Rezension über:

Otto Bardenhewer: Geschichte der altkirchlichen Literatur, 2. Aufl., Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2007, 5 Bde., 3137 S., ISBN 978-3-534-20191-4, EUR 299,00
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Rezension von:
Mischa Meier
Abteilung für Alte Geschichte, Eberhard Karls Universität, Tübingen
Redaktionelle Betreuung:
Sabine Panzram
Empfohlene Zitierweise:
Mischa Meier: Rezension von: Otto Bardenhewer: Geschichte der altkirchlichen Literatur, 2. Aufl., Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2007, in: sehepunkte 9 (2009), Nr. 5 [15.05.2009], URL: http://www.sehepunkte.de
/2009/05/12464.html


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Otto Bardenhewer: Geschichte der altkirchlichen Literatur

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Zu den bleibenden Monumenten, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert aus dem Bemühen um die Erschließung der antiken Überlieferung im weitesten Sinne resultierten, zählt Otto Bardenhewers 1902-1932 entstandene "Geschichte der altkirchlichen Literatur" in 5 Bänden. [1] Dieses Werk, dem in jüngerer Zeit lediglich das "Lexikon der antiken christlichen Literatur" an die Seite treten konnte [2], stellt noch immer einen wichtigen Referenzpunkt dar, wenn es darum geht, über einzelne Autoren der altchristlichen Literatur (Bardenhewer sprach freilich lieber von "altkirchlicher" Literatur) einen raschen Überblick zu gewinnen, und viele der Thesen und Urteile Bardenhewers haben die weitere Forschung nachhaltig geprägt und finden sich auch noch in aktueller Forschungsliteratur. 'Der Bardenhewer' gehört somit weiterhin zum Standardrepertoire altertumswissenschaftlicher Einführungs- und Überblickswerke.

Bereits im Jahr 1962 hatte die Wissenschaftliche Buchgesellschaft eine Sonderausgabe der "Geschichte der altkirchlichen Literatur" aufgelegt (Bd. 1-4 beruhend auf der 2. Auflage, Freiburg [Herder] 1913-1924; Bd. 5 auf Basis der 1. Auflage, Freiburg [Herder] 1932). Sie ist nun in 2., unveränderter Auflage noch einmal nachgedruckt worden, allerdings erweitert um ein einführendes Vorwort des Münsteraner Patristikers Alfons Fürst.

Fürst weist in diesen einleitenden Bemerkungen mit Recht auf die "bis heute unerreicht[e]" Leistung hin, die Bardenhewer mit seiner "Geschichte der altkirchlichen Literatur" vollbracht habe (VI). Er zeichnet kurz den Lebensweg des Gelehrten nach, in dem die Auseinandersetzungen um das 1. Vatikanische Konzil 1869/70 und der Kulturkampf entscheidende Stationen darstellten, insofern seine entsprechenden Positionierungen ihn u.a. zwei Rufe an die Universität Münster (1874/75 und 1877) kosteten, bevor er dort schließlich doch 1884 reüssieren konnte, um dann 1886 nach München zu wechseln, wo er sich erst zum Wintersemester 1923/24 im Alter von 73 Jahren von seinen Pflichten entbinden ließ (VI-X). Anhand des 'Falles Schnitzer', in dem Bardenhewer durch z.T. signifikant unkritische Stellungnahmen keinen Hehl aus seiner "strammen katholischen Gesinnung" machte (XII), wird die kirchentreue, konservative Haltung des Universitätslehrers und Priesters erläutert (X-XII), eine "kirchliche und theologische Grundeinstellung" (XIII), die sich auch in seinen exegetischen Arbeiten bemerkbar mache, in denen Bardenhewer keine besonderen Leistungen gezeigt habe, obwohl er einen Lehrstuhl für alt- und neutestamentliche Exegese innehatte (XIII-XV): "Auf exegetischem Gebiet hat Bardenhewer weder in der Lehre noch in der Forschung besondere Leistungen erbracht" (XIII). Sein eigentliches Forschungs- und Interessengebiet war, wie Fürst herausstellt (und wie auch die Publikationen Bardenhewers bezeugen, s. XXV-XXVI), die Patrologie (XV-XVIII). In diesem Feld ist der Gelehrte gleich mit mehreren dauerhaften und bis heute maßgeblichen Leistungen hervorgetreten: Der "Patrologie" (1. Auflage Freiburg [Herder] 1894, weitere Auflagen 1901 und 1910) sowie der Herausgabe der "Bibliothek der Kirchenväter" (1. Reihe 1911-1931, 61 Bde. + 2 Registerbände; 2. Reihe 1932-1939, 20 Bde.). Daneben entstand seit 1902 die "Geschichte der altkirchlichen Literatur", deren letztlich auf Hieronymus (De viris illustribus) in Kombination mit sprachlichen und regionalen Kriterien basierendes Aufbauschema noch heute den Zugang zur altchristlichen Literatur erschließt (XVIII). Fürst vermag auch anhand der "Geschichte der altkirchlichen Literatur" und ihrer hermeneutischer Prinzipien klar die "Kirchlichkeit seines [Bardenhewers] Denkens" aufzuzeigen (XIX) und betont daneben das stete Ringen des Gelehrten um eine Berücksichtigung der historischen Zusammenhänge, in denen die von ihm dargestellten literarischen Werke entstanden sind (XVIII-XXV) - insbesondere dies lässt seine "Geschichte der altkirchlichen Literatur" auch für moderne Historiker weiterhin interessant und wichtig erscheinen. Denjenigen, die daran Anteil hatten, dass dieses grundlegende Werk auch weiterhin zugänglich und präsent gehalten wird, gebührt daher großer Dank.


Anmerkungen:

[1] O. Bardenhewer: Geschichte der altkirchlichen Literatur, Freiburg 1902 (21913) [Bd. 1], 1913 (21914) [Bd. 2]; 1912 (21923); [Bd. 3]; 1924 (21924) [Bd. 4]; 1932 [Bd. 5].

[2] S. Döpp/W. Geerlings (Hgg.): Lexikon der antiken christlichen Literatur, Freiburg u.a. 32002.

Mischa Meier