Rezension über:

Marek Jan Olbrycht: Aleksander Wielki i świat irański. [Alexander der Große und die iranische Welt], Rzeszów: Wydawnictwo Uniwersytetu Rzeszowskiego 2004, 412 S., ISBN 978-83-7338-134-6
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Rezension von:
Katarzyna Balbuza
Seminar für Geschichte Antiker Gesellschaften, Poznan
Redaktionelle Betreuung:
Sabine Panzram
Empfohlene Zitierweise:
Katarzyna Balbuza: Rezension von: Marek Jan Olbrycht: Aleksander Wielki i świat irański. [Alexander der Große und die iranische Welt], Rzeszów: Wydawnictwo Uniwersytetu Rzeszowskiego 2004, in: sehepunkte 5 (2005), Nr. 7/8 [15.07.2005], URL: http://www.sehepunkte.de
/2005/07/8732.html


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Marek Jan Olbrycht: Aleksander Wielki i świat irański

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Im Jahre 2004 legte Jan Marek Olbrycht unter dem Titel "Alexander der Große und die iranische Welt" eine umfangreiche Arbeit zu diesem größten der antiken Befehlshaber in polnischer Sprache vor. Die meisten der in letzter Zeit zu diesem Thema erschienenen Werke konzentrieren sich hauptsächlich auf den biografischen Aspekt. Das Buch von Jan Marek Olbrycht nimmt dagegen den iranischen Aspekt der Eroberungen von Alexander in den Blick, der bisher selten thematisiert wurde.

Das Buch besteht aus einer Einführung, vier analytisch-synthetischen Teilen und der Schlussbetrachtung. Hinzukommen ein Literatur- und Abbildungsverzeichnis, Abbildungsnachweise, ein geografischer Index sowie ein Personenregister.

Die aus drei Teilen bestehende Einführung (19) enthält eine Quellenübersicht sowie eine Erläuterung der Voraussetzungen und Ziele der Arbeit. Danach werden die Tendenzen der Forschung aufgezeigt und die Kernbegriffe der Monografie, Iraner und Iranisierung, erläutert. Der erste Teil beginnt mit einem Kapitel über "Alexander im Iran und in Mittelasien" (20-76), das die Politik Alexanders im Gebiet Asiens untersucht. Ausgangspunkt sind die gegenseitigen makedonisch-persischen Einwirkungen auf der Ebene der Kultur, Wirtschaft und Politik.

Dieses Thema wurde relevant, als Makedonien im Jahre 510 v. Chr. der Herrschaft Persiens untergeordnet wurde. In diesem Teil der Arbeit konzentriert sich der Autor weniger auf die Motive der Persieninvasion, als vielmehr auf die politischen Auffassungen Alexanders, die als Begründung für das Imperium dienen sollten (Einführung des Titels "König von Asien" und die Folgen dieser Handlung). Von großer Bedeutung ist hier die proiranische Politik Alexanders, mit ihrem Schwerpunkt auf den Reformen in Parthien. Es erwies sich, dass der neue Herr Asiens in kurzer Zeit Anhänger iranischer Bräuche wurde. So wurden nach der Eroberung von Babylon das makedonische Zeremoniell und der Alexanderhof iranisiert. Seit dieser Zeit führte Alexander eine proiranische zweckmäßige Politik.

Beachtenswert ist auch die vom Autor beschriebene (28-31) Politik Alexanders gegenüber den Iranern in Mittelasien (329-327), nachdem der Befehlshaber begriffen hatte, dass "die politische Stabilität eher durch Vereinigung und Einigkeit, Wohlwollen und guten Willen zu erreichen ist" (31). Im Folgenden geht der Autor auf die makedonische Opposition - die Philotas-, Kleitos- und Kallisthenesaffäre - (31-41), die Politik Alexanders im Iran nach dem Indienfeldzug (41-51) sowie auf die herrschende Schicht des Königreiches ("Die Iraner im Großreich Alexanders") und Alexanders Verhältnis zu Makedonen, Griechen und Iranern ein. Deutlich kritisiert und verwirft der Autor hier die These vom "Pragmatismus", die in zeitgenössischen Untersuchungen als proiranische Politik Alexanders ausgelegt wird (61: "Im allgemeinen überschreitet die proiranische Politik von Alexander die Notwendigkeit der Anpassung an neue Voraussetzungen und Sicherstellung der Herrschaft").

