Rezension über:

Donald Sinnema / Christian Moser / Herman Selderhuis (eds.): Acta of the Synod of Dordt (= Acta et Documenta Synodi Nationalis Dordrechtanae (1618-1619); Vol. 1), Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2015, CVII + 539 S., ISBN 978-3-525-55078-6, EUR 175,00
Inhaltsverzeichnis dieses Buches
Buch im KVK suchen

Rezension von:
Luca Baschera
Universität Zürich
Redaktionelle Betreuung:
Sebastian Becker
Empfohlene Zitierweise:
Luca Baschera: Rezension von: Donald Sinnema / Christian Moser / Herman Selderhuis (eds.): Acta of the Synod of Dordt, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2015, in: sehepunkte 15 (2015), Nr. 6 [15.06.2015], URL: http://www.sehepunkte.de
/2015/06/25941.html


Bitte geben Sie beim Zitieren dieser Rezension die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Donald Sinnema / Christian Moser / Herman Selderhuis (eds.): Acta of the Synod of Dordt

Textgröße: A A A

Der vorliegende Band bildet den Auftakt eines ambitionierten Unternehmens: die historisch-kritische Edition aller auf der Synode von Dordrecht (1618/1619) verfassten oder mit dieser in Zusammenhang stehenden Dokumente. Während etwa für das Konzil von Trient längst eine umfassende Edition vorliegt, fehlte eine solche bislang für diejenige Versammlung, die mit Fug und Recht als das westeuropäische reformierte Pendant bezeichnet werden kann. Die Synode von Dordrecht war zwar in erster Linie eine niederländische Veranstaltung zur Klärung der dogmatischen Differenzen mit den sogenannten Remonstranten, gewann aber durch die Teilnahme ausländischer Delegationen übernationale Bedeutung und steckte den Rahmen ab, innerhalb dessen sich der orthodoxe reformierte Protestantismus im 17. Jahrhundert bewegte bzw. sich bewegen sollte.

Gemäß den editorischen Richtlinien (XXXIII-XXXVII) ist eine Publikation des gesammelten Materials in 9 Bänden geplant, die insgesamt 15 verschiedene Teile in sich aufnehmen. Diese Teile wiederum enthalten Abteilungen mit den edierten Dokumenten. Ein solcher Aufbau mutet zwar etwas scholastisch an, war aber wohl nötig, um der gattungsmäßigen Vielfalt der Quellen (Protokolle, Berichte, Entwürfe, Notizen, Schriften, Reden, Predigten, Briefe, Tagebücher etc.) Herr zu werden und um eine einigermaßen sinnvolle thematische Anordnung zu erreichen, die gleichzeitig auch die Chronologie nicht außer Acht lässt.

Der erste Editionsband enthält die eigentlichen "Acta" der Synode, d.h. die Sitzungsprotokolle und davon abgeleitete Dokumente. Bei den sogenannten "Acta Authentica" (1-187) handelt es sich um den offiziellen lateinischen Text der Sitzungsprotokolle, festgehalten durch Festus Hommius, Sekretär der Synode. Diese Version enthält auch die Verhandlungen der sogenannten "Post-Acta"-Sitzungen, die nach der Abreise der ausländischen Delegierten insbesondere zur Thematik der niederländischen Kirchenordnung abgehalten wurden. Die "Acta Authentica", deren Originalhandschrift in Utrecht liegt, sind bislang ungedruckt geblieben und werden in diesem Band zum ersten Mal veröffentlicht.

Gleichwohl sind die Verhandlungen und der Ablauf der Synode natürlich nicht unbekannt geblieben, war doch bereits 1620 in Leiden unter dem Titel "Acta Synodi Nationalis" eine Fassung im Druck erschienen, die von einer Kommission überarbeitet und von den Generalstaaten approbiert worden war. In dem Text waren jedoch nicht nur stilistische Änderungen vorgenommen worden, auch in den Textbestand wurde eingegriffen. Beispielsweise waren die Verhandlungen rund um die Lehrweise des Johannes Maccovius nicht aufgenommen, weil dies offenbar als "interne" Angelegenheit angesehen wurde, die nicht vor aller Augen ausgebreitet werden sollte. Diese Version von 1620 ist im vorliegenden Band als zweites Dokument ediert (189-336).

Zu den beiden Versionen der "Acta" gesellen sich die durch Sebastiaan Damman, Sekretär der Synode, abgefassten "Acta Contracta" (337-466), die das Geschehen in einer kompakteren und mehr thematisch orientierten Form festhalten. Sie werden ebenfalls zum ersten Mal überhaupt publiziert.

Neben den kirchlichen und universitären Delegierten wohnten auch insgesamt 18 Delegierte der Generalstaaten den Sitzungen der Synode bei. Sie rapportierten den Generalstaaten über die Entwicklungen und den Fortgang der Synodalgeschäfte und hielten auch separate Besprechungen ab. Die Protokolle dieser Sitzungen, in niederländischer Sprache festgehalten von Daniel Heinsius (473-518), zusammen mit der entsprechenden Instruktion (467-471), bilden den vierten Teil des nun vorliegenden ersten Bandes des Editionsprojekts.

Die in dem Band versammelten Protokolle und Akten sind durchweg sorgfältig ediert. Jedem Dokument wird ein Abschnitt mit den wichtigsten quellenkritischen Angaben wie Datierung, überlieferte Handschriften, Name des jeweiligen Editors und eine knappe Inhaltsangabe vorangestellt. Der sachkritische Kommentar ist knapp gehalten, insbesondere verklammern zahlreiche Querverweise die edierten Protokolle mit den Dokumenten, die in den Folgebänden zum Abdruck kommen werden. Personenerklärungen werden nicht als Anmerkungen, sondern zentral in einem detaillierten Namensregister (519-532) festgehalten. Zum Namensregister hinzu gesellen sich ein Bibelstellenregister (533) und ein Sachindex (535-539).

Ein umfangreicher Einleitungsteil vor den eigentlichen Editionen bietet kontextuelle Informationen entweder zur gesamten Editionsreihe oder aber zum vorliegenden Band. Dazu zählen eine allgemeine Übersicht über die Synode (Herman J. Selderhuis) mit unter anderem einer grafischen Darstellung der Sitzordnung, eine Präsentation des Editionskonzepts und der editorischen Richtlinien (Christian Moser), eine detaillierte Einleitung zu den verschiedenen Fassungen der "Acta" (Donald Sinnema) sowie eine Abhandlung über die separaten Sitzungen der Delegierten der Generalsstaaten und über deren Rolle an der Synode allgemein (Johanna Roelevink). Speziell hervorgehoben seien ferner die von Fred van Lieburg verfertigten Biogramme aller Teilnehmer der Synode, die sich für die weitere Forschung als äußerst nützliches Arbeitsinstrument erweisen werden.

Insgesamt kann festgehalten werden, dass der auch typografisch ansprechend gestaltete Band schon für sich die Forschung zur Synode von Dordrecht auf eine neue Grundlage stellt, insofern er den Text der Hauptquellen, nämlich der Protokolle, zum Teil erstmals ins Licht der Öffentlichkeit stellt und eine zuverlässige Dokumentation der Ereignisse und Entwicklung bereithält. Er dient aber gleichsam auch als Gerüst für die Folgebände, um die zahlreichen Dokumente (über 1000 an der Zahl) adäquat chronologisch-thematisch verorten zu können. Es bleibt dem Rezensenten nur, dem Projekt gutes Gelingen beim weiteren Fortgang dieses monumentalen Unterfangens zu wünschen.

Luca Baschera