Rezension über:

Livia Capponi: Augustan Egypt. The Creation of a Roman Province (= Studies in Classics), London / New York: Routledge 2005, xiii + 308 S., ISBN 978-0-415-97217-8, GBP 57,00
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Rezension von:
Friederike Herklotz
Institut für Geschichtswissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin
Redaktionelle Betreuung:
Matthias Haake
Empfohlene Zitierweise:
Friederike Herklotz: Rezension von: Livia Capponi: Augustan Egypt. The Creation of a Roman Province, London / New York: Routledge 2005, in: sehepunkte 6 (2006), Nr. 11 [15.11.2006], URL: http://www.sehepunkte.de
/2006/11/10193.html


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Livia Capponi: Augustan Egypt

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Die Studie beschäftigt sich mit dem Übergang Ägyptens von einem hellenistischen Königreich zu einer Provinz des Römischen Reiches und basiert auf einer an der Universität Oxford verfassten Dissertation. Schwerpunkt der Untersuchung ist der römische Einfluss auf die Verwaltung und das steuerrechtliche System. Livia Capponi konzentriert sich auf die Provinz Ägypten; einen systematischen Vergleich mit anderen Provinzen schließt sie aus, lediglich Parallelen werden vermerkt. Die Abhandlung bewegt sich innerhalb der Debatte um die Kontinuitäten und Brüche zwischen der Zeit der Ptolemäer und dem Beginn der römischen Herrschaft in Ägypten, die durch den Beitrag von Naphtali Lewis auf dem 12. Papyrologenkongress im Jahre 1970 eingeleitet wurde. [1] Die Autorin möchte jedoch ihre Untersuchung nicht auf die Betrachtung des Gegensatzes "Kontinuität versus Veränderung" beschränkt wissen. Sie betont vielmehr, dass sie die Ansicht, dass alles nach der römischen Eroberung "römisch" wurde, als ebenso irreführend betrachte, wie das Argument, wonach sich nichts geändert habe(3).

Livia Capponi geht in ihrer Arbeit von den Dokumenten - Papyri, Ostraka und Inschriften in griechischer und lateinischer Sprache - aus, die etwa von der Regierung Kleopatras VII. im Jahre 51 v. Chr. bis zum Tod des Tiberius im Jahre 37 n. Chr. datieren. Demotische Belege werden nur vereinzelt in die Arbeit einbezogen. Dies ist schade, da hierdurch wichtige Quellen zur Verwaltungs- und Wirtschaftsgeschichte nicht berücksichtigt werden. Eine Zusammenarbeit zwischen Papyrologen und Demotisten ist für Untersuchungen zum römischen Ägypten zwingend erforderlich, um ein möglichst umfassendes Bild zu erhalten. [2]

Nach einer Einführung in die Thematik wird zunächst (5-12) ein kurzer Überblick über die Zeit unmittelbar vor und nach der römischen Eroberung gegeben. Hier stehen die Beziehungen zwischen Ägypten und Rom und der Status Ägyptens in den Jahren 30 bis 27 v. Chr. im Mittelpunkt. Livia Capponi betont, dass Ägypten schon im Jahre 30 v. Chr. eine römische Provinz gewesen sei, obwohl der verfassungsrechtliche Status des Octavian zu diesem Zeitpunkt noch nicht geklärt war.

Den Mittelpunkt der Arbeit bilden acht Kapitel, die sich mit unterschiedlichen Aspekten der Verwaltung und des steuerrechtlichen Systems beschäftigen, "Ptolemaic and Roman Soldiers in Egypt before and after 30 BC (13-23)", "The Institutions of Egypt: The Impact of Rome" (25-49), "The Roman Conquest, Law and the Administration of Justice" (51-63), "The Administration of the Community: Municipalisation and Liturgies" (65-81) "The Beginning of the Census" (83-96), "The Reorganisation of Landholding" (97-121), "Milking the Cow: Taxes and Tax Collection in Augustan Egypt" (123-155), "The Coinage and the Monetary Circulation from Cleopatra to Tiberius" (157-168). Diese systematische Herangehensweise ist für die Behandlung der Thematik sicher sinnvoll; sie hat jedoch den Nachteil, dass die Kapitel nicht unbedingt aufeinander aufbauen. Bei der Besprechung des Zensus (83-96) wird beispielsweise die Kopfsteuer erwähnt; diese wird jedoch erst im späteren Verlauf der Untersuchung näher erläutert (138-141).