Sehr wertvoll sind die Unterkapitel 1.6 (64-68), in dem der Autor durch die Analyse iranischer Quellen die Rezeption der Person Alexanders in der iranischen Tradition herausarbeitet (wobei ein sowohl positives als auch negatives Bild Alexanders entsteht), und 1.7 (68-76), in dem allgemeine Bemerkungen über Alexander und seine Auffassung von der Gründung des makedonisch-iranischen Großreiches zu finden sind. Hier hebt der Autor insbesondere den Utopismus von Alexanders Programm hervor.

Der zweite Teil, "Die Iraner in der Armee Alexanders und der iranische Einfluß auf seine Kriegskunst" (77-204), beschäftigt sich mit dem militärischen Aspekt der Eroberungen, auf den Olbrycht viel Aufmerksamkeit verwendet, wobei insbesondere der Iranisierungsvorgang berücksichtigt wurde. Dieser führte zu einer Verringerung der Makedonier in der Armee (im Jahre 323 betrug die Makedonierzahl in der Armee 7000, die der Iraner ungefähr 70.000-75.000). Nach einer genauen Analyse von schriftlichen und archäologischen Zeugnissen befasst sich der Autor mit der Zusammensetzung und Wirksamkeit der Streitkräfte der Achämeniden (78-91) und der der makedonischen Armee (92-99) sowie schließlich mit der makedonisch-achämenidischen Konfrontation in Bewaffnung und Kriegskunst (100-102).

Es folgen Kapitel über iranische Formationen in Alexanders Armee, die nicht selten elitär waren (2.2, 102-128), über Veränderungen im Heer Alexanders in Mittelasien (2.3, 128-151) und über die Teilnahme der Iraner in der Armee von Alexander während des indischen und südiranischen Feldzuges (2.4, 151-171). Die Unterkapitel 2.5 bis 2.7 (171-204) handeln von militärisch-politischen Reformen Alexanders im Jahre 324 und der veränderten Politik gegenüber den Iranern, die in den Jahren 324-323 Hauptelement in der Armee Alexanders waren (2.6, 192-204).

Der dritte Teil, "Die Gründungen von Alexander in den nordiranischen Satrapien" (205-281), hat analytischen Charakter. Nach einer Übersicht über die Untersuchungen zum Thema Kolonisation analysiert der Autor hier vor allem die Gründungen Alexanders im nördlichen Teil des iranischen Hochlandes (208-261). Anschließend bestimmt er Herkunft und Status der dortigen Ansiedler (261-268) sowie den Status der Gründungen gegenüber dem König. Er macht darauf aufmerksam, dass in bisherigen Untersuchungen zur Kolonisationspolitik Alexanders der Zusammenhang zwischen episkopoi und den Ansiedlungen Alexanders nicht berücksichtigt wurde. Im Unterkapitel 3.6 (276-281) konzentriert sich der Autor auf das Programm der großen Kolonisationsaktion, das von Alexander eingeführt wurde. Dieses Programm war von großer Bedeutung für die militärische Einheit des Staates und für die Wirtschaft. Dem Eroberer war die Bedeutung der Städte in seinem neuen Staat bewusst.

Der vierte Teil stellt "Die Ikonographie der Kunstobjekte" aus der Alexander- sowie der Diadochenzeit den achämenidischen Traditionen gegenüber (282-326). Das Unterkapitel 4.1, "Tracht und Insignien der Achämeniden" (282-286), dient als Ausgangspunkt für weitere Überlegungen zur Ikonografie der Alexanderepoche. Weitere Ausführungen (4.2, 286- 293) betreffen die ornamenta regia von Alexander - seine Königstracht wird hier als visuelle Umsetzung der neuen Auffassung der monarchischen Macht begriffen. Zahlreiche Bilder und Skizzen illustrieren diesen Teil des Buches und stellen einen großen Vorteil des Buches dar.

