm. 34,-4 Horos-kop (dagegen richtig 27,-2 Horo-skop), 27,6 (vgl. 64,5) Problem, 31 Anm. 62,3 (und 391,11) Sys-tem, 201,9 Präg-nanz. 210 Anm. 43,2 (und 305,9, vgl. 389,5) Ale-xanders. 324,1 geozent-ri Schmid 393,-15 (vgl. 395,5) Mo-narchie. Im Französischen 343,9 cons-cience, im Deutschen 382,-3 Beo-bachtung. - Mag auch die neue Rechtschreibung "nummerieren" sanktionieren, so sollte das nicht auf (24 Anm. 30,6) "monniert" übertragen werden.

[5] Vgl. 7,3 more[s] maiorum: der Ablativ macht keinen Sinn. 334,-6 regnaque. 359,-3 voluerunt. 379 Anm. 69,1 verbindet falsch den Ablativ excelsa mit dem Nominativ gloria. Schon die Metrik erfordert: 374,6 igneus. 379 Anm. 69,3 foederibus. Ebenso hat 375,-5 "Nemäer" für Nemeaee einen Silbe zuwenig. Französisch: 407,2-4 "étant" und "inégaux".

[6] Wolfgang Hübner: Zur paarweisen Anordnung der Monate in Ovids Fasten, in: Ovid - Werk und Wirkung, Festgabe für Michael von Albrecht zum 65. Geburtstag, hrsg. v. W. Schubert, Frankfurt u. a. 1998, Teil II, 539-557.

[7] Zu berichtigen sind weitere falsche Stellenangaben (auch im Register falsch): 380,14: Ov. fast. 2,7. 384,21: Ov. fast. 4,179. Nicht eingelöster Verweis: 89 Anm. 128. Fettdruck ohne ersichtlichen Grund: 114 Anm. 107. Fehlerhafter Durchschuss 401,-2. Kursivierte Anmerkungsziffern 306,4. 330,2. 342,5. al.

Wolfgang Hübner