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Ute Lotz-Heumann: Politik, Gesellschaft und Religion auf den fr├╝hneuzeitlichen britischen Inseln. Einführung, in: sehepunkte 5 (2005), Nr. 2 [15.02.2005], URL: http://www.sehepunkte.de
/2005/02/forum/politik-gesellschaft-und-religion-auf-den-fruehneuzeitlichen-britischen-inseln-94/

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Politik, Gesellschaft und Religion auf den fr├╝hneuzeitlichen britischen Inseln

Einführung

Von Ute Lotz-Heumann

Ein Rezensionsforum ├╝ber "Politik, Gesellschaft und Religion auf den fr├╝hneuzeitlichen britischen Inseln" kann naturgem├Ą├č keinen ├ťberblick ├╝ber die Literaturlage zu diesen Themenfeldern bieten, sondern nur exemplarisch einige neuere Arbeiten und ihre thematischen sowie methodischen Zug├Ąnge vorstellen. F├╝r das Forum konnten sowohl Rezensenten gewonnen werden, die zur fr├╝hneuzeitlichen Geschichte der britischen Inseln arbeiten, als auch Rezensenten, die sich als Experten f├╝r andere europ├Ąische L├Ąnder mit den Themen der von ihnen besprochenen B├╝cher besch├Ąftigen.

Methodisch er├Âffnen die hier vorgestellten B├╝cher ein breites Spektrum: Neben Arbeiten, die theologiegeschichtlich ausgerichtet sind oder mit makrohistorischem Blick nach der Entwicklung nationaler Identit├Ąt fragen, stehen Studien, die auch bereits im Titel eine Verbundenheit mit kulturgeschichtlichen Fragestellungen ausdr├╝cken: "images and cultures of law", "political culture", "construction of martyrdom", "meanings of manhood". Dies erweist sich zwar nach Auffassung der Rezensenten als durchaus unterschiedlich erfolgreiches Unternehmen, doch erlaubt die Methodenvielfalt, die sich in den letzten Dekaden herausgebildet hat, nicht selten einen neuen Blick auf alte Fragestellungen, wie beispielsweise Sebastian Barteleits Studie zur Toleranz im England der 1650er Jahre zeigt.

Hinsichtlich des geografischen Zuschnitts steht zwar weiterhin auch "England" im Mittelpunkt vieler Arbeiten, doch sind die Auswirkungen der urspr├╝nglich von John Pocock geforderten "new British history" [1] insbesondere in der politischen, aber auch der Sozial- und Religionsgeschichte un├╝bersehbar: Roger Manning schreibt Adelsgeschichte als eine Geschichte der drei K├Ânigreiche; J.P.D. Cooper versteht "the Westcountry" als eine Peripherie der fr├╝hneuzeitlichen englischen Krone unter anderen; die Geschichte der Reformation wird zumindest unter Einschluss von England und Schottland, wenn nicht gar unter dem Label "Britain and Ireland" [2] vergleichend geschrieben; und last but not least l├Ąsst sich auch die englische nationale Identit├Ąt nicht ohne die Ber├╝cksichtigung des "multiple kingdom" untersuchen.

Vor dem Hintergrund eines weitgehend konstanten Interesses der britischen und irischen Forschung an den gro├čen Themen der fr├╝hneuzeitlichen Geschichte - Reformation und ihre Folgen, Staatswerdung sowie Konstanz und Wandel sozialer Gruppen - haben kulturgeschichtliche Methoden und die "new British history" zweifelsohne neue Perspektiven er├Âffnet. Trotzdem bleibt die vergleichende Verankerung der Geschichte der britischen Inseln in der europ├Ąischen Geschichte - auch darauf deuten die Rezensenten zum Teil hin - weiterhin in hohem Ma├če Desiderat. Es ist zu hoffen, dass sich dies in Zukunft ├Ąndern wird.


Anmerkungen:

[1] Vgl. J.G.A. Pocock: British History. A Plea for a New Subject, in: Journal of Modern History 47 (1975), pp. 601-628.; Steven G. Ellis: Tudor Frontiers and Noble Power. The Making of the British State, Oxford 1995.

[2] Eine Begrifflichkeit zu finden, unter der die beiden Inseln im Atlantik ("Atlantic archipelago"), die heute in das Staatsgebiet von Gro├čbritannien und Irland geteilt sind, gefasst werden k├Ânnen, ist notorisch schwierig. Die h├Ąufig verwendete Bezeichnung "Britain and Ireland" tr├Ągt mehr den staatlichen Verh├Ąltnissen des 20. Jahrhunderts Rechnung als der fr├╝hneuzeitlichen Situation: Bereits im sp├Ąten Mittelalter erhob die englische Krone Anspruch auf Wales und Irland, nach 1603 umfasste die englische Monarchie England, Wales, Irland und Schottland. Auf die Gefahr der "political incorrectness" hin wurde f├╝r den Titel diese Forums der Begriff der "fr├╝hneuzeitlichen britischen Inseln" gew├Ąhlt.

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