Der Autor schildert auch die achämenidische Münzprägung und ihre visuelle Sprache (4.3, 293-298) sowie programmatische Münzemissionen Alexanders des Großen, jedoch nur diejenigen, die mit dem so genannten "iranischen Thema verbunden waren". Dieser Teil des Buches enthält zahlreiche Abbildungen von Münzen, deren Ikonografie der Autor genau analysiert. Er lenkt die Aufmerksamkeit auf die Bildung einer neuen Bildersprache bei Kunstobjekten der Alexander- und Diadochenepoche (4.5, 307-324), die treu den proiranischen Charakter der Politik Alexanders wiedergibt. Der Autor versichert, dass dieses Kapitel keine komplette Abhandlung des oben genannten Themas ist, sondern akzentuiert gewisse ikonografische Tendenzen in der Kunst Alexanders, die im Zusammenhang mit der iranischen Kultur stehen und an iranische Adressaten gerichtet sind. Der Autor beschreibt hier die wichtigsten Baudenkmäler der Epoche: die Pyra des Hephaistion (4.5.1, 307-311), den Leichenwagen Alexanders des Großen (4.5.2, 311-313), den Alexandersarkophag (4.5.3, 313-315), das Alexandermosaik (4.5.4, 316-319), die Jagdszene vom II. Grab in Vergina (4.5.5, 319-320), das Kraterosdenkmal in Delphi (4.5.6, 320-322) sowie das Kinchgrab (4.5.7, 324-324).

Der vierte Teil endet mit dem Kapitel "Wandel und Fortsetzung. Neue Ikonographie und Verharrungskraft iranischer Traditionen unter Alexander und den Diadochen", in dem der Autor wiederholt auf die Bedeutung iranischer Traditionen für Alexander und die Diadochen aufmerksam macht. Es folgen die Schlussbetrachtung, Alexander und die iranische Welt, sowie fünf Anhänge: Anhang 1: "Die Quellen für die Achämenidenepoche"; Anhang 2: "Das Bild Alexanders des Großen in griechisch-römischen literarischen Zeugnissen"; Anhang 3: "Der iranische Feuerkult unter Alexander und seine militärischen Aspekte"; Anhang 4 "Chiliarchos / hazaraptis im Alexanderreich" sowie Anhang 5: "Pasargadai und Persepolis - die achämenidischen Residenzstädte im Lichte archäologischer Zeugnisse."

Das Buch von Olbrycht beschreibt einen sehr interessanten Aspekt der Politik der Eroberungen Alexanders; den Einfluss des iranischen Elements auf den großen Befehlshaber und seine Umgebung. Aufgrund der reichen und vielfältigen Sammlung der literarischen Quellen, die aus der griechisch-römischen Tradition stammen, der griechischen Inschriften aus Anatolien, babylonischer Texte, der archäologischen und numismatischen Quellen und ihrer Konfrontation mit den Quellen, die aus Persien stammen, ist es dem Autor gelungen, die bisher in der Literatur wenig bekannten Elemente der iranischen Politik Alexanders herauszustellen. Seine Erkenntnisse lassen eine ganz andere Beurteilung Alexanders zu: nach Ansicht des Autors begann Alexander bereits im Jahre 330 mit seiner Politik - der so genannten Iranisierung -, deren Ziel die bewusste Formung eines Bildes vom makedonischen König als eines iranischen Herrschers (Übernahme der achämenidischen Königsinsignien, das Hofzeremoniell) war. Diesem Streben waren unterschiedliche Handlungen Alexanders untergeordnet, deren Ziel die Vereinigung des makedonischen Kulturelements mit dem iranischen war. Dies waren nicht nur in der alltäglichen Koexistenz beider ethnischer Elemente zu fassen, sondern auch in der Armee, in der man - insbesondere in den Eliteeinheiten - in großem Ausmaß Iraner eingestellt hatte. Mitunter bildeten sie den Großteil der Armee von Alexander (indischer Feldzug). Ähnlich verhält es sich in der Frage der Kolonisation. Die Untersuchungen Olbrychts beweisen, dass die Theorie über den griechischen Charakter der Kolonisation Alexanders im Iran und in Mittelasien nicht zu halten ist; er hat zeigen können, dass die Iraner die größte Ansiedlergruppe bildeten. Sein Buch lässt ohne Zweifel eine ganz neue Auffassung von der Iran-Politik des großen makedonischen Eroberers plausibel erscheinen.

Katarzyna Balbuza