Rezension über:

Barbara M. Levick: Faustina I and II. Imperial women of the golden age (= Women in Antiquity), Oxford: Oxford University Press 2014, XII + 248 S., 14 s/w-Abb., ISBN 978-0-19-537941-9, GBP 41,99
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Rezension von:
Stefan Priwitzer
Eberhard Karls Universität, Tübingen
Redaktionelle Betreuung:
Mischa Meier
Empfohlene Zitierweise:
Stefan Priwitzer: Rezension von: Barbara M. Levick: Faustina I and II. Imperial women of the golden age, Oxford: Oxford University Press 2014, in: sehepunkte 15 (2015), Nr. 11 [15.11.2015], URL: https://www.sehepunkte.de
/2015/11/25160.html


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Barbara M. Levick: Faustina I and II

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Die Arbeiten von Barbara Levick haben bekanntermaßen einen Schwerpunkt im 1. Jahrhundert n.Chr. Mit dem vorliegenden Buch belegt sie eindrucksvoll auch ihre Kennerschaft für das 2. Jahrhundert n.Chr. und - angesichts einer Monographie zu Julia Domna nicht unerwartet - für die Frauen des Kaiserhauses.

Wie leider immer, wenn es um Frauen - selbst die des Kaiserhauses - geht, sind die direkten Informationen äußert überschaubar. Da diese Informationen in der Regel, egal ob literarisch, epigraphisch, numismatisch oder archäologisch, 'Anhängsel' der Überlieferung über die männlichen Protagonisten darstellen und die Frauen nur als Frauen des Kaiserhauses ins Blickfeld der Überlieferung treten, muss auch Levick einen großen Teil ihrer Monographie den Männern im Umfeld der beiden Faustinen widmen. Dies geschieht aber fließend und zielgerichtet. Zudem müssen die 'Vorgängerinnen' der Faustinen in die Untersuchung eingeschlossen werden, um das Leben der Ehefrauen des Antoninus Pius und des Marcus Aurelius auf Traditionen und Innovationen abklopfen zu können.

Nach einem kurzen Kapitel zu den Quellen folgen mit "The Empresses and Women's Power" die Vorbilder und Vorgängerinnen der Faustinen und damit der Rahmen, in dem sich die Frauen von Antoninus Pius, Marc Aurel und Lucius Verus bewegten.

Die Kapitel 3 und 4 geben vor allem einen geschichtlichen Überblick von den Nachfolgeregelungen Hadrians bis zum Tod der jüngeren Faustina. Kapitel 5 greift viele bereits behandelte Inhalte nochmals auf, diesmal aber unter gemischter thematischer Sortierung von öffentlicher Präsentation und Münzprägung bis hin zu einer Liste der - laut Levick vierzehn - Kinder des Marcus und der jüngeren Faustina. Die Bedeutung der beiden Faustinen als Ehefrau und Mutter für die Dynastie des Antoninus Pius und des Marcus ist ein zentrales Thema Levicks.

Den verstorbenen Faustinen als Göttinnen und ihre Angleichung an und Verbindung zu bestimmten Gottheiten widmet sich Levick in Kapitel 6. Das Buch endet mit einem Ausblick auf die Herrschaft des Commodus und das Fortleben der anderen noch lebenden Kinder, allesamt Töchter.

Man merkt dem Buch an, dass es mit der Gelassenheit eines großen Wissens- und Erfahrungsschatzes geschrieben wurde. Levick hat einen ausgesprochen angenehm lesbaren Text verfasst, in den meisterlich die Forschung eingewoben ist. Dabei scheut sie sich nicht, dem Leser dieser sicherlich auch populärwissenschaftlich ausgerichteten Reihe Forschernamen, Forschungsdiskussionen und (auch in den sehr ausführlichen Anmerkungen (173-211)) klare Stellungnahmen zuzumuten. Dass angesichts der unglaublichen Menge an verarbeiteter Literatur Fehler nicht ausbleiben [1] und auch immer noch etwas fehlt [2], betrifft meist Details der Forschungsdiskussion und kann dem Gesamteindruck dieses wunderbaren Werkes nichts anhaben.


Anmerkungen:

[1] Der Rezensent kann das natürlich besonders gut an seinen eigenen Arbeiten feststellen: So ist z.B. die referierte Meinung (187 Anm. 66 zum Parthermonument von Ephesos) einer Datierung nach 169 n.Chr. ein komplettes Missverständnis.

[2] Z.B. zur Versteigerung kaiserlichen Hausrats vor den Markomannenkriegen: Uwe Süssenbach: Cyclas, BHAC 1971, 185-236, oder zur Heirat zwischen Lucilla und Verus: Stefan Karwiese: Keine Kaiserhochzeit in Ephesos, in: Brinna Otto / Friedrich Ehrl (Hgg.): Echo. Beiträge zur Archäologie des mediterranen und alpinen Raumes. Johannes B. Trentini zum 80. Geburtstag (Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft; 27), Innsbruck 1990, 171-178.

Stefan Priwitzer