Rezension über:

Adam Szweda: Organizacja i technika dyplomacji polskiej w stosunkach z zakonem krzyżackim w Prusach w latach 1386-1454, Toruń: Wydawnictwo Uniwersytetu Mikołaja Kopernika 2009, 466 S., ISBN 978-83-231-2379-8
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Rezension von:
Maike Sach
Historisches Seminar, Johannes Gutenberg-Universität, Mainz
Redaktionelle Betreuung:
Christoph Schutte
Empfohlene Zitierweise:
Maike Sach: Rezension von: Adam Szweda: Organizacja i technika dyplomacji polskiej w stosunkach z zakonem krzyżackim w Prusach w latach 1386-1454, Toruń: Wydawnictwo Uniwersytetu Mikołaja Kopernika 2009, in: sehepunkte 12 (2012), Nr. 1 [15.01.2012], URL: http://www.sehepunkte.de
/2012/01/21126.html


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Diese Rezension erscheint auch in der Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung.

Adam Szweda: Organizacja i technika dyplomacji polskiej w stosunkach z zakonem krzyżackim w Prusach w latach 1386-1454

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Lange Zeit stand in der Historiografie zur europäischen Diplomatiegeschichte in Mittelalter und Früher Neuzeit die Erforschung internationaler Beziehungen und Kontakte im größeren Rahmen der Politikgeschichte im Vordergrund. Weniger Aufmerksamkeit zogen Fragen rund um die konkrete Realisierung diplomatischer Aktionen auf sich, auch wenn unter anderem institutionengeschichtliche Fragestellungen schon früh zu einer Beschäftigung mit der Organisation des Gesandtschaftswesens, so zum Beispiel mit der Einrichtung ständiger Gesandtschaften an wichtigen europäischen Höfen, führten. Im Verlauf der letzten beiden Jahrzehnte rückten zusehends auch Fragen nach Verfahren und Kommunikationsprozessen in den Blickpunkt der Forschung, die in einer ganzen Reihe von Einzelstudien das Verständnis für das Funktionieren spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Diplomatie an verschiedenen europäischen Höfen erheblich vertieft hat.

Gegenstand der hier anzuzeigenden Habilitationsschrift von Adam Szweda, die an der Nikolaus-Kopernikus-Universität in Thorn entstanden ist, sind die diplomatischen Beziehungen zwischen dem Deutschen Orden und Polen im Zeitraum von der polnisch-litauischen Union von 1386 bis zum Ausbruch des Dreizehnjährigen Krieges zwischen beiden Parteien im Jahre 1454. An ihrem Beispiel möchte der Verfasser die Verfahren und Mechanismen im diplomatischen Verkehr des spätmittelalterlichen Polen eingehender herausarbeiten. Das Untersuchungsobjekt ist für die Frage nach dem konkreten Funktionieren von Diplomatie gut gewählt, stellt sich die Quellenlage doch vergleichsweise gut da: Neben der reichen Überlieferung des Deutschen Ordens, die im Geheimen Staatsarchiv in Berlin-Dahlem verwahrt wird, konnte der Verfasser auf Material aus Archiven und Bibliotheken aus Danzig, Thorn, Krakau, Płock und Warschau zurückgreifen, neben Akten- und Urkundeneditionen nutzte Szweda auch narrative Quellen. Insgesamt bemerkt der Verfasser eine asymmetrische Überlieferungsdichte; so haben sich in polnischen Archiven relevante Materialien in geringerem Maße erhalten.

Der Verfasser ist überaus systematisch an die Bearbeitung seines Themas herangegangen: So unterzieht er in einem ersten Hauptteil zunächst die einzelnen Akteure beziehungsweise Akteursgruppen einer genaueren Untersuchung. Er fragt nach der Rolle der jeweiligen polnischen Könige, Ratsmitglieder sowie verschiedenen Würdenträger, deren Tätigkeit sich in den diplomatischen Beziehungen zwischen dem Deutschen Orden und Polen nachweisen lässt. Er versucht dabei Veränderungen, die sich aus den Entwicklungen in einzelnen Ämtern und Funktionen im Untersuchungszeitraum ergaben, knapp zu skizzieren, aber auch individuelle Handlungsspielräume aufzuzeigen. Aufmerksamkeit schenkt Szweda auch der Frage nach der jeweiligen Qualifikation, die Gesandte oder andere mit unterschiedlichen diplomatischen Aufgaben betraute Personen für die Durchführung ihrer jeweiligen Mission vorzuweisen hatten.

