Von Bettina Braun
Während sich die allgemeine Aufmerksamkeit und auch die der Geschichtswissenschaft schon wieder neuen Jubiläen zuwendet - hier wäre vor allem an 250 Jahre Amerikanische Revolution zu denken -, wirkt das Jubiläum des vergangenen Jahrs - 500 Jahre Bauernkrieg - noch nach. Und deshalb soll ihm hier auch ein zweites FORUM gelten. Es erscheint genau ein Jahr, nachdem die sehepunkte bereits einmal eine Reihe von Publikationen zum Bauernkrieg in einem FORUM vorgestellt haben. Denn anders als die großen Gesamtdarstellungen, die Verlage inzwischen frühzeitig auf den Markt bringen, um von der Aufmerksamkeit rund um einen Jahrestag zu profitieren, können andere Früchte solcher Jubiläen naturgemäß erst später geerntet werden. So liegen die Kataloge der Jubiläumsausstellungen zumeist erst pünktlich zur Eröffnung der jeweiligen Ausstellungen oder sogar noch später vor, und die Bände zu den durch das Jubiläum veranlassten Tagungen erscheinen in der Regel erst nach dem Jubeljahr. Gerade aus der letztgenannten Rubrik lassen einige Titel noch auf sich warten und finden dann sicherlich zu einem späteren Zeitpunkt ihren Widerhall in den sehepunkten. Insofern kann dieses zweite FORUM zum Bauernkrieg also keine auch nur einigermaßen abschließende Bilanz des Bauernkriegsjubiläums bieten. Aber die Bündelung einiger Titel zum Thema soll doch Anlass für einige kurze Reflexionen bieten.
Erkennbar ist, dass die Geschichte des Bauernkriegs keineswegs umgeschrieben wurde oder umgeschrieben werden muss. Die Publikationen bieten eher Nachjustierungen als grundsätzliche Neupositionierungen oder gar umwälzende neue Interpretationsansätze. Ja, es scheint sogar so, dass sich die Autorinnen und Autoren den großen Meistererzählungen geradezu verweigern, und demzufolge fehlen auch die großen Kontroversen. Hierin liegt sicher ein grundlegender Unterschied zum Jubiläum 1975.
Wenig erstaunlich ist, dass die Nachjustierungen die Tendenzen der Geschichtswissenschaft der letzten Jahrzehnte aufnehmen: Gefragt wird nach den Akteurinnen und Akteuren des Geschehens, Praktiken werden beschrieben, Kommunikation und die dabei zum Einsatz kommenden Medien spielen eine große Rolle, das Bewusstsein für Raum als Kategorie mündet in Untersuchungen des Bauernkriegs in unterschiedlichen Regionen. Dass ein Zusammenhang zwischen dem Bauernkrieg und der Reformation bestand, wird als selbstverständlich angenommen - eine Setzung, die auch die Aufwertung religiöser und konfessioneller Faktoren in der Frühneuzeitforschung spiegelt. Ebenso entspricht die angesichts des Themas eigentlich erstaunliche Vernachlässigung ökonomischer Faktoren (sowohl hinsichtlich der Ursachen als auch der Folgen des Bauernkriegs) durchaus der Ausrichtung des Fachs in den letzten Jahrzehnten, das - so jedenfalls mein Eindruck - wirtschaftsgeschichtlichen Fragen und Zusammenhängern erst jüngst wieder neue Aufmerksamkeit widmet. Dass ein Ereigniskomplex wie der Bauernkrieg zu politischer Inanspruchnahme geradezu einlädt, wird ebenfalls breit thematisiert. Selbstverständlich ist die wissenschaftliche Erforschung des Bauernkriegs Teil seiner Rezeptionsgeschichte, auch wenn sie sich von plakativer populärer Vereinnahmung fernhält - und so werden spätere Generationen von Historikerinnen und Historikern auch aus diesem Jubiläum ihre Schlüsse ziehen.