Rezension über:

Edmund S. Morgan: Benjamin Franklin. Eine Biographie. Aus dem Amerikanischen von Thorsten Schmidt, München: C.H.Beck 2006, 304 S., ISBN 978-3-406-53508-6, EUR 24,90
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Rezension von:
Jürgen Martschukat
Historisches Seminar, Universität Erfurt
Redaktionelle Betreuung:
Stephan Laux
Empfohlene Zitierweise:
Jürgen Martschukat: Rezension von: Edmund S. Morgan: Benjamin Franklin. Eine Biographie. Aus dem Amerikanischen von Thorsten Schmidt, München: C.H.Beck 2006, in: sehepunkte 7 (2007), Nr. 2 [15.02.2007], URL: http://www.sehepunkte.de
/2007/02/10348.html


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Edmund S. Morgan: Benjamin Franklin

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Edmund S. Morgan gilt als einer der besten Kenner der amerikanischen Kolonialgeschichte, und allein die Liste der Preise, mit denen er im Laufe seines langen Schaffens ausgezeichnet wurde, nimmt Seiten ein. Als Emeritus der "Yale University" mit der Edition der umfangreichen "Papers of Benjamin Franklin" befasst [1], hat Morgan seinem Œuvre im Jahr 2002 ein weiteres Werk hinzugefügt: eine vergleichsweise schlanke Biografie Benjamin Franklins, deren leichtfüßige Eleganz in der Darstellung auch die 2006 im Beck-Verlag erschienene deutsche Übersetzung Thorsten Schmidts erkennen lässt.

Benjamin Franklin gilt als die Verkörperung des amerikanischen "Selfmade-Man" schlechthin, und er war ein wahrer Tausendsassa des 18. Jahrhunderts: 1706 geboren, war er als junger Mann groß gewachsen und körperlich stark, wie Morgan hervorhebt, etablierte sich als Drucker in Philadelphia und gelangte als Forscher mit seinen Experimenten zur Elektrizität schon in den 1750er Jahren zu internationaler Berühmtheit. Insbesondere die Erfindung des Blitzableiters erregte Aufsehen auch über Amerika hinaus. Auch war Franklin zu dieser Zeit bereits schriftstellerisch tätig und erfolgreich gewesen. Der so genannte "Poor Richard's Almanack" war mit seinen Aphorismen einer der publizistischen Erfolge des kolonialen Amerika und einer der Versuche Franklins, seine Mitbürger von der Notwendigkeit und Fruchtbarkeit einer kontrollierten und reflektierten Lebensführung zu überzeugen.

In den 1750er Jahren begann Franklin, die Kolonie Pennsylvania politisch zu vertreten, und er verbrachte fortan einen Großteil seiner Zeit in London. Da war noch nicht wirklich abzusehen, dass Franklin eine der treibenden Kräfte der amerikanischen Unabhängigkeit werden sollte, denn seine Politik war zunächst eher auf eine Reform und erneute Stabilisierung (Restabilisierung) des britischen Empire ausgerichtet. Würden Briten Amerikaner doch nur als gleichgestellt anerkennen können, so würde der Fruchtbarkeit der angloamerikanischen Verbindung wenig im Wege stehen, versuchte Franklin zu argumentieren. Von der Fruchtlosigkeit seiner Bemühungen überzeugt, begann er 1775 die Revolution voranzutreiben und in den folgenden Jahren vor allem um die Unterstützung Frankreichs für die amerikanische Sache zu werben. Die Signatur Benjamin Franklins ist schließlich die einzige, die unter sämtlichen vier Gründungsdokumenten der US-amerikanischen Republik zu finden ist - unter der Unabhängigkeitserklärung, der Konföderationsverfassung, dem Friedensvertrag von Paris und der US-amerikanischen Verfassung.

Als Benjamin Franklin 1785 nach vielen Jahren in Frankreich in die USA zurückkehrte, sollte er sich für die verbleibenden fünf Jahre seines Lebens wieder in Philadelphia niederlassen. Unter den europäischen Aufklärern war Franklin mittlerweile nicht nur als Erfinder, sondern auch als Politiker und aufklärerischer Freigeist berühmt und weithin beliebt, wie neulich hierzulande insbesondere die Franklin-Biografie Jürgen Overhoffs gezeigt hat. [2] In der Geschichtsschreibung gründet Franklins nachhaltiger Ruhm vor allem auf seiner Autobiografie, die posthum 1793 erstmals in englischer Sprache publiziert wurde, aber lediglich das Leben des jungen Franklin bis in die 1750er Jahre beschreibt. Freilich hat sich auch Edmund Morgan neben den "Papers of Benjamin Franklin" wesentlich auf dessen Autobiografie gestützt und somit sein Werk weitestgehend auf Quellen gegründet, die aus Franklins eigener Feder stammen.

Naturgemäß hätte das Ergebnis Benjamin Franklin selbst gut gefallen, wie Owen S. Ireland in seiner Morgan-Rezension für das "Journal of American History" [3] treffend bemerkt. Ein kritischer Leser hingegen mag bemängeln, dass der Text bisweilen hagiografische Züge trägt. Es fehlt an Reibungspunkten, und wer von dem vorliegenden Buch eine sozial- wie kulturhistorisch inspirierende Studie des so brisanten wie ambivalenten 18. Jahrhunderts in Nordamerika durch die Brille Benjamin Franklins erhofft, wird enttäuscht. Doch vielleicht sollte man auch nicht zu viel erwarten und sich vielmehr an der ebenso informativen wie unterhaltsamen Lektüre erfreuen.


Anmerkungen:

[1] http://www.yale.edu/franklinpapers/index.html

[2] Jürgen Overhoff: Benjamin Franklin. Erfinder, Freigeist, Staatenlenker, Stuttgart 2006.

[3] Journal of American History 90, 3 (2003), 996-997.

Jürgen Martschukat