Rezension über:

Markus Trunk: Los capiteles del foro de Segóbriga. Evaluación tipológica y estilística, Cuenca: Consorcio del Parque Arqueológico de Segobriga 2008, 46 S., ISBN 978-84-612-6372-1
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Rezension von:
Sven Ahrens
Institut für Archäologie, Kunstgeschichte und Konservation, Universität Oslo
Redaktionelle Betreuung:
Sabine Panzram
Empfohlene Zitierweise:
Sven Ahrens: Rezension von: Markus Trunk: Los capiteles del foro de Segóbriga. Evaluación tipológica y estilística, Cuenca: Consorcio del Parque Arqueológico de Segobriga 2008, in: sehepunkte 11 (2011), Nr. 9 [15.09.2011], URL: http://www.sehepunkte.de
/2011/09/19808.html


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Markus Trunk: Los capiteles del foro de Segóbriga

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Seit 2008 gibt der Parque Arquéologico de Segóbriga eine Publikationsreihe heraus, die Serie Minor, von der bislang sechs Bände erschienen sind. [1] Als zweiter Band der Reihe ist 2008 "Los capiteles del foro de Segóbriga" von Markus Trunk herausgegeben worden, mit welchem Trunk seine langjährige Arbeit an der Bauornamentik Segóbrigas fortsetzt. [2] Der spanische Text umfasst 46 Seiten (etwa 15 Seiten reiner Text, über drei Seiten Bibliographie, etwa 17 Seiten Abbildungen). Der Band ist als erweiterter Katalog aufgemacht und präsentiert neben korinthischen und ionisierenden Kapitellen auch Beispiele für die Ornamentik von Säulenbasen und Gebälken. Die Katalogangaben beinhalten die Höhe und gegebenenfalls Literaturangaben. Weitere Größenangaben sind im Text gegeben. Hier wäre es sicherlich der Übersichtlichkeit zuträglich gewesen, wenn die Höhe aller Stücke im Zusammenhang mit der Katalognummer genannt worden wäre. Mit Ausnahme der ionisierenden Kapitelle Nr. 18-21 sind alle thematisierten Stücke als Fotografie abgebildet. Bei wenigen Abbildungen hätte sich etwas mehr Sorgfalt bei der Beleuchtung gelohnt (Abb. 9. 16). Sehr nützlich ist ein Übersichtsplan über das Forum und seine Bauten, in dem der Fundort aller Stücke verzeichnet ist (Abb. 3). Informationen zum Forum und zur Basilika sind sehr knapp auf den Seiten 9-10 gegeben. Der Wert der Publikation liegt vor allem in den ausführlichen Diskussionen hinsichtlich der Datierung der Stücke.

Zahlreiche Publikationen der letzten drei Jahrzehnte belegen ein enormes Interesse an der Erforschung der Architekturdekoration der römischen Kaiserzeit in Spanien. Umfangreiche Materialvorlagen der 80ger und 90ger Jahre haben die Grundlage geschaffen, auf welcher die spätere Forschung aufbauen konnte. [3] Henner von Hesberg hat 1990 der Entwicklung von Methoden zur Datierung provinzieller Bauornamentik der Iberischen Halbinsel wichtige Impulse gegeben, indem er feststellte, dass frühere Spätdatierungen anhand der spätesten stilistischen Formen oftmals fehlerhaft waren, da provinzielle Vereinfachungen stadtrömischer Prototypen als spätere Stilstufen interpretiert worden waren. [4] Markus Trunk machte 1998 mit seinem Artikel zur Bauornamentik des Theaters in Segóbriga darauf aufmerksam, dass neue stilistische und typologische Entwicklungen in Rom nicht zwingend von provinziellen Werkstätten aufgegriffen worden sind. [5] Aufgrund verschiedener Voraussetzungen wie z. B. Material, Herkunft der Bauhütten, ökonomische Bedingungen, kann provinzielle Bauornamentik z. T. erheblich von gleichzeitiger stadtrömischer abweichen. Die methodischen Ansätze, welche mit wenigen anderen von von Hesberg und Trunk [6] in den 90ger Jahren entwickelt wurden, sind heutzutage integraler Teil von Untersuchungen zur römischen Bauornamentik auf der Iberischen Halbinsel.

