Rezension über:

Bernhard Fuchs: Die Städte und Märkte der nördlichen Oberpfalz unter Kaiser Karl IV. (= Regensburger Beiträge zur Regionalgeschichte; Bd. 16), Regensburg: Edition Vulpes 2012, 122 S., ISBN 978-3-939112-67-9, EUR 16,00
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Rezension von:
Doris Bulach
Historisches Seminar, Ludwig-Maximilians-Universität, München
Redaktionelle Betreuung:
Martina Giese
Empfohlene Zitierweise:
Doris Bulach: Rezension von: Bernhard Fuchs: Die Städte und Märkte der nördlichen Oberpfalz unter Kaiser Karl IV., Regensburg: Edition Vulpes 2012, in: sehepunkte 13 (2013), Nr. 9 [15.09.2013], URL: http://www.sehepunkte.de
/2013/09/22916.html


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Bernhard Fuchs: Die Städte und Märkte der nördlichen Oberpfalz unter Kaiser Karl IV.

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Der bayerisch-böhmische Grenzraum wurde in der historischen Forschung lange Zeit vor allem in nationalgeschichtlich verengter Perspektive untersucht. Dies änderte sich erst Ende der 90er Jahre und zusätzlich mit dem EU-Beitritt Tschechiens, wie zuletzt der internationale Sammelband zu "Bayern und Böhmen" anschaulich zeigt, in dem auch das Thema "Bayern und die Oberpfalz in der Politik Karls IV." eindrücklich ausgeleuchtet wird. [1]

In diesen veränderten Forschungskontext lässt sich die Untersuchung von Fuchs einordnen, eine an der Universität Regensburg entstandene Magisterarbeit. Fuchs, der bewusst innerhalb seiner Arbeit politische und (früh-)neuzeitliche Bezeichnungen wie "Oberpfalz" und "Neuböhmen" zugunsten von Quellenbegriffen vermeidet, fokussiert darin die Städtepolitik Karls IV. verbunden mit der "Analyse der komplexen politischen Zielsetzung des Königs" (14), die dieser bei seiner Politik verfolgte.

Nur ein kleiner Teil des im Mittelalter als "Nordgau" bezeichneten geographischen Gebietes wird von Fuchs dabei näher untersucht, der Teil nämlich, der im Hausvertrag von Pavia 1329 an die wittelsbachische Linie der Pfalzgrafen bei Rhein und von diesen nach 1349 schrittweise an den Luxemburger Karl IV. gelangte, ergänzt um kleinere Besitzungen angrenzender weltlicher und geistlicher Herrschaftsträger (Leuchtenberger, Kloster Waldsassen, Hochstift Bamberg). Angrenzende, zum Vergleich geeignete Regionen wie die 1329 an die bayerischen Wittelsbacher gefallenen Gebiete des Nordgaus oder Stadt und Land Eger, seit 1322 dauerhaft im Pfandbesitz des böhmischen Königs, bezieht Fuchs nicht mit ein.

Die Monographie, die sich vor allem auf die 50er-70er Jahre des 14. Jahrhunderts konzentriert, ist in fünf größere Abschnitte gegliedert. In einem ersten steht der "Stand des Urbanisierungsprozesses" beim Regierungsantritt Karls IV. als römisch-deutscher König im Vordergrund. Hier werden die entsprechenden Städte und Märkte in sehr kurzen Artikeln in ihrer Entwicklung vorgestellt, leider ohne eine Überblickskarte. Im zweiten und dritten stehen die Erwerbungspolitik Karls und verschiedene Maßnahmen zur Förderung der Städte und Märkte im Mittelpunkt, gefolgt von einem kurzen Exkurs zu denjenigen anderer Herrschaftsträger in der Region, wie den Leuchtenbergern oder den Nürnberger Burggrafen. Den Ausklang bildet die "Interessensverlagerung" des Kaisers weg vom Nordgau zugunsten des Besitzes der Mark Brandenburg. Diese Verlagerung erfolgte unter Verpfändung und damit wieder Verlust des südlichen Teils der eben erst erworbenen Besitzungen auf dem Nordgau, die nun dauerhaft bei den Wittelsbachern verblieben. Abgerundet und erschließbar wird der Band durch ein Personen- und Ortsregister.

Alle seine Schritte unternimmt Fuchs entlang der bekannten Literatur, teils unter Zuhilfenahme ausgewählter Regestenwerke, hin und wieder einer im Druck vorliegenden Urkunde und von fünf Archivalien. Eine intensive Auswertung und Analyse der Quellen erfolgt kaum, da Fuchs sich ganz auf die Beschreibung des Ablaufs der Ereignisse konzentriert. Ein systematischer und zudem vergleichender Zugriff wäre hier zielführender gewesen. So beschreibt Fuchs zwar verschiedene Fördermaßnahmen für einzelne Städte, aber es bleibt offen, ob und wie genau sich diese von der früheren Förderung der Städte durch die Wittelsbacher unterschieden, einer Förderung, an die Karl offensichtlich anknüpfte.

Irritierend wirkt auch, dass Fuchs gelegentlich eine Art Generalplan in der Politik Karls IV. unterstellt und teilweise auch dessen persönliche Überlegungen schildern zu können glaubt: Der Kaiser ließ Ziele "nicht außer Acht" (37), er "erachtete es [...] als wichtig", "seine Bemühungen zielten [...] darauf ab" (44), ihm war "bewusst" (45), er agierte "zielorientiert" (41), "wusste [...] um Vorteile" (93).

Abgesehen von diesen nicht mehr zeitgemäßen Ausflügen in die Deutung von "Intentionen" eines mittelalterlichen Herrschers bietet die Studie einen soliden Überblick über die städtepolitischen Maßnahmen Karls IV. im Untersuchungsgebiet. Sie leistet damit einen willkommenen Beitrag zur Entnationalisierung der mittelalterlichen Geschichte dieser Grenzregion.


Anmerkung:

[1] Lenka Bobková: Bayern und die Oberpfalz in der Politik Karls IV, in: Robert Luft / Ludwig Eiber (Hgg.): Bayern und Böhmen. Kontakt, Konflikt, Kultur. Vorträge der Tagung des Hauses der Bayerischen Geschichte und des Collegium Carolinum, München 2007, 35-57.

Doris Bulach