Rezension über:

Elizabeth Shown Mills: Evidence Explained. Citing History Sources from Artifact to Cyberspace, Baltimore, MD: Genealogical Publishing Company 2007, 885 S., ISBN 978-0-8063-1781-6, USD 49,95
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Rezension von:
Andreas Fahrmeir
Historisches Seminar, Goethe-Universität, Frankfurt/M.
Redaktionelle Betreuung:
Peter Helmberger
Empfohlene Zitierweise:
Andreas Fahrmeir: Rezension von: Elizabeth Shown Mills: Evidence Explained. Citing History Sources from Artifact to Cyberspace, Baltimore, MD: Genealogical Publishing Company 2007, in: sehepunkte 9 (2009), Nr. 5 [15.05.2009], URL: http://www.sehepunkte.de
/2009/05/14863.html


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Elizabeth Shown Mills: Evidence Explained

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Auf der inneren Umschlagseite des Buches befindet sich eine kleine Grafik, die in etwa deutlich macht, worum es in diesem umfänglichen Werk geht: den Weg von der Quelle über die Information zum historischen "Beweis". Das Problem wird hier nicht in geschichtsphilosophischer, sondern ganz pragmatischer Weise verstanden: Wie findet man von einem Beleg zum Dokument oder Artefakt, und wie dokumentiert man eigene Funde so, dass andere Forscherinnen und Forscher den Beleg nachvollziehen können? Das Buch richtet sich vorwiegend an familienhistorisch Interessierte, kann aber auch allgemein nützlich sein.

Das Buch gliedert sich in 14 Kapitel. Die ersten beiden enthalten eine Einführung in die Analyse von Quellen und den Sinn und Zweck von Belegangaben. Der eigentliche Leitfaden setzt mit Archiv- und Museumsquellen ein, die in verschiedene Kategorien unterteilt werden. Dabei geht es weniger um die Orte, in denen man solche Quellen finden kann, und eher um die Quellengattung. Zitierregeln für konkrete Dokumentensorten, die amerikanische Ahnenforscher besonders häufig nutzen, werden in besonders großem Detail dargelegt. Es geht zunächst um Überlieferungen von Betrieben und Vereinen, Friedhofsunterlagen, Volkszählungsdaten, kirchliche Quellen. Vier Kapitel behandeln verschiedene Formen von Unterlagen, die von lokalen staatlichen Behörden produziert wurden und werden: Verwaltungs- und Justizakten, standesamtliche Quellen, Heiratsgenehmigungen, Bevölkerungsregister, Grundbücher und Kataster, Nachlasssachen. Der Überlieferung von Landes- oder Bundesbehörden ist dagegen nur ein Kapitel gewidmet. Drei abschließende Abschnitte beschäftigen sich mit veröffentlichten Dokumenten und Forschungsarbeiten: Bücher, CDs, Karten, Videos; offizielle Drucksachen; Zeitschriften und Rundfunksendungen. Jedes Kapitel enthält neben der ausführlichen Begründung von Zitierregeln einen "quick check guide" zur raschen Orientierung.

Da Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Proseminaren, die mit Zitierregeln besondere Schwierigkeiten haben, ihre Probleme wohl eher leider nicht durch ein englischsprachiges Buch gelöst sehen werden, wird sich das vorliegende Werk für den Unterrichtsgebrauch in Deutschland wohl weniger anbieten, obgleich es die detaillierteste verfügbare Erläuterung und Begründung von Zitierregeln im amerikanischen Stil enthält. Es dürfte jedoch für Historikerinnen und Historiker von Interesse sein, die intensiver mit Unterlagen aus anglo-amerikanischen Archiven arbeiten und sich durch manche Angaben (etwa Verweise auf Gesetze) zunächst verwirrt sehen. Für Ahnenforscher enthält das Buch zudem einen detaillierten Überblick über verfügbare publizierte und unpublizierte Quellensorten.

Andreas Fahrmeir