Die von Trunk zu erwartende methodische Sorgfalt bei der Auswahl und Bewertung von Vergleichsmaterial prägt auch die vorliegende Untersuchung. Als Hintergrund werden die chronologischen Entwicklungen in Italien - vor allem in Rom -, aber auch in Gallien gegeben. Die eigentlichen datierenden Vergleiche werden dann allerdings mit Stücken von der Iberischen Halbinsel durchgeführt. Hierbei wird - wie auch in früheren Arbeiten -, die mögliche verzögerte Übernahme oder wesentlich längere Laufzeit von Ornamenten in der Provinz diskutiert. Bei der Datierung der korinthischen Kapitelle der unteren Säulenreihen der Basilika kommt der Verfasser allerdings zu dem Schluss, dass die Stücke aus der Entstehungszeit der Basilika aus dem Zeitraum 20-10 v. Chr. stammen dürften und damit stadtrömische Ornamentik früher als die meisten der engen Parallelen der Tarraconnensis aufgreifen. Die Datierung wirkt umso überzeugender, da der Verfasser sich zudem auf die Ausgrabungsergebnisse stützen kann. Eine Gruppe vierseitiger ionisierender Kapitelle eines seltenen Typs - der Kannalis ist unter dem Eierstab hindurch gezogen und die Seiten sind mit S-Voluten dekoriert - stammen von den Säulen der oberen Etage der Basilika und sind ebenfalls zeitgleich mit der ersten Bauphase der Basilika. Die Untersuchung belegt des Weiteren den besonderen Wert der Bauornamentik zur Datierung verschiedener Bauphasen. Eine weitere Gruppe Kapitelle datiert der Verfasser zu recht in die julisch-claudische und flavische Zeit und kann damit eine spätere Bauphase auf dem Forum feststellen (35-40).

Das vorliegende Heft ist eine grundlegende Materialvorlage und liefert mit der sorgfältigen Datierungsmethode und der überzeugenden Frühdatierung der Kapitelle der Basilika einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der römischen Bauornamentik auf der Iberischen Halbinsel.


Anmerkungen:

[1] Siehe neben dem zu besprechenden Buch die weiteren Titel in diesem Forum.

[2] Siehe auch: Markus Trunk: Zur Bauornamentik des römischen Theaters von Segóbriga, MM 39, 1998, 151-175; ders.: Die korinthischen Kapitelle des Forums von Segobriga: Neufunde der Kampagnen 2001-2002, in: Sebastίan R. Ramallo Asensio: La Decoración arquitectónica en las ciudades romanas de Occidente. Actas del Congreso Internacional Cartagena 2003 (Murcia 2004), 250-256; ders.: Die korinthischen Kapitelle des Apsidenbaus am Forum von Segobriga, MM 43, 2002, 162-167; ders.: Neufunde römischer Architekturdekoration in Segobriga (Provinz Cuenca), in: Peter Noelke et al. (Hgg.): Romanisation und Resistenz. Akten des VII. Internationalen Colloquiums über Probleme des provinzialrömischen Kunstschaffens, Köln 2001 (Mainz 2003), 647-650.

[3] José Luis de la Barrera Antón: Los capiteles romanos de Mérida Badajoz 1984; Arturo Dίaz Martos, Capiteles corintios romanos de Hispania. Estudio, catalogo (Madrid 1985); M. Ángeles Gutiérrez Behemerid: Capiteles romanos de la Penίnsula Ibérica, Valladolid 1992; Carlos Márquez: Capiteles romanos de Corduba Colonia Patricia (Córdoba 1993); ders.: La decoración arquitectónica de Colonia Patricia. Una aproximación a la arquitectura y urbanismo de la Córdoba romana (Córdoba 1998).

[4] Henner von Hesberg: Bauornament als kulturelle Leitform, in: Walter Trillmich / Paul Zanker (Hgg.): Stadtbild und Ideologie. Die Monumentalisierung hispanischer Städte zwischen Republik und Kaiserzeit; Kolloquium in Madrid 1987 (München 1990), 341-364. Besonders 360-361.

[5] Markus Trunk: Zur Bauornamentik des römischen Theaters von Segóbriga, MM 39, 1998, 155.

[6] Z.B.: P. Pensabene, Classi sociali e programmi decorativi nelle provincie occidentali, in: X. Dupré i Raventós (ed.): XIV Congreso Internacional de Arqueología Clásica: La ciudad en el mundo romano, Tarragona 1993 (Tarragona 1994), 293-321. Vgl. auch der frühe Beitrag zur verspäteten Übernahme von stadtrömischen Vorbildern: A. T. Fear: Rome and Baetica (Oxford 1996), 176-177.

Sven Ahrens