Rezension über:

James M. Woods: A History of the Catholic Church in the American South, 1513-1900, Gainesville, FL: University Press of Florida 2011, XV + 498 S., ISBN 978-0-8130-3532-1, USD 69,95
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Rezension von:
John Andreas Fuchs
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Redaktionelle Betreuung:
Torsten Riotte
Empfohlene Zitierweise:
John Andreas Fuchs: Rezension von: James M. Woods: A History of the Catholic Church in the American South, 1513-1900, Gainesville, FL: University Press of Florida 2011, in: sehepunkte 13 (2013), Nr. 9 [15.09.2013], URL: http://www.sehepunkte.de
/2013/09/23174.html


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James M. Woods: A History of the Catholic Church in the American South, 1513-1900

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James M. Woods gelingt es mit A History of the Catholic Church in the American South, 1513-1900 in die Fußstapfen Father James Henneseys, S.J., zu treten. Was Hennesey mit American Catholics: A history of the Roman Catholic community in the United States 1981 für die Geschichte des Katholizismus in den USA getan hat, tut Woods für den Katholizismus des amerikanischen Südens. [1] Hierzu zählt er neben den ehemaligen konföderierten Staaten auch Maryland, Oklahoma, Kentucky, den District of Columbia und das während des Bürgerkriegs zur Union zurückgekehrte West Virginia (xiv). Was die Methodik und die Fülle an Daten, Namen und Ereignissen anbelangt, gleicht Woods Buch dem Henneseys. Von der ersten Messe auf dem Boden der 13 Kolonien, die später zu den USA werden sollten (107), über die erste katholische Kirche im Süden (3) bis zu den Namen und biografischen Details der relevanten Diözesanbischöfe, Priester und Missionare findet sich jedes für den Katholizismus des Südens wichtige Ereignis in Woods dichtem Werk. Die Menge an unbekannten Namen mag auf den ersten Blick für den Laien abschreckend wirken, dies wird aber durch Woods gut lesbaren, narrativen Stil, seine wiederholten Rückgriffe auf bereits Erwähntes sowie seine knappen Zusammenfassungen und Analysen am Ende eines jeden Kapitels abgemildert. Experten weist der Autor gleich zu Beginn darauf hin, dass sie enttäuscht werden könnten: "If scholars are hoping for something jarring or provocative in these pages, they might be disappointed. This book is primarily a synthesis [...]." (xiii) Allerdings besteht genau darin Woods Leistung: zum ersten Mal eine durchgängige Geschichte des Katholizismus in den Südstaaten von seinen Anfängen bis zum Jahr 1900 geschrieben zu haben. Selbst wenn er dabei nur auf Quelleneditionen und Sekundärwerke zurückgegriffen hat.

A History of the Catholic Church in the American South ist chronologisch aufgebaut und gliedert sich in drei Teile: "The Colonial Context, 1513-1763" widmet sich den spanischen Missionsbemühungen in Florida und Texas, den französischen in Louisiana und wirft einen Blick auf die Katholiken im Süden der englischen Kolonien. Woods schildert nicht nur den Machtkampf der europäischen Mächte, die die Mission auch als außenpolitisches Instrument betrachteten. So wollten z.B. die Spanier mit einer erfolgreichen Mission der Ureinwohner die französische Expansion in Nordamerika eindämmen. Er schildert auch detailliert die Interessenskonflikte zwischen Ordens- und Diözesangeistlichen, wie den zwischen den Jesuiten und Jean-Baptiste de la Croix de Chevrières de Saint-Vallier, dem Bischof von Quebec, der 1698 dem Priesterseminar von Quebec die Missionierung der Tamaroas übertrug. Eine Aufgabe, die zuvor, vom selben Bischof, den Jesuiten übertragen worden war, und die diese zunächst auch weiterhin gegen den Willen des Bischofs bis zum Eingreifen einer königlichen Kommission ausübten (78). Ebenso finden sich bei Woods Hinweise auf Wunder und Wunderglauben während der frühen Mission, wie die "Lady in Blue", die den Jumanos in West-Texas erschienen war und bei der es sich um Sr. María de Jesús de Ágreda gehandelt haben soll. Sr. María berichtete selbst, dass ihr Geist mehrmals in das nördliche Neuspanien gebracht worden sei, wo sie den Ureinwohnern von Jesus und der Mutter Gottes sowie der Notwendigkeit der Taufe erzählt habe, während sie körperlich in ihrem Konvent in Ágreda in Spanien blieb (32f.). Der 1673 begonnene Seligsprechungsprozess Sr. Marías ist bis heute nicht abgeschlossen.

