Rezension über:

Marjolein 'T Hart: The Dutch Wars of Independence. Warfare and Commerce in the Netherlands, 1570-1680 (= Modern Wars in Perspective), London / New York: Routledge 2014, XIV + 233 S., 4 s/w Ktn., ISBN 978-0-582-20967-1, GBP 29,99
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Rezension von:
Johannes Arndt
Historisches Seminar, Westfälische Wilhelms-Universität, Münster
Redaktionelle Betreuung:
Matthias Schnettger
Empfohlene Zitierweise:
Johannes Arndt: Rezension von: Marjolein 'T Hart: The Dutch Wars of Independence. Warfare and Commerce in the Netherlands, 1570-1680, London / New York: Routledge 2014, in: sehepunkte 14 (2014), Nr. 11 [15.11.2014], URL: http://www.sehepunkte.de
/2014/11/25404.html


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Marjolein 'T Hart: The Dutch Wars of Independence

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Seit mehr als drei Jahrzehnten forscht Marjolein 't Hart zu Fragen der Staatswirtschafts- und Finanzpolitik der Niederlande. Die vorliegende Studie stellt die Frage in den Vordergrund, auf welche Weise die aufständischen Niederländer, die spätere Niederländische Republik, es geschafft haben, gleichzeitig ruinöse Kriege gegen Spanien, später gegen England und Frankreich zu führen und dabei eine kulturelle Großmacht zu sein. Es geht daher um Geld, um gewonnenes und verlorenes und auch um kreditiertes.

Das Buch gliedert sich in acht Kapitel, deren erstes einen politisch-militärischen Überblick über den Untersuchungszeitraum bietet. Das zweite Kapitel hat die Frage zum Gegenstand, wie die niederländische Republik es schaffte, eine gleichzeitig bezahlbare und effektive Streitmacht aufzustellen und über Jahrzehnte aufrecht zu erhalten. Im dritten Kapitel geht es um die Militärreformen unter Moritz von Oranien. Die Verfasserin betont, dass Drill und Disziplin im Vordergrund für den späteren Erfolg standen, denn Antikenrezeption gab es auch in anderen Ländern und Armeen. Das vierte Kapitel richtet den Blick auf die Stadtbevölkerung, die durch Befestigungsbaumaßnahmen und das Zusammenleben mit Garnisonen direkt in die Militäraktionen einbezogen wurde, auch wenn sie meistens keine Kampfhandlungen zu erdulden hatte. Allerdings floss von den hohen Kriegsausgaben der Republik auch viel Geld in die Garnisonsstädte zurück.

Die dunklen Seiten der langfristigen Kriegführung, insbesondere für die ländlichen Regionen, stehen im fünften Kapitel im Vordergrund. Die Verfasserin spricht vom Wohlstandstransfer aus der ländlichen Gesellschaft in die Städte. Es war normalerweise der Handel, der während und trotz des Krieges blühen konnte. Für die Agrarwirtschaft galt das in der Regel nicht oder weniger, denn das flache Land diente allen Kriegsparteien als Beute. Das sechste Kapitel untersucht Kosten und Nutzen der Seekriegführung, wobei 't Hart zum Ergebnis kommt, dass die Kosten dieses Kriegszweiges nicht so hoch waren wie bislang in der Forschung angenommen. Der Schutz des Seehandels durch Eskorten und die Bewaffnung von Handelsschiffen nützte vor allem regionalen Handelsgemeinschaften. Im siebten Kapitel weist 't Hart nach, dass die niederländische Art und Weise der Kriegsfinanzierung unter gleichzeitiger Effektivierung der Besteuerung und des Anleihewesens einzigartig im Europa der Zeit war und besonders die Provinz Holland begünstigte (obwohl sie den Hauptteil der Lastenquotierung zu tragen hatte). Das letzte Kapitel demonstriert die enge Verbundenheit zwischen Kriegführung und Ökonomie in der Republik, insbesondere im enorm profitablen Waffenhandel mit allen zahlungswilligen Partnern.

Marjolein 't Hart zeigt in ihrer sehr kenntnisreichen und stringenten Monographie auf, warum die Vereinigten Niederlande sowohl ein Finanz- und Handelszentrum als auch eine erstrangige Militärmacht waren. Die Republik konnte Großmächten Niederlagen beibringen, sowohl den Spaniern als auch in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts den Engländern. Angreifbar waren sie über ihren Frachthandel, dies konnten die Spanier nicht realisieren, die Briten später schon. Die Niederlande entwickelten sich allerdings auch zu einem Finanzzentrum, insbesondere die Provinz Holland. In dieser Hinsicht waren sie den Spaniern hoch überlegen. Dies betraf nicht nur die leichte und zinsgünstige Beschaffung von Geld, sondern auch die regelmäßige Bezahlung der eigenen Soldaten, was für die Anwerbung geeigneter Personen ebenso vorteilhaft war wie für die Sicherung der Disziplin. Daneben wurde die Republik ein Hochsteuerland: Ausländische Beobachter wunderten sich, zum Beispiel der Engländer Fynes Moryson im Jahr 1590, wie die Regierung es erreichte, dass die Untertanen klaglos die Steuerlasten schulterten, die sie zuvor dem spanischen König verweigert hatten (158). - Ein integriertes Personen-, Orts- und Sachregister rundet die Studie ab.

Johannes Arndt