Rezension über:

Hartmut Dorgerloh (Hg.): Preußische Gärten in Geschichte und Denkmalpflege (= Jahrbuch Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg; Bd. 6/2004), Berlin: Akademie Verlag 2006, VIII + 272 S., ISBN 978-3-05-004229-9, EUR 49,80
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Rezension von:
Andrea Siegmund
Lehrstuhl für Landschaftsökologie, Wissenschaftszentrum Weihenstephan, Technische Universität, München
Redaktionelle Betreuung:
Hubertus Kohle
Empfohlene Zitierweise:
Andrea Siegmund: Rezension von: Hartmut Dorgerloh (Hg.): Preußische Gärten in Geschichte und Denkmalpflege, Berlin: Akademie Verlag 2006, in: sehepunkte 7 (2007), Nr. 10 [15.10.2007], URL: http://www.sehepunkte.de
/2007/10/11541.html


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Hartmut Dorgerloh (Hg.): Preußische Gärten in Geschichte und Denkmalpflege

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Zu den Gärten in Berlin und Brandenburg gab es in den letzten Jahren zahlreiche Publikationen, so z. B. die Ausstellungsbände "Nichts gedeiht ohne Pflege. Die Potsdamer Parklandschaft und ihre Gärtner" [1], "Schön und Nützlich. Aus Brandenburgs Kloster-, Schloss- und Küchengärten" [2] oder "Preußisch Grün. Hofgärtner in Brandenburg-Preußen" [3]. Diese Entwicklung wird nun fortgesetzt durch das Jahrbuch der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg 2004 (erschienen 2006), das anlässlich des vom Land Brandenburg ausgerufenen "Jahres der Parks und Gärten" die Preußischen Gartenanlagen ins Zentrum stellt. Der dem scheidenden Gartendirektor Prof. Michael Seiler gewidmete Band bündelt die unterschiedlichen Facetten der Tätigkeit der Gartenabteilung und führt so den Umgang mit den Gartendenkmalen als vielschichtige Aufgabe vor Augen.

Ausgehend von der Ausstellung "Preußisch Grün. Vom königlichen Hofgärtner zum Gartendenkmalpfleger" widmet sich der erste Teil den Gärtnern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Neben dem kommentierten Abdruck zweier Originaltexte - Emil Sellos "Bericht über die Kronprinzliche Gärtnerei am Neuen Palais" (1868) und Wilhelm Hentzes "Beschreibung der Gärten von Potsdam und Berlin" (1858) - wird anhand von Quellen die Entwicklung der Nutzgärtnerei am Klausberg bei Sanssouci unter dem Einfluss verschiedener Hofgärtner vorgestellt.

Der zweite Teil ist mit dem Titel "Gärten" überschrieben. Er beschäftigt sich in sechs Aufsätzen teils mit der Entstehungsgeschichte einzelner Elemente, teils mit verschiedenen Wiederherstellungs- bzw. Pflegemaßnahmen. Dem Leser werden einerseits Details zur Errichtung der Kanalheizung der Großen Orangerie von Sanssouci sowie zu Planung und Bau eines Studentenwohnheims im Park von Babelsberg präsentiert. Andererseits erhält er Einblicke in die gartendenkmalpflegerische Arbeit, wenn zum Beispiel erläutert wird, welcher Wegeaufbau in Sanssouci gewählt wurde, welche Kriterien die Pflanzenauswahl der Sommerpflanzungen in Sanssouci bestimmten oder welche Arbeiten bei der Rosentreppe und der Lenné'schen Bucht im Park Babelsberg in den letzten Jahren durchgeführt wurden.

Einem "Blick hinter die Kulissen" ist der dritte Teil gewidmet. In jeweils einem Beitrag werden die Digitalisierung historischer Karten sowie die Struktur der stiftungseigenen Gärtnereien beschrieben.

Im vierten, kunsthistorischen Teil wird unter der Überschrift "Programme" die Aussageintention künstlerischer Entwürfe ins Zentrum gestellt. So erläutert Saskia Hüneke - ausgehend von Architektur, Gartenformen und Aufstellung von Bildwerken - die ikonographischen Bedeutungsstrukturen in Sanssouci, Sepp-Gustav Gröschel stellt die Realisierung eines verklärten Italienbildes durch Frédéric Reclam in der Innendekoration des Schlosses Rheinsberg dar, die auch den Ausblick auf die Gartenlandschaft "auf die Ebene eines virtuellen Blicks in eine italienische Landschaft" (242) heben sollte.