Nachfolgend analysiert Szweda verschiedene Typen von Dokumenten, die sich im Rahmen diplomatischer Kontakte seit dem Mittelalter entwickelt haben, wie Kredenz- und Geleitbriefe, Instruktionen und andere Schriftstücke, die der inhaltlichen Vorbereitung von Verhandlungen dienten. Viel Raum wird der Korrespondenz gewidmet, die, was die polnische Seite betrifft, differenziert nach Ausstellern betrachtet wird. Die einzelnen Dokumentengattungen werden vom Verfasser nach folgendem Schema untersucht: Nach einer einleitenden Skizze der Entwicklung der jeweiligen Gattung in der Diplomatie der übrigen europäischen Höfe wird der Brauch nachgezeichnet, der sich allgemein für den polnischen Hof und speziell in den Beziehungen zum Deutschen Orden aufgrund des erhaltenen Quellenmaterials nachzeichnen lässt. Besondere Aufmerksamkeit hat der Verfasser dabei den unterschiedlichen Zwecken, die mit der Ausstellung dieser Schriftstücke jeweils verbunden waren, sowie ihrem konkreten Funktionieren gewidmet.

Im dritten Hauptteil der Untersuchung stehen verschiedene Anlässe im Fokus, bei denen es zu direkten Kontakten und persönlicher Kommunikation kommen konnte. Szweda diskutiert in diesem Abschnitt sehr unterschiedliche Kommunikationssituationen: Er behandelt einfache Verhandlungen, Gesandtschaften und Tagfahrten, aber auch die Umstände von Audienzen, von Kriegserklärungen sowie der Beendigung von kriegerischen Auseinandersetzungen. Sein Augenmerk ist dabei vor allem auf Fragen der Organisation und praktischen Durchführung gerichtet, die beispielsweise auch das Sprachproblem berühren.

Dem Verfasser gelingt es zu zeigen, dass die Instrumente, derer sich die polnische Diplomatie im Spätmittelalter bedienen konnte, nicht streng normiert waren und gerade dadurch flexibles, situationsadäquates Handeln ermöglichten. Als Personal stand dem polnischen König eine ganze Reihe erfahrener Persönlichkeiten zur Verfügung, die den Deutschen Orden und seine Vertreter aus verschiedenen Kontexten kannten. Sofern es die Überlieferung zulässt, streift Szweda neben Praktiken der königlichen Kanzlei auch die litauischen Verhältnisse. Durch steten Vergleich mit den zeitgenössischen Verhältnissen im westlichen Europa arbeitet er heraus, dass sich die diplomatischen Verfahren, die sich im Umfeld des polnischen Königshofes herausgebildet hatten, im Wesentlichen den allgemeinen europäischen Mustern diplomatischer Praxis entsprachen. Dies sei, wie einleuchtend dargelegt wird, auch dem Herkunftsmilieu der Diplomaten auf beiden Seiten, seiner spezifischen höfisch-adligen Kultur sowie einem gemeinsamen Repertoire an Normen und Ritualen geschuldet. Der Verfasser hat mit seiner detailreichen Studie, der viele Leser zu wünschen sind, ein facettenreiches Bild von diplomatischen Praktiken im spätmittelalterlichen Europa gezeichnet.

Neben dem üblichen Quellen- und Literaturverzeichnis sowie dem die Arbeit weiter erschließenden Personenindex hat Szweda zwei zusätzliche, nützliche Anhänge angefügt: Dort führt er sämtliche Gesandtschaften und Tagfahrten auf, die zwischen dem Deutschen Orden und polnischen Partnern im Untersuchungszeitraum ausgetauscht bzw. organisiert wurden und sich aus der chronikalischen Überlieferung und dem erhaltenen Aktenmaterial rekonstruieren ließen.

Maike Sach