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Nils Freytag: Mehrfachbesprechung: Doris Gerber: Analytische Metaphysik der Geschichte. Handlungen, Geschichten und ihre Erkl√§rung, Frankfurt/M. 2012. Einführung, in: sehepunkte 13 (2013), Nr. 6 [15.06.2013], URL: http://www.sehepunkte.de
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Mehrfachbesprechung: Doris Gerber: Analytische Metaphysik der Geschichte. Handlungen, Geschichten und ihre Erklärung, Frankfurt/M. 2012

Einführung

Von Nils Freytag

Erkenntnistheoretische Grundlagendebatten zur Begriffsbildung unseres Faches sucht man augenblicklich nahezu vergeblich. Das Buch der Geschichtsphilosophin Doris Gerber, mit dem sie sich in T√ľbingen habilitiert hat, ist daher willkommen. Gerber ist Privatdozentin am Philosophischen Seminar der Eberhard Karls Universit√§t T√ľbingen und vertritt zur Zeit die Professur f√ľr Praktische Philosophie an der Universit√§t Bielefeld. Neben Philosophie und P√§dagogik hat sie Neuere Geschichte, insbesondere Zeitgeschichte, studiert und ist daher f√ľr den in der j√ľngeren Vergangenheit vernachl√§ssigten Br√ľckenschlag zwischen den F√§chern Geschichte und Philosophie besonders geeignet. So ist sie bereits vor einigen Jahren mit einem in Geschichte und Gesellschaft erschienenen Beitrag √ľber das Verh√§ltnis von Geschichte und Zeit hervorgetreten. [1]

In dem hier besprochenen Buch widmet sich Gerber der metaphysischen Frage, was "Geschichte" eigentlich ist. Sie geht dabei von Erkl√§rungen als Kern der Geschichtswissenschaft aus und fragt danach, ob die Intentionalit√§t von Handlungen unverzichtbar ist, um "Geschichte" oder √ľberhaupt eine Geschichte zu erkl√§ren. Eine neuerliche Diskussion um "Geschichte" und ihre Grundlagen ist auch deshalb besonders w√ľnschenswert, weil in und gegen√ľber einer offenkundig geschichtsinteressierten √Ėffentlichkeit - insbesondere mit filmischen Mitteln - der Eindruck erzeugt wird, "Geschichte" lie√üe sich auf etwas Wahres, etwas Objektives reduzieren, dem man sich mit Hilfe gr√∂√ütm√∂glicher Authentizit√§t n√§hern k√∂nne. Einer der Rezensenten dieses FORUMS spricht in diesem Zusammenhang von einem zunehmend zu beobachtenden "hemds√§rmeligen" Pragmatismus und einem "wenig reflektierten neuen 'Realismus'". Die Urteile der Rezensentin und der drei Rezensenten √ľber die anregende Studie Gerbers fallen sehr unterschiedlich aus. Allein schon deshalb sind die Besprechungen ebenso wie das Buch lesenswert. Hinzu kommt: Nach der Lekt√ľre dieses FORUMS wird man ein versehentlich umgeworfenes Glas Rotwein gewiss ganz anders wahrnehmen.

Anmerkung:

[1] Doris Gerber: Was heißt Vergangene Zukunft? Über die zeitliche Dimension der Geschichte und die geschichtliche Dimension der Zeit, in: Geschichte und Gesellschaft 32 (2006), 176-200.

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