Im zweiten Teil, "American Republicanism and European Decline, 1763-1845", steht vor allem die einflussreiche katholische Familie Carroll aus Maryland, die neben Charles Carroll, dem einzigen katholischen Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung (144), Daniel Carroll, dem ersten katholischen Mitglied des Repräsentantenhauses (160), auch John Carroll hervorbrachte, der 1789 von Papst Pius VI. zum Bischof der Diözese Baltimore, und somit zum ersten Bischof der Vereinigten Staaten, geweiht wurde. Am Beispiel der Familie Carroll zeigt Woods nicht nur die Bedeutung Marylands für den Katholizismus im Süden, sondern auch, dass die Katholiken als Minderheit durchaus die Geschichte der USA mitprägten. Dies hatte allerdings auch Einfluss auf den Katholizismus selbst. Besonders Bischof John Carroll, der 1808 zum Erzbischof erhoben wurde, formte eine amerikanisch-katholische Identität, die den Spagat zwischen der Treue zu Rom und dem jungen amerikanischen Selbstverständnis als frei vom alten Europa versuchte. Er gründete mit dem Saint Mary's Seminary in Baltimore nicht nur das erste katholische Priesterseminar in den USA (165), sondern mit einem kleinen katholischen College auch die spätere Georgetown University (164). Die Fragen nach der eigenen Identität zeigten sich besonders im Süden: Während sich die USA mehr und mehr über den nordamerikanischen Kontinent ausdehnten, fanden sich die Katholiken in den ehemals spanischen und französischen Gebieten als Minderheit unter einer wachsenden Anzahl von Protestanten. Die größte Veränderung brachte das Jahr 1845, so Woods: Mit der Annexion von Texas hatte der Süden seine endgültige Gestalt angenommen und bestand nun aus 13 Staaten und die wachsende Anzahl irischer Immigranten sollte das Gesicht des amerikanischen Katholizismus verändern. War er bisher eher südlich und ländlich, mit Baltimore als einziger Erzdiözese, geprägt gewesen, sollte sich sein Zentrum nun in die großen Städte des Nordens, besonders New York, verlagern (252).

"Resistance, Rebellion, Reconstruction and Regionalism, 1845-1900" behandelt abschließend die Rolle des Katholizismus in der Sklavenfrage, der Frage der Sezession, im Verlauf des Bürgerkrieges und der Reconstruction sowie deren tiefgreifende Veränderungen auf die Gesellschaft im Süden. Auch wenn der Rezensent in dieser Hinsicht bereits wie Cato der Ältere klingt, muss darauf hingewiesen werden, dass besonders für die unter den Katholiken geführte Debatte um die Sklaverei die Rezeption deutscher Historiker jenseits des Atlantiks angebracht wäre. Woods lässt hierzu Michael Hochgeschwenders Wahrheit, Einheit, Ordnung. Die Sklavenfrage und der amerikanische Katholizismus 1835-1870 unberücksichtigt. [2] Nichtsdestotrotz schildert er eindrücklich die Rolle der Katholiken bei den gesellschaftlichen Umwälzungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Verwandlung irisch katholischer Einwanderer von unwillkommenen Fremden zu überzeugten Konföderierten analysiert er ebenso wie den Anti-Katholizismus der Know-Nothing-Party vor und den der Republikaner nach dem Bürgerkrieg. Eine besondere Rolle spielt auch die regionale Identität der einzelnen Diözesen im Süden. Diese eigene Identität sollte sich auch auf dem Ersten Vatikanischen Konzil zeigen, wo Bischöfe aus dem Süden nicht nur größeren Wert auf Bibelzitate legten (303), eine eher protestantische Eigenschaft, sondern Bischof Edward Fitzgerald aus Little Rock, Arkansas, gegen das Unfehlbarkeitsdogma votierte (296).

Es zeigte sich nach dem Bürgerkrieg generell eine wachsende Spannung zwischen Rom und den amerikanischen Katholiken. Diese äußerte sich besonders in der "Amerikanismus Debatte". Der "Amerikanismus" besagte, dass die Freiheitsliebe Amerikas sowie die Trennung von Staat und Kirche etwas Gutes seien. Die Kirche solle sich den amerikanischen Geist der Religionsfreiheit und den amerikanischen Katholizismus zum Vorbild nehmen. Stärkster Verfechter dieser These war Erzbischof John Ireland (St. Paul), viele seiner Unterstützer kamen aus dem Süden, wie die Bischöfe Gibbons, Keane und Spalding (331f.). Kritik daran wurde zuerst in den Vereinigten Staaten selbst laut, wo deutschstämmige Katholiken und andere Immigrantengruppen die Vorherrschaft der Iren in der katholischen Kirche der USA ablehnten und sie als die "One, Holy, Irish, and Apostolic [Church]" verspotteten (332).

A History of the Catholic Church in the American South, 1513-1900 schließt eine Lücke in der Geschichtswissenschaft. James Woods gelingt es, den eigenen Charakter dieser von verschiedenen Immigranten geformten Kirche und den ständigen Kampf zwischen religiöser, regionaler und nationaler Identität einzufangen. Das Überblickswerk über 400 Jahre Katholizismus im Süden der USA ist nicht nur für Laien zum Einstieg und Experten zum Nachlesen uneingeschränkt empfehlenswert, sondern bietet auch zahlreiche Anknüpfungspunkte für künftige Analysen der Besonderheit des "Südstaaten Katholizismus".


Anmerkungen:

[1] Fr. James Hennesey, S.J.: American Catholics: A history of the Roman Catholic community in the United States, Oxford 1981.

[2] Michael Hochgeschwender: Wahrheit, Einheit, Ordnung. Die Sklavenfrage und der amerikanische Katholizismus 1835-1870, Paderborn 2006.

John Andreas Fuchs