Der fünfte und letzte Teil schließlich beschäftigt sich mit zwei Museums- bzw. Ausstellungsprojekten der Stiftung. So wird einerseits die Vorgeschichte, die inhaltliche Ausrichtung und die räumliche Positionierung des gartenhistorisch ausgerichteten HofgärtnerMuseums Glienicke, andererseits die Idee der Ausstellung "Hofgärtner Steiners Pelargonien" erläutert.

Durch die breit angelegte Themenauswahl gewährt das Jahrbuch einen interessanten Einblick in die Tätigkeit der Gartenabteilung der Stiftung. Gerade auch die zahlreichen Abbildungen mit Planüberlagerungen, Aufbauschemata und Fotografien von baulichen Maßnahmen eröffnen den Blick dafür, dass ein Gartendenkmal nichts Statisches, sondern auf ständige pflegerische und im Einzelfall auch wiederherstellende Eingriffe angewiesen ist.

Angesichts der Heterogenität der behandelten Themen wäre jedoch ein einleitender Rahmentext für die einzelnen Teile wünschenswert gewesen, um die teilweise sehr speziellen Problemen gewidmeten Aufsätze in einen größeren Zusammenhang einzuordnen und Verbindungen aufzuzeigen. Auch verliert sich ein Teil der Beiträge nach dem Motto "wer, was, wann, wo" an vielen Stellen in Details, die zwar für ein ausgewähltes Fachpublikum von Belang sind, die aber nicht unbedingt den im Vorwort formulierten Anspruch einzulösen helfen, "[d]ie Vertiefung des Bewusstseins für die Gärten als komplexe und fragile Kunstwerke in der Öffentlichkeit" (V) voranzutreiben. So lesen sich einige Aufsätze durch zahlreiche technische Details, bis hin zur Nennung der Gewichtsangabe des verwendeten Vlieses (120), und durch die Aufzählung jedes einzelnen Arbeitsschrittes während der Baumaßnahmen, bis hin zur Nennung der beteiligten Firmen inklusive der verantwortlichen Bauleiter (96), wie Bauberichte. Entscheidungsrelevante Aspekte und eine theoretische Einbindung der durchgeführten Maßnahmen in einen größeren Zusammenhang werden weitgehend ausgeklammert. So heißt es zum Beispiel zur Wiederherstellung zweier Partien im Park Sanssouci lediglich: "Seit 2004 werden die Gartenräume des Sizilianischen und Nordischen Gartens langfristig wiederhergestellt und nach und nach mit einigen wesentlichen der ursprünglichen Pflanzen ausgestattet" (93). Eine Diskussion der Vor- und Nachteile anderer möglicher denkmalpflegerischer Ansätze in diesem Gartenteil unterbleibt. Gerade diese aber wäre für ein breiteres Fachpublikum sowie die im Vorwort angesprochene Öffentlichkeit durchaus von Interesse gewesen.

Alles in allem kann der Band das Verdienst in Anspruch nehmen, zahlreiche wissenswerte Details zu Geschichte und Bedeutung einzelner Anlagen bzw. Anlagenteile sowie zur Praxis der Gartendenkmalpflege in Berlin-Brandenburg in Form eines Arbeitsberichts ans Licht zu bringen. Da die aus unterschiedlichsten Fachbereichen zusammengetragenen Fakten jedoch unverbunden nebeneinander stehen bleiben, empfiehlt sich eine Lektüre des Bandes weniger für den interessierten Gartenliebhaber, als vielmehr für ein in ähnlichen Bereichen tätiges Fachpublikum.


Anmerkungen:

[1] Stiftung für Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Hrsg.): "Nichts gedeiht ohne Pflege. Die Potsdamer Parklandschaft und ihre Gärtner" (Ausst.Kat. Orangerie im Park Sanssouci, 20. Mai bis 19. August 2001), Potsdam 2001.

[2] Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (Hrsg.): "Schön und Nützlich. Aus Brandenburgs Kloster-, Schloss- und Küchengärten" (Ausst.Kat. Haus der Brandenburg-Preußischen Geschichte, 15. Mai bis 15. August 2004), Berlin 2004.

[3] Stiftung für Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Hrsg.): "Preußisch Grün. Hofgärtner in Brandenburg-Preußen" (Ausst.Kat. Schloss Glienicke, 18. Juli bis 17. Oktober 2004), Potsdam 2004.

Andrea Siegmund