In den einzelnen Kapiteln werden die wichtigsten (griechisch- und lateinischsprachigen) Quellen zu den einzelnen Themen genannt und analysiert. Die Schlussfolgerungen, welche die Autorin aus dieser Besprechung zieht, sind durchaus recht anregend [3]; leider werden diese aufgrund der Kürze der Abhandlung (186 Seiten und 65 Seiten Anmerkungen) nicht eingehender besprochen. Mitunter ist auch die Quellenbasis für die augusteische Zeit zu gering, um weitergehende Schlussfolgerungen ziehen zu können.

Die Arbeit ist nicht immer auf dem neuesten Forschungsstand. Das liegt zum einen daran, dass das Manuskript offenbar bereits im Jahre 2003 fertig gestellt war und somit die in den Jahren 2002 bis 2004 erschienenen Untersuchungen zu wichtigen Aspekten der Verwaltung des römischen Ägypten nicht mehr berücksichtigt werden konnten. [4] Andererseits bezieht sich die Autorin vorwiegend auf italienisch- und englischsprachige Werke.

Die Ergebnisse werden in einem eigenen Kapitel (169-177) zusammengefasst. Livia Capponi zeigt deutlich, auf welchen Gebieten die Römer Veränderungen durchführten, und wo auf bestehende Traditionen zurückgegriffen wurde, die zum Teil sogar in die pharaonische Zeit zurückreichten.

Es schließt sich ein Appendix (179-186) an, der die Belege zu den Präfekten in der Regierungszeit des Augustus und des Tiberius auflistet, die Endnoten (187-251), das Literaturverzeichnis (253-281) sowie ein Sach-, Personen- und Quellenindex (283-308). Beigefügt ist eine Karte des römischen Ägypten.

Leider ist das Werk aufgrund der Endnoten nur umständlich zu handhaben. Hier hätte die Angabe der Kapitelnummern in den Seitenüberschriften der besseren Orientierung geholfen. Hilfreich wäre es zudem gewesen, wenn die Autorin durchgängig die Inschrifteneditionen der Brüder Bernand benutzt und Konkordanzen zu älteren Ausgaben angegeben hätte. Probleme gibt es auch beim Gebrauch des griechischen Zeichensatzes; die Zeichen werden mitunter gar nicht (31) oder fehlerhaft (34) konvertiert.

Abschließend ist zu sagen, dass das Bändchen eine gute Zusammenstellung der griechisch-lateinischen Quellen zur Verwaltung und zum Steuerrecht des römischen Ägypten in augusteischer Zeit gibt und wichtige Themen anspricht, die in der weiteren Forschung eingehender analysiert werden sollten. Sehr klar wird auch, dass der Beginn der römischen Herrschaft in Ägypten nicht in allen Bereichen einen starken Bruch mit der vorhergehenden Zeit verursachte. Die in den einzelnen Kapiteln erzielten Ergebnisse sollten jedoch mit Vorsicht übernommen werden, da aufgrund des geringen Umfanges der Abhandlung keine gründliche Analyse der Quellen erfolgen konnte und die Arbeit nicht auf dem neuesten Forschungsstand ist.


Anmerkungen:

[1] Naphtali Lewis: Greco-Roman Egypt: Fact or Fiction? Proceedings of the 12th International Congress of Papyrology, herausgegeben von D. H. Samuel, Toronto 1970, 3-14.

[2] Ein sehr gutes Beispiel für eine solche Zusammenarbeit bildet unter anderem der Sammelband Tebtynis und Soknopaiu Nesos. Leben im römerzeitlichen Fajum. Akten des internationalen Symposions vom 11. bis 13. Dezember 2003 in Sommerhausen bei Würzburg, herausgegeben von Sandra Lippert und Maren Schentuleit, Wiesbaden 2005.

[3] Beispielsweise wird die Frage gestellt, ob in augusteischer Zeit tatsächlich die Macht der traditionellen Priester und Tempel reduziert wurde, wie dies bisher in der Forschung behauptet wurde. Leider wird diese sehr wichtige Frage nur kurz angeschnitten und auf die Dissertation von Penelope M. Glare: The Temples of Egypt. The impact of Rome, Cambridge 1993, hingewiesen (nur auf Mikrofilm erhältlich).

[4] Vergleiche zum Beispiel Thomas Kruse: Der königliche Schreiber und die Gauverwaltung, Untersuchungen zur Verwaltungsgeschichte Ägyptens in der Zeit von Augustus bis Philippus Arabs (30 v. Chr. - 245 n. Chr.) (= Archiv für Papyrusforschung und verwandte Gebiete, Beiheft, Bd. 11), München 2002; Hans-Christian Dirscherl: Der Gaustratege im römischen Ägypten: seine Aufgaben am Beispiel des Archiv-, Finanz- und Bodenwesens und der Liturgien; Entstehung, Konsolidierung, Niedergang? 30 v. Chr. - 300 n. Chr., Sankt Katharinen 2004.

Friederike Herklotz