Rezension über:

Arnold Schwede: Das Münzwesen im Hochstift Paderborn 1566-1803 (= Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte; Bd. 49), Paderborn: Bonifatius 2004, XIII + 691 S., ISBN 978-3-89710-270-5, EUR 66,00
Buch im KVK suchen

Rezension von:
Ralf Wiechmann
Museum für Hamburgische Geschichte
Redaktionelle Betreuung:
Stephan Laux
Empfohlene Zitierweise:
Ralf Wiechmann: Rezension von: Arnold Schwede: Das Münzwesen im Hochstift Paderborn 1566-1803, Paderborn: Bonifatius 2004, in: sehepunkte 4 (2004), Nr. 12 [15.12.2004], URL: http://www.sehepunkte.de
/2004/12/5087.html


Bitte geben Sie beim Zitieren dieser Rezension die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Arnold Schwede: Das Münzwesen im Hochstift Paderborn 1566-1803

Textgröße: A A A

Arnold Schwede, den Münzliebhabern und Fachwissenschaftlern bereits als Autor verschiedener Aufsätze zur Münzgeschichte Paderborns bekannt, legt hier als Sammler eine grundsolide numismatische Territorial-Monografie vor. Von Joseph Weingärtner stammen die letzten Gesamtdarstellungen der Paderborner Münzgeschichte, nämlich einerseits die "Beschreibung der Kupfer-Münzen Westfalens nebst historischen Nachrichten", Paderborn 1872 (Teil 1) und 1881 (Teil 2), und andererseits "Die Gold- und Silber-Münzen des Bisthums Paderborn nebst historischen Nachrichten", Münster 1882. Hierzu sind dann später noch Nachträge erschienen ("Nachträge zu Die Gold- und Silber-Münzen des Bisthums Paderborn nebst historischen Nachrichten", Münster 1890). So wertvoll die Studien von Weingärtner sind, war eine Neubearbeitung insofern angezeigt, als inzwischen der Münzbestand Ergänzungen erfahren hat und zudem in vielen Bereichen eine Aktualisierung des Forschungsstandes nötig war.

Während Weingärtner noch die mittelalterliche Münzprägung mit einbezogen hatte, werden in vorliegender Publikation alle Münzen beschrieben, die im Bereich des Hochstifts Paderborn in der Zeitspanne 1566 und 1803 geschlagen wurden. Diese zeitliche Eingrenzung ist deshalb folgerichtig, weil diese Jahre Zäsuren in der Münzprägung markieren. Obwohl keine Verleihungsurkunde erhalten ist, haben die Bischöfe von Paderborn zu einem unbekannten Zeitpunkt im 9. oder 10. Jahrhundert das Münzprivileg zuerkannt bekommen. Urkundlich belegt ist das Münzrecht erst durch Kaiser Konrad II. (Regierungszeit 1024-1039). Der Aufbau des Paderborner Territoriums hatte seit dem 13. Jahrhundert große finanzielle Mittel verschlungen. Um diese aufzubringen, verpfändeten die Paderborner Fürstbischöfe ihre Münzstätten an die Städte des Hochstifts, Paderborn, Warburg, Brakel, Nieheim, Hallenberg und Hofgeismar. Erst am Ende des 16. Jahrhunderts forderte der Landesherr das Münzregal zurück und zwang die Städte, die entsprechenden Privilegien zurückzugeben. Hierzu erklärten dann Paderborn und Warburg für alle Städte des Hochstifts ihr Einverständnis. So wurde durch den Reichstagsbeschluss von Augsburg im Jahr 1566 Bischof Rembert von Kessenbrock Sitz und Stimme auf den Reichstagungen zugewiesen. Dieses Datum markiert dann auch den Beginn des hier behandelten Zeitraumes der Münzprägung. Das Ende wiederum liegt im Jahr 1803, als nach dem Reichsdeputationshauptschluss das Hochstift Paderborn an Preußen fiel und die Münzprägung eingestellt wurde. Für die Zeit des Mittelalters bis zum Jahr 1566 ist ein zweiter Band angekündigt, der von Peters Ilisch, Numismatiker am Westfälischen Landesmuseum in Münster, verfasst werden wird.

Neben den Prägungen der verschiedenen Fürstbischöfe haben das Paderborner Domkapitel einerseits und die Städte Paderborn und Warburg andererseits Münzen prägen lassen. Zu den Prägungen des Domkapitels zählen vor allem die Sedisvakanzmünzen, da das Domkapitel zwischen dem Tod eines Fürstbischofs und der Wahl eines neuen die Regierungsgewalt ausübte. Neben der Sedisvakanzprägung kam es in den Jahren 1617 und 1618 zur Ausbringung von Kupfermünzen, was allerdings nur deshalb möglich war, weil man eine Lücke in der Reichsmünzgesetzgebung ausnutzte.

Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis zeigt schon den klaren Aufbau des Buches. Im Wesentlichen gliedert es sich in einen einleitenden und allgemeinen Teil, dem als erster Hauptteil die verschiedenen Prägungen der Fürstbischöfe in chronologischer Reihung folgen. Eingeflochten sind hier auch die Sedisvakanzmünzen des Domkapitels. Der zweite Hauptteil wird durch die Kupfermünzen des Domkapitels sowie das Münzwesen der Städte Paderborn und Warburg eingenommen. Dabei folgt der Aufbau der einzelnen Unterkapitel immer einem ähnlichen Schema, was eine angenehme Transparenz für den Leser mit sich bringt. Diese Übersichtlichkeit, aus der die gründliche Durchdringung des Materials ersichtlich wird, geht auch aus den Übersichtstabellen der Typen und Varianten hervor, die jedem münzbeschreibenden Teil eines Unterkapitels vorangestellt sind. Hatte Weingärtner die Prägungen nach Nominalen geordnet, entschied sich Schwede für eine chronologische Ordnung, innerhalb derer dann die Nominale absteigend folgen. Zwar erfordert so der Vergleich gleicher Nominale verschiedener Jahrgänge einiges Blättern, erleichtert aber sehr stark das Finden bestimmter Jahrgänge, was gerade für Sammler bestimmt von Vorteil sein dürfte. Vor allem an Sammler richtet sich sicherlich auch die Wiedergabe der verschiedenen Umschriften, die hier, im Gegensatz zu Weingärtner, ohne Interpunktion aufgeführt werden. Schwede orientiert sich damit an einer Deskriptionsmethode, wie sie auch schon Bernd Kluge bei der Untersuchung des Fundes von Krien (1981) oder auch Michael Kunzel bei der Bearbeitung der Mecklenburgischen Münzen (1994) angewandt haben. Dies ist ausdrücklich zu betonen, denn es bedeutet, dass es sich bei den angeführten Umschriftvarianten nicht wirklich um verschiedene Stempel handelt, denn unter einer Umschriftvariante können sich noch weitere, durch unterschiedliche Beizeichen abweichende Stempel verbergen. Die Menge der aufgelisteten Umschriftvarianten sagt also nur aus, dass es weniger Prägestempel nicht gegeben hat. Zwar lassen sich somit gewisse Größenordnungen erkennen, die Anzahl der tatsächlich benutzten Stempel bleibt aber ungewiss. Diese akademische Frage wird besonders für Sammler jedoch nicht wirklich relevant sein. Positiv hervorzuheben ist die durchgehende Bebilderung. Von kleineren Nominalen werden sogar noch Vergrößerungen gezeigt. Dabei sind die Münzfotos, wenngleich leicht unterschiedlich, von durchweg sehr guter Qualität.

Das letzte Hauptkapitel des Buches enthält eine Liste von Paderborner Fundmünzen inner- und außerhalb Westfalens. Eine zugehörige Verbreitungskarte fasst die genannten Fundvorkommen zusammen. So nützlich und wichtig diese Karte ist, muss zu der auffallend ungleichgewichtigen Verbreitung eine Einschränkung zur Interpretationsmöglichkeit angemahnt werden. Auffällig ist beispielsweise die relativ dichte Streuung in Tschechien, während Österreich und Ungarn fundleer sind und auch die Funde in Polen nur sehr locker streuen. Hier spiegelt sich offensichtlich nicht so sehr die historische Realität, sondern eher ein heterogener Bearbeitungsstand. Der Münzsammler wird sicherlich auch eine sich anschließende Übersicht der lateinischen Inschriften und deren Übersetzung willkommen heißen. Eine Konkordanz hilft schnell, die alten Weingärtner-Nummern mit der aktuellen Nummerierung abzugleichen. Das letzte Kapitel enthält Verordnungen, Protokolle und Vereinbarungen, die hier, sorgfältig in Ausschnitten transkribiert, einen Einblick in die Originalquellen geben. Sie entlasten somit den Text der vorderen Hauptkapitel, lassen aber trotzdem eine Überprüfung der von Schwede gezogenen Schlüsse zu. Das im Anhang angefügte Personen-, Orts- und Sachregister beschließt das Buch.

Die genannten Einwände, nur als Marginalien zu verstehen, schmälern die Nützlichkeit des großzügig und übersichtlich gestalteten Bandes keineswegs. Sammler und auch Fachwissenschaftler werden nun, wenn sie sich mit der Paderborner Münzgeschichte befassen, nicht mehr den Weingärtner, sondern den Schwede heranzuziehen haben. Dem Autor und dem Herausgeber gebühren großer Dank, dem Werk ist eine weite Verbreitung zu wünschen.

Ralf Wiechmann